Comedy

Kay Ray zeigt sich in Herne von einer ganz neuen Seite

Im Kleinen Theater in Herne: Kay Ray bei der Vorpremiere von „Yolo“.

Im Kleinen Theater in Herne: Kay Ray bei der Vorpremiere von „Yolo“.

Foto: Funke Foto Services

Herne.   Der Comedian kam zur Vorpremiere seines neuen Programms „Yolo“ ins Kleine Theater, wo er mit leisen Tönen wie mit derben Späßen gefiel.

Mit Spannung wurde die Vorpremiere von Kay Rays neuem Programm „Yolo“ am Mittwoch Abend im kleinen Theater erwartet. Die beiden ausverkauften Termine im Dezember waren nämlich krankheitsbedingt abgesagt worden. Schon eine Stunde vor Beginn füllte sich das Foyer und es wurde wild spekuliert: „Macht er sich wieder nackig? Welche Tiere formt er heute aus seinen Genitalien? Reicht ihm heute eine Flasche Wodka auf der Bühne?“ All das war in den Flottmann-Hallen schon passiert.

Leise Töne zu Beginn

Als er dann pünktlich um 20 Uhr im lilafarbenen Anzug, Turnschuhen mit seinem Konterfei und wildem Haar die Bühne betrat, tat er dies zunächst mit leisen Tönen: mit englischen Klassikern und deutschen Balladen, die von der Suche nach dem Glück erzählten, von einem Leben geprägt von Lust und Laster. Danach berichtete er von seiner Kur, die er gemacht habe, da er „von allem zu viel hatte“: zu viel Arbeit, zu viel Alkohol und wohl auch zu viele Drogen. So nüchtern und persönlich kannte man ihn vorher nicht. Insbesondere, wer sein letztes Programm in den Flottmann-Hallen gesehen hatte, war das absolute Gegenteil vom Künstler gewohnt. Schon machten sich Sorgen breit: Ist Kay Ray erwachsen geworden? Wird das hier nun wie bei den Anonymen Alkoholikern? Werden wir heute Abend auch mal lachen?

Ja, es wurde gelacht - und wie! Die Abstinenz tut Kay Ray nämlich gut. Was melancholisch und künstlerisch wertvoll startete, wurde schnell so derbe, dass quer durch die Bank Tränen gelacht wurden. Der ehemalige Friseur ist (zum Glück!) wie gewohnt politisch inkorrekt, und zwar bis zur Schmerzgrenze, an der es für die vom Mainstream-Humor Geplagten erst wirklich witzig wird. Er witzelt über Selbstmordattentäterinnen, die man am Ring am Tamponfaden erkennt, Supermarkt-Kassiererinnen mit Hasenscharte und Behinderte. Garniert wurde das Ganze mit äußerst persönlichen Geschichten über seinen Stuhlgang sowie Informationen zu Cremes gegen Scheidentrockenheit.

Als Zuschlag gab es wie immer Kay Rays Stimme, die bei zarten Höhen und Brecheisen-Tiefen in den treffsicher ausgewählten Liedern nun noch mehr Gefühl transportiert, als man von diesem Ausnahme-Künstler bereits gewohnt war. Zum Schluss ging man beim „neuen“ Kay Ray nicht mehr nur mit vom Lachen schmerzenden Wangen aus der Vorstellung, dazu kam ein Quäntchen Nachdenklichkeit und ein besonderer Blick auf das eigene Leben.

„Bleibt locker“ ist Kay Rays Motto, welches er den Zuschauern mitgeben wollte und sicherlich werden das nun einige, die „Yolo“ gesehen haben, versuchen. Zum Beispiel, wenn sie beim Stuhlgang, wie von dem Künstler prophezeit, demnächst an den 50-Jährigen denken müssen...

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