Spielplätze

„Katastrophal“: Herner Spielplatzbilanz stößt auf Kritik

Ein Spielplatz ohne Spielgeräte? Auch das gibt es in Herne: An der Saarlandstraße in Eickel hat die Stadt alle Geräte abbauen lassen. In diesem Fall allerdings nicht aus Spargründen, sondern „aus Versehen.“

Ein Spielplatz ohne Spielgeräte? Auch das gibt es in Herne: An der Saarlandstraße in Eickel hat die Stadt alle Geräte abbauen lassen. In diesem Fall allerdings nicht aus Spargründen, sondern „aus Versehen.“

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Die Spielplatzsituation in Herne sei „katastrophal“, sagt die Kinderanwältin. Das bestätigt auch eine Untersuchung der Stadt. Woran es mangelt.

Die Stadt hat die Spielplatzsituation in Herne auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Die Kinderanwältin sieht dringenden Handlungsbedarf und appelliert an die Politik.

60.000 Euro für 123 Spielplätze

123 städtische Spielplätze gibt es zurzeit in Herne. Neue Spielgeräte werden nur im absoluten Ausnahmefall angeschafft: Für den Austausch alter bzw. defekter Geräte stellt die Politik der Stadt jährlich für alle Spielplätze insgesamt nur 60.000 Euro zur Verfügung. Auch eine Neugestaltung nicht mehr zeitgemäßer Spielplätze sei derzeit nicht realisierbar, weil dafür nicht mal ein Posten im Haushalt vorgesehen sei, heißt es im Untersuchungsbericht der Verwaltung, der vom Ausschuss Kinder-Jugend-Familie in Auftrag gegeben worden ist.

Ganz anders sieht es bei den wenigen Spielplätzen aus, die aus Stadtumbaumitteln „angefasst“ worden sind bzw. werden. So wurde der Spielplatz Auf der Insel in Herne-Mitte durch Fördermittel für 370.000 Euro neu gestaltet. Den anstehenden Umbau des Spielplatzes Am Alten Amt in Wanne-Süd veranschlagt die Stadt mit 270.000 Euro.

Besserung ist auf Basis der aktuellen Strukturen nicht in Sicht: Unter den finanziellen Bedingungen sei es schwierig, den Standard zu halten bzw. notwendige Verbesserungen vorzunehmen, so der Ausblick der Verwaltung.

Kinderanwältin spricht von Katastrophe

Hernes Kinderanwältin Bibi Buntstrumpf alias Nuray Sülü bringt die Spielplatzsituation auf Anfrage der WAZ mit einem Wort auf den Punkt: „Katastrophal!“ Sie kritisiert (einmal mehr), dass die Spielplatzmittel im Zuge der Haushaltskonsolidierung 2009 zusammengestrichen worden seien. Auch alle Versuche, das rückgängig zu machen, seien bisher gescheitert. „Ich hoffe, dass die Politik durch diesen Bericht wachgerüttelt wird“, sagt Sülü.

Zurück zur Untersuchung der Stadt: Beim Spielplatzangebot gibt es in der Stadt große Unterschiede. Beim Vergleich der Spielfläche pro Kind bzw. Einwohner unter 18 Jahren schneiden Wanne (12,14 Quadratmeter) und Eickel (12,07) deutlich besser ab als Herne-Mitte (7,93) und Sodingen (9,70). Die Kinderanwältin sieht aber noch in einem anderen Punkt ein Gefälle: Für Jugendliche gebe es deutlich weniger Angebote als für Kinder, beklagt Sülü.

Wie geht es weiter? Der Ausschuss Kinder-Jugend-Familie wird am Mittwoch, 18. September, ab 16 Uhr im Rathaus Wanne über den Spielplatzbericht diskutieren. In einer der nächsten Sitzungen soll dann die Projektgruppe „Kinderfreundliche Stadt“ eine Prioritätenliste der durchzuführenden Maßnahmen vorstellen. Diese solle den aktuellen Handlungsbedarf verdeutlichen und auch eine Kostenschätzung beinhalten, kündigt die Stadt an. Der Projektgruppen gehören neben dem Jugendamt und Stadtgrün die Kinderanwältin und KiJuPa-Geschäftsführer Armin Kurpanik an.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben