Ausstellung

Jörg Lippmeyers Kunst zwischen bunter Geometrie und Pop-Art

„Die Mätressen des Bischofs“ heißt Jörg Lippmeyers Ausstellung, die am Wochenende in der Kulturbrauerei Hülsmann zu sehen war. Foto:Klaus Pollkläsener

„Die Mätressen des Bischofs“ heißt Jörg Lippmeyers Ausstellung, die am Wochenende in der Kulturbrauerei Hülsmann zu sehen war. Foto:Klaus Pollkläsener

Herne.   „Die Mätressen des Bischofs“ heißt Jörg Lippmeyers vielfältige Schau in der Kulturbrauerei. Dieser sei eher drei Künstler als einer, hieß es.

Schon am Eingang der Eickeler Hülsmann-Brauerei begrüßt am Freitagabend die Besucher der Ausstellung „Die Mätressen des Bischofs“ ein Werk des „bunten Mannes aus Unser Fritz“, wie sich Jörg Lippmeyer gerne selber sieht: ein mehrteiliges Bild in der Form eines Menschen, die einzelnen Bildteile in bunte Rechtecke und Quadrate aufgelöst. Aus einer Ecke der Kneipe ertönen sonore Männerstimmen: „In einem kühlen Grunde“, ein altes Volkslied, dreistimmig vorgetragen von den „Drei Kalwitzkis“, einem Gesangstrio aus Mülheim. Weitere Volkslieder folgen.

Erst nach dem ersten Teil der Gesangsvorführung geht es in die unteren Räume. Dort hat Lippmeyer den größeren Teil seiner Bilder aufgehängt. Ein Schild weist den Weg zu den „Drei Mätressen“. Wer Anstößiges erwartete, wird enttäuscht. „Die sexuellen Vorlieben unserer Kirchenväter interessieren mich eher weniger“, sagt er im Vorbeigehen. Aber der Bezug auf den dritten Roman der „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ von Eckhard Henscheid, irgendwann in den späten 70ern erschienen, sei immer noch gut für einen „reißerischen Titel“.

Die Bilder heben sich allein schon durch ihre Farbigkeit aus dem Gewirr von Rohren und Sudkessel ab. Volker Eichener, Vorsitzender des Fördervereins Kulturbrauerei Eickel, bringt es in seiner humorvollen Einführung, auf den Punkt. Jörg Lippmeyer sei eher drei Künstler als einer. Da gibt es einmal diese bunten, farbenfrohen Arbeiten aus geometrischen Formen. Bilder und kleine Objekte. Besonders seine Reihe „Umme Ecke“ kommt bei Hülsmann zur Geltung. Eine Arbeit, die auf eine vorhandene Ecksituation komponiert ist. Sie gibt dem Gefühl der Ecke eine völlig neue Sicht.

Dann ist da der Jörg Lippmeyer, der sich bewusst in die Tradition der Pop-Art stellt. Dazu gehört die Reihe der „Mätressen“. Da räkeln sich jungen nackte Frauen auf der Bildfläche. Ihre Körper sind in bunte Flächen aufgelöst. Der Hintergrund des einen Bildes ist mit feinem Punktraster versehen. „Handgemalt“ – darauf besteht er. Doch im Gegensatz zu den Vorbildern der Pop-Art findet sich auf seinen Bildern noch eine kleine Figur des gaffenden Voyeurs, der sich versucht aus dem Bild zu schleichen. Da werden die Bilder zu einem aktuellen Statement in der Debatte um sexuelle Nötigung.

Fast ein wenig in der Ecke hat Lippmeyer den politischen Künstler versteckt. Vor einer amerikanischen Fahne läuft eine berühmte Ente aus dem Bild: „Tschüss Donald“, wobei wohl niemand gerne auf Herrn Duck verzichtet.

Die „Drei Kalwitzkis“ singen noch mal. Und als Zugabe darf natürlich „Der Mond von Wanne-Eickel“ nicht fehlen.

Zwei weitere Veranstaltungen

Auch am Wochenende standen zur Ausstellung „Mätressen des Bischofs“ Veranstaltungen in der Kulturbrauerei an. Für Samstag hatten sich Norbert Müller und Norbert Solbach mit Gitarrenmusik zwischen Kurt Weill, Eric Clapton und Django Reinhardt angesagt. Und bei der Finissage am Sonntag sollten Jessika Lüning und Volker Eichener Texte des Ruhrgebietspoeten Bernhard Koltermann lesen.

>> ZUR PERSON: AUSBILDUNG ZUM GRAFIKER

Jörg Lippmeyer, Jahrgang 1954, ist geborener und bekennender Wanne-Eickeler. Er hat eine Ausbildung zum Grafiker gemacht.

„Ich habe mich in den 1980er- Jahren als Grafiker selbstständig gemacht“, berichtet er.

Jahrelang hab er das gezeichnet, gemalt und layoutet, was andere Menschen von ihm verlangten hätten.

Irgendwann sei dann der Zeitpunkt gekommen, an dem er beschlossen haben, „dass mir in meine Malerei niemand mehr reinredet“, schreibt er über sich selbst.

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