Literatur

Jan Zweyers neuer Krimi ist mit Herzblut geschrieben

Der Autor Jan Zweyer und sein neues Buch  „Starkstrom“.

Der Autor Jan Zweyer und sein neues Buch „Starkstrom“.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Jan Zweyer stößt mit „Starkstrom“ in politische Kategorien vor. Der Herner Autor nimmt sich des Schicksals von Flüchtlingen an.

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In Jan Zweyers Krimis fließt viel Blut, diesmal ist aber auch eine besondere Portion Herzblut dabei. In „Starkstrom“ widmet sich der Herner Autor dem Flüchtlingsthema, und hier bezieht der 65-Jährige eine ganz konkrete Position jenseits von AfD und rechten Parolen. „Irgendwann sind mir die Trumps und Orbans mit ihren Antworten auf die Probleme auf den Senkel gegangen“, nennt er den Anstoß für sein neues Werk.

Roman spielt in der Zukunft

Von der Vergangenheit in die Zukunft: Füllte Zweyer bislang mit seiner Mittelaltertrilogie „Das Haus der grauen Mönche“ und deren Fortsetzung „Ein Königreich von kurzer Dauer“ die Bücherregale spielt „Starkstrom“ um das Jahr 2030 herum. „Ich fragte mich: Was passiert, wenn es ähnlich wie bei Trumps geplanter Mauer zwischen den USA und Mexiko einen Zaun um ganz Europa geben würde?“ Wobei Zweyer klar ist, dass es angesichts der derzeitigen Verbarrikadierung des Kontinents gar nicht mehr weit ist bis zu seiner Vision.

Die Handlung: Europa verbarrikadiert sich. Ein meterhoher Metallzaun soll Flüchtlinge um jeden Preis fernhalten. Von der deutschen Regierung beauftragt, soll die „Good-Fence-Cooperation“ den Zaun mit allen Mitteln verteidigen. Sie droht damit, dass stirbt, wer die Abwehranlage zu überwinden versucht. Eine leere Behauptung, die abschrecken soll. Dann aber steht die Anlage plötzlich wirklich unter Strom, die eigentlich nur mit Schwachstrom geladen sein sollte. Ein Mann kommt mit dem Zaun in Berührung und stirbt. Das liest sich dramatisch: „In einem Reflex verkrampfte sein Körper, als tausende von Ampere durch seine Muskeln schossen. Flammen züngelten empor, Rauch stieg auf, Riccis Haut färbte sich schwarz, platzte, und sein Blut kochte.“

Weiteres Buch im Herbst

Zweyer konstruiert eine Allianz aus Schleppern, Politik und Rüstungsindustrie, die aus dem Flüchtlingsstrom ihren Profit zieht. „Das ist ein Milliardengeschäft.“ Der Autor schlägt sich auf die Seite der Menschen, die vor Krieg und Armut fliehen. „Hunger und Durst töten genauso wie Granaten“, nimmt Zweyer auch die als „Wirtschaftsflüchtlinge“ diskreditierten Emigranten in Schutz.

Grundlage für sein jüngstes Werk bildet ein Spiegel-Artikel „Die Spur des Geldes“, der Rest ist reine Fantasie. „Vieles ist auch Übertreibung. Da steht einiges drin, was sich hoffentlich nicht realisieren lässt“, gibt der freie Schriftsteller zu bedenken.

Drei Monate schrieb Zweyer an „Starkstrom“, fast exzessiv, könnte man sagen. Sechs bis sieben Stunden habe er täglich am Schreibtisch gesessen, auch samstags und sonntags. Außerdem ist auch die Fortsetzung von „Ein Königreich von kurzer Dauer“ druckfertig, es gibt allerdings noch keinen Titel dafür. Zum Inhalt sei verraten, dass es um die Geschichte des Bergbaus an der Ruhr geht. „Das Buch soll im Herbst vorliegen“, kündigt Zweyers Verlegerin Ulrike Rodi an.

Dass „Starkstrom“ in derart atemberaubender Geschwindigkeit fertiggestellt wurde, liegt auch an einem günstigen Umstand: Die Recherche sei viel unaufwändiger gewesen. Denn: Einen „Faktencheck“ braucht Zweyer nicht zu befürchten – bei einem Roman, der in der Zukunft spielt.

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