Bildungsprogramm

Jede Menge Lollipop-Momente für die „Fellows“ der Schüler

Drei von vier Herner „Teach First Fellows“: (v.li.) Luisa Hemker, Lisa Götze und Jana Eckei.

Drei von vier Herner „Teach First Fellows“: (v.li.) Luisa Hemker, Lisa Götze und Jana Eckei.

Foto: Klaus Pollkläsener

herne.   Vier junge Frauen verstärken Herner Schulen und sorgen für individuelle Förderung. Und das steckt hinter dem Bildungsprogramm „Teach First“.

Ein größeres Lob kann man einer Mitarbeiterin wohl nicht machen: „Ich weiß gar nicht, was wir mal ohne sie machen sollen“, sagt Stefan Lindemann über Jana Eckei. Lindemann ist kommissarischer Leiter der Realschule An der Burg, Eckei ist seit 2017 und noch bis zu den Sommerferien „Teach First Fellow“ in der Eickeler Einrichtung.

Vier Herner Schulen dürfen sich derzeit über die jeweils zweijährige Unterstützung durch eine Teilnehmerin dieses Programms der gemeinnützigen Initiative „Teach First Deutschland“ freuen. Neben der Realschule An der Burg sind dies seit 2017 das Haranni-Gymnasium und die Hans-Tilkowski-Schule sowie seit diesem Schuljahr die Realschule Crange. Alle Schulen hatten sich beworben.

Das Ziel: Mehr Bildungsgerechtigkeit

Für mehr Bildungsgerechtigkeit will Teach First sorgen, so der Anspruch. In zwei Bereichen arbeiten die Fellows (deutsch: Weggefährten) an diesem Ziel: beim Übergang in den Beruf oder an eine weiterführende Schule sowie beim Wechsel von einer Integrationsklasse in eine Regelklasse. Das Schreiben von Bewerbungen zählt ebenso zu ihren Aufgaben wie die Förderung in Hauptfächern in den Abschlussklassen oder die Betreuung von Zuwanderern in Integrationsklassen. Lisa Götze (26), seit dem Sommer an der Realschule Crange im Einsatz, bringt ihre Motivation so auf den Punkt: „Ich wollte einen Job machen, in dem man etwas bewegen kann.“

Die vier Schulleiter empfinden die zusätzliche Verstärkung als großen Gewinn. Viel Wertschätzung erfahren die vier Fellows aber auch von ihren Schülern: Sie sprechen von „Lollipop-Momenten“ in ihrem Job, sprich: von Erlebnissen, „von denen man lange zehrt“, erzählt Jana Eckei (27). So hätten Schüler beispielsweise an ihren Geburtstag gedacht und ihr zahlreiche kleine Präsente gemacht.

Bei Luisa Hemker ging es sogar so weit, dass sie von Schülern an der Hans-Tilkowski-Schule mehrere Heiratsanträge bekommen hat - „in einem Fall hat ein Schüler sogar mit einer Rose vor mir gekniet“, erzählt die 23-Jährige.

Herne beteiligt sich seit 2011 an dem Programm

Seit 2011 seien Fellows in Herne im Einsatz, berichtet Gudrun Thierhoff. „Das Programm hat nicht an Attraktivität verloren“, so die Bildungsdezernentin. Die Teilnehmerinnen - es gab in Herne auch schon männliche Fellows - brächten durch ihren beruflichen Hintergrund neue Kompetenzen ein und hätten einen anderen Blick auf Schule. So ist Luisa Kemper studierte Mode-Textil-Designerin und Paula Pabel (27) - im Einsatz am Haranni-Gymnasium - Eurythmie-Pädagogin.

„Bildung ist immer auch Beziehungsarbeit“, sagt Haranni-Leiterin Nicole Nowak. Die Fellows könnten eine ganz andere Verbindung zu Schülern aufbauen, weil sie diese - anders als Lehrer - nicht auf den Prüfstand stellen und keine Noten vergeben müsste. Und sie übernähmen Aufgaben, für die Lehrer heute häufig keine Zeit hätten. Zum Beispiel: mit Schülern so lange durch die Stadt zu laufen, bis diese endlich einen Praktikumsplatz haben.

Knapp 45.000 Euro kostet eine Stelle pro Jahr. Die Stadt finanziert eine volle Stelle über Sponsoren, für die Kosten der anderen drei Fellows kommen das Land und die RAG-Stiftung auf.

>> INFO: Das sind die Herner Sponsoren

Die Kosten der Stadt fürs Teach First-Programm tragen Sponsoren und Spendern.

Das sind: die Bildungs- und Erziehungsstiftung der Herner Sparkasse, der Verein „Leben in Herne“, die Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit in Herne (gfi), der Lions-Club Herne-Emschertal und das Lions-Hilfswerk.

Herne ist eine „Teach First“-Hochburg: In NRW hat aktuell nur Duisburg mehr Fellows.

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