Betreuung

In Herner Kitas fehlen mehr als 960 Betreuungsplätze

Viele Kinder in Herne warten noch immer auf einen Kita-Platz. Laut Berechnungen der Stadt sind zum laufenden Kita-Jahr 961 Kinder leer ausgegangen.

Viele Kinder in Herne warten noch immer auf einen Kita-Platz. Laut Berechnungen der Stadt sind zum laufenden Kita-Jahr 961 Kinder leer ausgegangen.

Foto: Sebastian Kahnert / picture alliance/dpa

Herne.  Nur jedes dritte Kind unter drei Jahren hat in Herne einen Betreuungsplatz. Fast 1000 Kinder sind in diesem Jahr leer ausgegangen.

In Herne fehlen zum Beginn des neuen Kindergartenjahres am 1. August 2020 fast 1000 Kita-Plätze. Das geht aus der Berichtsvorlage zum Kita-Ausbau vor, die am Mittwoch im Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie vorgestellt wird.

So seien im U3-Bereich insgesamt 428 Kinder ohne ein Betreuungsangebot in einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege geblieben, wenn man von einem Bedarf bei 42 Prozent der Kinder ausgehe. Bei den über Dreijährigen waren es laut dem Fachbereich Kinder-Jugend-Familie sogar 533 Kinder, die trotz Rechtsanspruch leer ausgingen. Hier liegt die tatsächliche Betreuungsquote bei nur 88 Prozent – bei angestrebten 100 Prozent – , im U3-Bereich bei nur 32,2 Prozent. Somit hat nur jedes dritte Kind unter drei Jahren in Herne einen Betreuungsplatz.

Kita-Navigator wird erste verlässliche Zahlen bringen

Die tatsächlich fehlenden Plätze dürften aber noch deutlich höher liegen. Denn bei den 428 fehlenden Plätzen im U3-Bereich geht die Stadt von einem Betreuungsbedarf bei 42 Prozent der Kinder in diesem Alter aus. Diese Zielquote hat die Verwaltung nach einer Elternbefragung im Jahr 2012 errechnet. „Der tatsächliche Bedarf liegt um mindestens zehn Prozent höher, wenn nicht noch höher“, sagt der Ausschussvorsitzende Ulrich Klonki.

Er betont aber auch, dass sämtliche Zahlen, mit denen die Stadt derzeit arbeite, ausschließlich Annahmen seien. „Ende Februar/ Anfang März werden wir zum ersten Mal realistische und verlässliche Zahlen haben, wenn die Anmeldungen über den Kita-Navigator ausgewertet sind“, so Klonki. Denn ab dem 1. Oktober können Eltern ihren Bedarf erstmals über dieses Internetprogramm zentral anmelden. Der SPD-Ratsherr bittet alle Eltern, nicht nur die Bedarfe für das Kita-Jahr 2021/22, sondern auch die darauffolgenden Jahre bereits anzugeben.

Viele Kita-Bauvorhaben verzögern sich

Fest steht aber schon jetzt: Es fehlen weiter Kita-Plätze. Als Ursache dafür führt die Stadtverwaltung vor allem zwei Faktoren an: Ursächlich seien die Bevölkerungsentwicklung sowie - und das sei der größte Risikofaktor - die zeitlichen Verzögerungen bei der Umsetzung der Maßnahmen. Diese ergäben sich aus langwierigen Gutachtenerstellungen etwa für Lärmschutz, die verkehrliche Erschließung des Standortes, Bombenfunde auf dem Baugrundstück oder auch Bürgerproteste (wie etwa an der Ingeborgstraße).

Manche Bauvorhaben werden ganz aufgegeben, wie der Fachbereich in der Berichtsvorlage aufführt: „Konkret wird die Erweiterung der städtischen Kita Unser-Fritz-Straße nicht weiter verfolgt, da sich in der alten Dannekampschule die Möglichkeit bietet, eine Kita einzurichten. Auch das Projekt „NN Kita Sodingen“ wird derzeit nicht weiter verfolgt.“ Letzteres bedauert Ulrich Klonki besonders: „Ich glaube, dass diese Planung falsch ist, weil die neue Kita an der Castroper Straße die Bedarfe in Sodingen nicht decken wird.“

Container sollen kurzfristig helfen

Der Fachbereich Kinder-Jugend-Familie möchte den Kita-Ausbau kurzfristig durch die Aufstellung von Kita-Containern wie an der Kita Pantrings Hof voranbringen. Auch weitere Standorte sollen laut Berichtsvorlage geprüft werden. Mittelfristig soll der Ausbau durch Standardentwürfe für sämtliche Neubaumaßnahmen beschleunigt werden. Langfristig soll bei allen geplanten Neubauten geprüft werden, ob eine Erweiterung der bisherigen Planungen auf sechs Gruppen erfolgen kann.

Im Jahr 2022 soll laut Verwaltung die Zielquote von 42 Prozent bei den unter Dreijährigen und 100 Prozent bei den Kindern ab drei Jahren erfüllt sein. Sofern es nicht wieder zu Bauverzögerungen kommt.

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