Jagd

Jagen in Herne – das sind die gesetzlichen Bestimmungen

Es gibt keine Pflicht zu Absperrungen bei einer Jagd. Diese sind klar geregelt.

Es gibt keine Pflicht zu Absperrungen bei einer Jagd. Diese sind klar geregelt.

Foto: Michael May

Herne.   Die Treibjagd im Februar in Sodingen hat viel Aufregung verursacht. Die WAZ erklärt, welche Rahmenbedingungen es für die Jagd in Herne gibt.

Die Treibjagd im Sodinger Volkspark im Februar hat für Aufregung gesorgt und beschäftigt inzwischen auch die Politik. In der Sitzung des Umweltausschusses beantwortete die Stadt Fragen, in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Sodingen steht das Thema Jagd ebenfalls auf der Tagesordnung. Die WAZ hat sich von Stadt und Kreisjägerschaft die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Jagd in Herne erläutern lassen.

Die Herner Stadtgrenzen sind identisch mit dem Herner Jagdbezirk. Die Stadt Herne ist als Untere Jagdbehörde innerhalb dieses Bezirks verpflichtet, die Jagd und die Pflege auszuführen, erläutert Heinz-Jürgen Kuhl, Stadtgrün-Leiter im Gespräch mit der WAZ. Er nennt ein paar Beispiele: An der Akademie in Sodingen wurden in der Vergangenheit Elstern gejagt, auf den Friedhöfen der Stadt werden regelmäßig Kaninchen geschossen. Entweder, weil ihre Zahl zu groß geworden ist, oder weil sie von einer Seuche befallen wurden. In diesen Fällen beauftragt die Stadt Jäger. Norbert Klups, Kreisjagdberater der Stadt, nennt ein weiteres Beispiel: So könne es vorkommen, dass sich ein Schwarm Tauben auf einem Erdbeerfeld niedergelassen hat und die Ernte bedroht. In diesem Fall mache sich der Kreisjagdberater der Stadt vor Ort ein Bild von der Lage. Die Stadt könne anschließend eine Sondergenehmigung für die Jagd erteilen.

Zahlreiche befriedete Bezirke

Innerhalb des Herner Jagdbezirks gibt es zahlreiche sogenannte „befriedete Bezirke“, in denen im Normalfall nicht gejagt werden darf. Dazu gehören zum Beispiel Friedhöfe – mit der genannten Ausnahme -, Sportplätze oder Kleingärten. Auf Flächen, die frei zugänglich sind, darf gejagt werden. Dabei betonen Kuhl und Klups übereinstimmend: „Niemand muss Angst haben, dass plötzlich ein Jäger in seinem Garten steht.“ Bei den frei zugänglichen Flächen handele es sich in erster Linie um landwirtschaftlich genutzte Flächen oder Parks. Bei diesen bilden die Grundstückeigentümer Jagdgenossenschaften. Die Eigentümer können das Recht zur Jagd entweder selbst ausüben oder es an Jäger verpachten. Klups: „Wild ist herrenlos, man darf es innerhalb der Gesetze und außerhalb der Schonzeiten jagen.“

Dafür, dass in Herne gejagt wird, ohne dass es die breite Öffentlichkeit registriert hat, nennt er ein Beispiel: In der Jagdsaison 2018/2019 wurden in Herne 73 Füchse getötet. Der weitaus größte Teil durch die Jagd, der geringste Teil sei überfahren worden. Er selbst jage auf dem Wiescherfriedhof Kaninchen. Und das „sehr, sehr vorsichtig“, wie er betont. Bevor er sich auf die Lauer lege, informiere er die Polizei, so Klups. So weiß man dort Bescheid, falls jemand sich meldet mit dem Hinweis auf Schüsse auf dem Friedhof. Er selbst habe in 15 Jahren kein Problem gehabt.

Klups kennt den Vorfall in Sodingen, der für Aufregung gesorgt hat und bestätigt die Stadt: Es gebe keine Verpflichtung, die Jagd anzukündigen. Er hat Erfahrungen damit, wenn eine Treibjagd im Vorhinein bekannt wird. „Die Jagd konnte nicht stattfinden, weil Tierschützer vor Beginn da waren und sie verhindert haben.“ In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass eine Jagdstörung strafbar sei.

>> REISSENDE FÜCHSE NICHT UNGEWÖHNLICH

Für Aufregung hatte am Sonntagmorgen ein Fuchs gesorgt, der allem Anschein nach in einem Hinterhof an der Gelsenkircher Straße 14 Hühner gerissen hat.

Für Kreisjagdberater Norbert Klups ist dies nicht ungewöhnlich. Füchse seien jetzt in der Aufzuchtzeit und seien auf der Suche nach Futter für die Jungen.

Dennis Ritter, Besitzer der Hühner, hat den Fuchs bis zum Montagmorgen noch mehrfach auf dem Grundstück gesichtet. Ritter hofft, dass die Untere Jagdbehörde eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss erteilt. Die Ausnahme ist einerseits nötig, weil es sich um ein bewohntes Gebiet handelt, andererseits, weil Füchse von März bis Juli wegen der Aufzucht der Jungen Schonzeit haben.

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