Ausbildung

Junge Herner im diplomatischen Dienst für die Ausbildung

Ausbildungsbotschafter Dennis di Sante - Auszubildender im Möbelhaus Zurbrüggen - stellte an der Gesamtschule sein Berufsbild vor.

Foto: Svenja Hanusch

Ausbildungsbotschafter Dennis di Sante - Auszubildender im Möbelhaus Zurbrüggen - stellte an der Gesamtschule sein Berufsbild vor.

Herne.   Die IHK will mit einem neuen Projekt die Ausbildungssituation verbessern. Azubis stellen in Schulen als Ausbildungsbotschafter ihren Beruf vor.

Dennis di Sante ist erst 23 Jahre jung, Marc Gremmler gar erst 17 Jahre. Dennoch sind beide bereits in den diplomtischen Dienst eingetreten. Die beiden haben am Dienstag als Ausbildungsbotschafter der IHK Mittleres Ruhrgebiet Schülern der Gesamtschule Wanne ihr Berufsbild vorgestellt.

Mit diesem Projekt versucht die Kammer, die Schere zwischen Ausbildungsstellen und unversorgten Jugendlichen in Herne ein wenig zu schließen. Der Ansatz: Auszubildende schildern ihre Erfahrungen - auf Grund des geringen Altersunterschieds soll sich eine Unterhaltung auf Augenhöhe entwickeln. Der Vormittag an der Gesamtschule offenbarte: Es funktioniert.

Dennis di Sante hat sich für eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann beim Möbelhaus Zurbrüggen entschieden. Als das Unternehmen ihn gefragt habe, ob er sich eine „Botschafterstelle“ vorstellen könne, habe er sofort zugesagt. Dass er sein Engagement ernst nimmt, offenbart sich an der Tatsache, dass er einen halben freien Tag für den Besuch in der Schule opfert.

Den gut zwei Dutzend Schülerinnen und Schülern schildert er, dass er Kunden bei der Möbelsuche berät, dass er auch mitsprechen dürfe, wie der Verkaufsraum gestaltet wird. Voraussetzungen für seinen Job seien Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeit sowie Produkt- und Markenwissen. Ihm mache die Beratung viel Spaß - Kundenbeschwerden selbstverständlich weniger. Die Ausbildung sei abwechslungsreich und habe seine Erwartungen zu hundert Prozent erfüllt. Die Aussichten auf eine Übernahme sind offenbar gut, doch di Sante erzählt, dass er weitergehende Pläne hat. Vielleicht will er später einen Abschluss als Betriebswirt machen und in einigen Jahren eine Filiale leiten. Dass die Bezahlung gut sei, kommt bei den Schülern an, die Arbeitszeiten - unter anderem samstags von 10 bis 19 Uhr - eher nicht. Den Schülern rät er, bei der Lehrstellensuche genau hinzuschauen, was zu einem passt. Und er nimmt ihnen Bedenken: Das Vorwissen muss gar nicht so groß sein, „viele Dinge lernt ihr fachspezifisch“.

Ob einer der jungen Zuhörer demnächst eine Bewerbung an Zurbrüggen schicken wird, dafür gab es am Dienstag keine Hinweise, aber die direkten ungefilterten Einblicke in dieses Berufsfeld kamen an.

Handfeste Hinweise lieferte Marc Gremmler. Er hat vor einem Jahr beim Wanner Unternehmen Leickel die Ausbildung zum Anlagenmechaniker Sanitär Heizung Klimatechnik begonnen. Dabei handelt es sich gar nicht um einen sogenannten IHK-Beruf, sondern um klassisches Handwerk. Da die Kreishandwerkerschaft jedoch kein vergleichbares Projekt anböte, habe sich Leickel bei der IHK gemeldet, erzählt Melanie Weinert, Projektleiterin bei der IHK. Beim wichtigen Thema Ausbildung gebe es keine Berührungsängste.

Gremmler zog es ins Handwerk, weil er schon als Kind gerne gewerkelt habe. Nach einem Praktikum bei Leickel sei er sicher gewesen: Dieser Beruf ist es. Man müsse nicht alles sofort können und wissen, auch Fehler seien nicht schlimm. „Hauptsache, man ist engagiert“, so Gremmler. Allerdings müsse man als Azubi für andere tragen und schleppen - aber das sei nach der Ausbildung ja vorbei. Bei Leickel kommen die Mitarbeiter offenbar viel herum. Die Firma habe unter anderem Baustellen in Berlin und Hamburg, selbst auf Mallorca. In knapp 20 Minuten erfahren die Schüler aus erster Hand und sehr authentisch, wie der Berufsalltag von Marc Gremmler aussieht. Eine viel direktere Entscheidungshilfe gibt es wohl nicht.

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