Joy Division

Joy Division: Was die legendäre Band drei Hernern bedeutet

Die britsche Band Joy Division mit Sänger Ian Curtis (2. v. li.). Am 17. Juli 1980 erschien mit „Closer“ das zweite und letzte Album der legendären Formation aus Manchester.

Die britsche Band Joy Division mit Sänger Ian Curtis (2. v. li.). Am 17. Juli 1980 erschien mit „Closer“ das zweite und letzte Album der legendären Formation aus Manchester.

Foto: Pennie Smith

Herne.  Vor 40 Jahren erschien Joy Divisions Album „Closer“ - zwei Monate nach dem Tod des Sängers Ian Curtis. Was drei Herner mit der Band verbinden.

In der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1980 erhängte sich Ian Curtis, Sänger der Band Joy Division, im Alter von 23 Jahren. Zwei Monate später erschien „Closer“, das noch mit Curtis eingespielte zweite und letzte Album des englischen Quartetts aus Manchester. Drei der vier Mitglieder von Joy Division (JD) gründeten anschließend die Band New Order, die bis heute große Erfolge feiert. Genau 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung von „Closer“ erscheint das längst legendäre Album in dieser Woche in einer Sonderedition. Die WAZ nimmt dies zum Anlass, drei mittelalte weiße Männer und ihre besondere Beziehung zu Joy Division in den Fokus zu rücken.

Melancholie und Verzweiflung

Anfang der 80er-Jahre rief Frank „Schmiddi“ Schmidt in Herne mit drei Gleichgesinnten die Punk-Formation GSG Neun ins Leben. Punk-Größen wie Sex Pistols, die UK Subs oder die Ramones verehrte er. Doch DIE Gruppe seines Lebens heißt Joy Division: „Das war die Band, die meinen Musikgeschmack am meisten beeinflusst hat.“

Er habe Ende der 70er-Jahre nicht gewusst, worauf er gewartet habe. Als er JD-Stücke wie „New Dawn Fades“ oder „Atmosphere“ gehört habe, sei es ihm bewusst geworden: „Diese Melancholie, diese Verzweiflung, die einfachen Songstrukturen - das war’’s!“, sagt der heute 56-Jährige. Das Depressive und Düstere der Songs hätten sein damaliges Lebensgefühl auf den Punkt gebracht.

„Closer“ sei sogar noch einen Tick besser als das JD-Debüt „Unknown Pleasures“, sagt er. „Ich kann das Album immer wieder hören.“ Seine Anspieltipps? „,Isolation’ ist großartig.“ Und „A Means to an End“. Und „Heart and Soul“. Und und und ...

Depeche Mode, New Order und rückwärts

Nein, bekennt der 1972 geborene Michael Weberink heute. „Ich habe 1980 im Alter von acht Jahren nicht der Veröffentlichung von ,Closer’ entgegengefiebert.“ Nach seiner Vorliebe für populäre Vertreter der Neuen Deutschen Welle habe seine ,schwarze musikalische Phase“ erst 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles begonnen. Und zwar durch die Entscheidung eines TV-Senders, „People Are People“ von Depeche Mode zur Olympia-Hymne zu machen.

Das sei sein Einstieg in die dunklere Electro-Synthie-Pop-Schiene gewesen, berichtet der Sodinger SPD-Bezirksverordnete. Nach Depeche Mode lernte er New Order kennen (und lieben) und dann „praktisch rückwärts“ auch Joy Division.

Von „Closer“ möge er besonders die Songs „The Eternal“ und „Decades“, sagt der 48-Jährige. „She’s Lost Control“ sei aber sein liebstes Lied von Joy Division. Und auch Anton Corbijns Spielfilm „Control“ über die Geschichte der Band und das tragische Ende von Ian Curtis habe ihm imponiert.

Im vergangenen Jahr hat Michael Weberink im Berliner Tempodrom sein allererstes Konzert von New Order besucht. Auch Stücke von Joy Division seien gespielt worden, berichtet er. Dabei sei ihm bewusst geworden, wie dicht, klar und strukturiert die Songs der Band gewesen seien.

Sengendes Licht, die Sonne

Bei einer England-Freizeit mit einer evangelischen Jugendgruppe in London und Brighton hatte Lars-Oliver Christoph im Sommer ‘79 eine Art Aha-Erlebnis. „Ich hörte damals erstmals Stücke von Künstlern wie Magazine, den frühen Police oder Gary Numans Tubeway Army“, so der Herner WAZ-Redakteur. Der weitere Weg war damit vorgezeichnet. Und zwar: von traditionellen Rock-Acts wie Pink Floyd, Supertramp oder Neil Young („den verehre ich aber heute noch“) hin zu Wave, Punk, Indie und schließlich mit etwas Verspätung auch zu Joy Division.

Das erste JD-Album „Unknown Pleasures“ gefalle ihm deutlich besser als „Closer“, sagt der 54-Jährige. Schon allein Songs wie „New Dawn Fades“ und „Shadowplay“ seien eine Offenbarung.

Den 40. Geburtstag von „Closer“ könne man nicht nur mit dem Auflegen alter Klassiker begehen, sondern auch mit einem neuen Buch über Joy Division und Ian Curtis, so der WAZ-Mann. Dieses heißt „Sengendes Licht, die Sonne und alles andere“, stammt vom britischen Journalisten Jon Savage und beleuchtet den Mythos allein durch Stimmen und Erinnerungen von Zeitzeugen. Christophs Urteil: „Lesenswert!“ loc

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