Welttag des Buches

Junge Menschen greifen in Herne gerne zum Buch

Ingrid von der Weppen mit Glückskeksen der besonderen Art. Am Welttag des Buches wurden sie verschenkt.

Ingrid von der Weppen mit Glückskeksen der besonderen Art. Am Welttag des Buches wurden sie verschenkt.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Zum Tag des Buches sprach die WAZ mit Bibliotheksleiterin Ingrid von der Weppen über E-Books und „echte“ Bücher. Als Überraschung gab es Kekse.

Glückskekse kennen die meisten Menschen vom Essen beim Asiaten. In den Bibliotheken Herne und Wanne gab es gestern zum Welttag des Buches ganz besondere Kekse: den literarischen Glückskeks, den Literatur-Keks und den Mordskeks. Jeder, der am 23. April eine der beiden Bibliotheken besuchte, erhielt einen Keks, solange der Vorrat reichte. Diese enthielten Zitate aus Büchern sowie Quizfragen. Leiterin Ingrid von der Weppen sprach mit der WAZ aber nicht nur über die ungewöhnlichen Kekse.

Mordskekse waren schnell vergriffen

„Auf die Idee mit den Keksen bin ich durch Zufall gekommen“, verrät sie. Im Börsenblatt habe sie eine entsprechende Anzeige gesehen und daraufhin die Kekse geordert - allerdings ursprünglich für die Nacht der Bibliotheken. Die Aktion kam so gut an, dass das Team beschloss, auch zum Welttag des Buches literarische Kekse zu verteilen. „Es ist einfach eine nette Idee und ein etwas anderes Giveaway als Kulis oder ähnliches.“ Um die Mittagszeit waren in Herne zumindest die Mordskekse schon vergriffen.

„Für uns ist natürlich jeder Tag ein ,Tag des Buches’“, sagt Ingrid von der Weppen und lacht. Gerade in den Ferien sei stets ein Anstieg an Ausleihen zu verzeichnen, sowohl im Print als auch im E-Book-Bereich. Die Onleihe werde gut nachgefragt, auch wenn erstaunlicherweise vor allem junge Menschen häufiger zum klassischen Buch griffen: „Die sagen, dass sie so viel am Bildschirm lesen, dass sie in ihrer Freizeit, wenn sie privat lesen, lieber ein Buch in der Hand halten.“

Kinder bevorzugen das gedruckte Buch

Auch bei den Kinderbüchern liege das gedruckte Buch vorne. Während Ältere in den Ferien häufiger zum E-Book-Reader greifen, werden für die Kinder viele klassische Bücher ausgeliehen. Die Haptik sei für die Kleinen wichtig. Und gerade Illustrationen kämen in der digitalen Variante häufig nicht so deutlich heraus.

Auch gebe es nicht alle verfügbaren Bücher als E-Variante. „Als Bibliothek kann man nicht jedes Buch als E-Book bekommen“, erklärt Ingrid von der Weppen. Es hänge immer davon ab, welche Lizenzen die Verlage ihnen zugestehen. Für manche Bestseller gebe es diese beispielsweise erst zeitverzögert, drei bis vier Monate nach Veröffentlichung der Print-Version. Dieser Umstand sei den Nutzern oft schwierig zu vermitteln, sagt die Bibliotheksleiterin. Sie findet: „Das Recht, die Bücher als E-Books kaufen zu können, sollte schon da sein. Es gibt sogar eine Kampagne, die das fordert.“ Diese läuft europaweit und heißt „The right to e-read“.

22.803 Titel in der Onleihe

Die Onleihe werde recht gut genutzt - allein 2018 gab es über 50.000 Vormerkungen für einzelne Titel. Im Verbund der Onleihe Ruhr stehen 33.593 Exemplare zur Verfügung, davon 22.803 Titel. „Die meisten greifen aber trotzdem auf das klassische Buch zurück“, weiß Ingrid von der Weppen.

Es gebe Studien, die unterschiedliche Aspekte von E-Book und klassischem Buch miteinander vergleichen, erklärte Ingrid von der Weppen im Gespräch mit der WAZ.

Studien untersuchen das Leseverständnis

Eine Studie der norwegischen Stavanger Universität beispielsweise prüfte das Leseverständnis ab. Dazu sollten 50 Leser und Leserinnen eine 28-seitige Kurzgeschichte lesen - die eine Hälfte in Printversion, die andere Hälfte auf einem E-Book-Reader. Im Anschluss sollten beide Gruppen die Geschichte wiedergeben.

Zwar konnten beide die Charaktere und den Schauplatz etwa gleich gut wiedergeben. Bei der Darstellung der Handlung allerdings schnitten die Leser der digitalen Variante deutlich schlechter ab. „Es ist ganz erstaunlich, dass man sich Einzelheiten einer Geschichte besser merken kann, wenn man sie gedruckt liest“, findet Ingrid von der Weppen. „Das ist ein ganz spannendes Thema.“

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