Pottporus

Junges „Ensample“ erzählt bei Premiere in Herne vom Aufbruch

Tänzer der Compagnie Ensample bei der Premiere des „Stück01“ in den Flottmann-Hallen.

Tänzer der Compagnie Ensample bei der Premiere des „Stück01“ in den Flottmann-Hallen.

Foto: FUNKE Foto Services

Herne.   Furioser Einstand beim Pottporus Festival in den Flottmann-Hallen. „Stück01“ thematisiert Euphorie und Melancholie des Abschiednehmens.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sieben neue Gesichter sollen das Pottporus-Festival eröffnen, junge Tänzer und Tänzerinnen, die Choreografin Kama Frankl mit ihrer Jury zu Beginn des Jahres ausgesucht hatte. „Ensample“ ist der Name der Crew, Stück01 heißt die erste gemeinsame Arbeit. Das Pottporus-Festival zu eröffnen, das prall gefüllt ist mit Tanz und Kunst, ist eine große Ehre, dessen ist sich die Choreografin bewusst. Und so weiß Pottporus-Leiter Zekai Fenerci vor der Uraufführung im Grußwort zu berichten: „Kama zittert schon.“

Auch Oberbürgermeister Frank Dudda freut sich auf das elfte urbane Festival, das über Hernes Grenzen hinaus bekannt ist. „Über 100 internationale und nationale Künstler stellen ihre Projekte vor“, so der OB stolz. Doch an diesem Abend geht es erstmals um jene, die monatelang intensiv gearbeitet haben, um das Festival würdig zu eröffnen. Die Tänzer des Ensample.

Schlichtes Bühnenbild

Dunkelheit begrüßt die Zuschauer auf der Bühne, eine junge Frau, ein junger Mann. Stille, sie tanzt, er bedauert, sie verloren zu haben. „Du bist gegangen in ein besseres Leben.“ Er ist allein, verletzt, überlegt laut: „Vielleicht ist es besser aufzubrechen.“ Genau darum geht es in dem Stück01, das dank seiner Darsteller so viel Kraft ausstrahlt: um Aufbruch.

Die Mittel auf der Bühne sind so simpel wie effektiv: rote Getränkekisten und blaues Licht. Bass dröhnt durch die Flottmann-Hallen und mit der Musik setzt die unglaubliche Energie der Tänzer ein. Das Stück fließt ohne große Effekte und dank der Präsenz der Tänzer, dynamisch. Der Szenenwechsel erfolgt mit einem neuen Aufbau der roten Kisten, nach jedem Umbruch kommen neue Geschichten auf die Bühne. Sie alle erzählen in dem einstündigen Stück davon, was Menschen erleben, wenn sie in ein neues Leben aufbrechen und geben dem Zuschauer dabei Raum für Interpretationen.

Mal gestalten sie den Aufbruch sehr ruhig und intim, ohne Musik, präzise und synchron, so lange, bis einer der Künstler neue Bewegungen einschlägt, loszieht, in ein neues Leben: Mal feiern sie mit Vollgas und losgelassen, befreit, ganz so, wie es junge Menschen erleben, wenn sie voller Euphorie ihr Zuhause verlassen. Dass der Aufbruch aber nicht immer so unbeschwert abläuft, zeigen sie ebenso gekonnt und tänzerisch in Szenen des sich Windens, der Stille – und der Melancholie, der Traurigkeit. Was nehme ich mit, was lasse ich hier? Was erwartet mich in meinem neuen Leben?

Ihre großartige tänzerische Interpretation vereinen die Künstler dabei mit schauspielerischer Kompetenz und ziehen so ihre Zuschauer in den Bann, mit Tanz, mit Bewegungen. Am Ende des Stücks bringen die Tänzer in ihrer grenzenlosen Ausdauer die roten Kisten in den Raum, türmen sie auf zu einer Mauer, bis allein die Oberkörper zu sehen sind. Das Ende? Keineswegs.

Es öffnen sich Lücken, Helligkeit und Orte, die das Publikum einladen, sich in einer neuen Welt zurechtzufinden. Das Ausbrechen, das zeigt das Ensample leicht tänzelnd, kann befreiend sein. Dafür gab es für das Ensemble und das komplette Team einen tosenden Applaus. Ein Stück02 muss einfach folgen.

Das Pottporus Festival geht am Samstag, 7. November, um 18 Uhr weiter mit dem Ruhrpottbattle in den Flottmann-Hallen. Einige Restkarten gibt es an der Tageskasse.

Am Sonntag, 8. November, laufen mit „Try Zwei“ von Stephan Brinkmann und „Neues Stück (AT)“ von Malou Airado ab 15.30 Uhr zwei Kurzstücke in den Flottmann-Hallen.

Die Compagnie Chriki’Z aus Frankreich zeigt am Sonntag dort um 17 Uhr „L’IniZio“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben