Bildung

Keine weitere Schließung von Förderschulen in Herne geplant

Die Astrid-Lindgren-Schule an der Hedwigstraße läuft wie geplant im Sommer 2018 aus. Darüber hinaus sind in Herne zurzeit keine weiteren Schließungen von Förderschulen geplant.

Die Astrid-Lindgren-Schule an der Hedwigstraße läuft wie geplant im Sommer 2018 aus. Darüber hinaus sind in Herne zurzeit keine weiteren Schließungen von Förderschulen geplant.

Foto: Quickels, Archiv

Herne.   In Herne sollen vorerst keine weiteren Förderschulen geschlossen werden. Am gemeinsamen Unterricht wird aber nicht gerüttelt.

Schulthemen, so rückblickend der allgemeine Tenor, hatten einen wesentlichen Anteil daran, dass im Mai die Rot-Grüne Landesregierung in NRW abgewählt wurde. Nicht nur die Diskussion über das Abitur nach acht oder neun Jahren stand dabei im Mittelpunkt, sondern auch die heftig kritisierten Rahmenbedingungen bei der Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht behinderten Kindern.

Auch in Herne wurden im Zuge der Inklusion Förderschulen geschlossen, weil sich immer mehr Eltern entschieden, ihre Kinder eine Regelschule besuchen zu lassen und deshalb die erforderlichen Mindestschülerzahlen nicht mehr erreicht wurden. Die neue Schwarz-Gelbe Landesregierung will den Kommunen ermöglichen, weitere Schließungen von Förderschulen zu stoppen. So sollen Städte nun entsprechende Anträge einfach zurückziehen können, wenn die zuständige Bezirksregierung sie noch nicht genehmigt hat. „Das trifft auf Herne nicht zu“, so Schuldezernentin Gudrun Thierhoff. „Von uns ist kein Antrag auf Schließung einer weiteren Förderschule unterwegs. Es besteht auch zurzeit keine Absicht und keine Notwendigkeit dazu.“

Dezernentin: Kritik war berechtigt

Nach Jahren zurückgehender Anmeldezahlen für die Förderschulen beobachte der Fachbereich Schule im Augenblick sogar eine kleine Tendenz zu steigenden Zahlen. Nach den Gründen muss die Dezernentin nicht lange suchen: „Das macht sich an den Mängeln bei den Rahmenbedingungen fest. Die Kritik ist berechtigt, dass Regelschulen zu schnell und zu unvorbereitet in das System des gemeinsamen Unterrichts wechseln mussten.“

Sorge bereite ihr, dass die neue Landesregierung anscheinend plane, auch kleine Förderschulen zu erhalten. Die Lehrer, die dann dort unterrichteten, fehlten wiederum an den Regelschulen, wo es schon jetzt zu wenig entsprechend ausgebildete Lehrer gebe. Und es dauere nun mal einige Jahre, bis Lehrernachwuchs zur Verfügung stehe. Bei der Inklusion führe dennoch kein Weg zurück. Was auch die neue NRW-Schulministerin, Yvonne Gebauer, laut einem WAZ-Bericht deutlich gemacht hat.

Mindestzahlen deutlich überschritten

Zurzeit gibt es in Herne die Astrid-Lindgren-Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen; sie läuft zum Ende des Schuljahres 2017/18 aus. Die verbleibenden 36 Schüler wechseln zur Verbund-Förderschule Erich-Kästner/Paul-Klee, wobei die Erich-Kästner-Schule den Schwerpunkt Sprache abdeckt, die Paul-Klee-Schule den Schwerpunkt Lernen. Die Schule an der Dorneburg deckt den Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung ab; die Schülerzahlen dort liegen mit 113 deutlich über der Mindestzahl von 88, so Detlef Rüter, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Schule. Auch die Robert-Brauner-Schule und die Schule am Schwalbenweg, beide mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, lägen mit 82 bzw. 103 Schülern deutlich über der Mindestgröße von 50 Schülern.

169 Grundschulkinder mit besonderem Förderbedarf

Am gemeinsamen Unterricht nehmen in Herne alle Grundschulen teil, wobei die Zahl der Schüler mit besonderem Förderbedarf von Schule zu Schule und in den Jahrgangsstufen stark schwankt. Zum Stichtag 15. Oktober 2016 besuchten insgesamt 169 Kinder mit besonderem Förderbedarf die Grundschulen. In der Grundschule an der Jean-Vogel-Straße, wo nach den Ferien die Grundschulen James-Krüss und Flottmannstraße zusammenziehen, soll, so Detlef Rüter, ein Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation entstehen, den es in Herne noch nicht gibt.

Keine Einzelzuweisungen

Auch alle weiterführenden Schulen nähmen Kinder mit besonderem Förderbedarf auf, erklärt der zuständige Schulrat Marco Müller. Im Prinzip gelte, dass Kinder mit Hauptschulempfehlung und sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen oder emotionale/soziale Entwicklung nach der Klasse 4 eine Gesamtschule besuchten. Aber auch Realschulen und Gymnasien nehmen Kinder mit Förderbedarf auf. Es werde darauf geachtet, einen einzelnen Schüler mit bestimmten Förderbedarf nicht alleine einer Schule zuzuweisen: „Das wäre für die Schule schlecht, aber insbesondere für den Schüler“, so Marco Müller.

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