Entsorgung

In Herne landen immer mehr Altreifen auf „wilden Müllkippen“

Erst im Oktober war ein Haufen Altreifen auf dem Parkplatz Auf dem Stennert in Herne abgeladen worden.

Erst im Oktober war ein Haufen Altreifen auf dem Parkplatz Auf dem Stennert in Herne abgeladen worden.

Foto: OH

Herne.  Zunehmend mehr Altreifen werden in Herne in der Natur entsorgt. Grund für die „wilden Müllkippen“ könnten gestiegene Entsorgungskosten sein.

Immer mehr Altreifen werden illegal in der Natur entsorgt. Das berichtet Barbara Nickel, Sprecherin von Entsorgung Herne und betont: „Das Problem mit den wilden Müllkippen ist in letzter Zeit massiver geworden“. Jüngste Beispiele: Ausgediente Schlappen waren zum einen an der Straße Auf dem Stennert, direkt neben dem Friedhof und zum anderen im Naturschutzgebiet Langeloh abgeladen worden.

Angesichts der Reifenmengen vermutet die Sprecherin, dass es sich um „windige Gewerbetreibende“ handelt, die die Kosten einer regulären Entsorgung umgehen wollen. Dafür spreche zudem der Zeitraum. Denn September und Oktober seien bekanntlich die Monate für den Reifenwechsel. Von den 16 Containerladungen an illegal entsorgten Altreifen, die Entsorgung Herne seit Jahresbeginn an Verwertungsfirmen geschickt hat, stammen allein sieben aus den beiden zurückliegenden Monaten, erläutert die Sprecherin.

Erfolg dank Mülldetektiven des Entsorgungsbetriebs

Sie ärgert sich nach eigenen Worten zudem darüber, dass der städtische Entsorgungsbetrieb Kosten übernehmen müsse, für die er eigentlich nicht zuständig sei. Je nach Anzahl der Reifen und Lage des Fundorts entstehen laut Nickels Angaben jeweils 200 bis 500 Euro an zusätzlichen Ausgaben. Bei den Summen gelte es zu bedenken, dass nicht nur die reinen Entsorgungs-, sondern auch die Personalkosten zu Buche schlagen würden.

Während man eigentlich kaum eine Chance habe, den Verantwortlichen zu ermitteln, sei es jetzt den „Mülldetektiven“ des Entsorgungsbetriebes in einem Fall gelungen, berichtet die Sprecherin. Den Verursacher erwarte ein Bußgeld in vierstelliger Höhe und die Übernahme der Einsammlungs- und Entsorgungskosten. Zudem müsse der Betrieb mit dem Besuch der unteren Abfallwirtschaftsbehörde rechnen, die die Entsorgungsnachweise des Gewerbetreibenden überprüfen werde, so Nickel.

Reguläre Entsorgung hat sich drastisch verteuert

Nach Einschätzung von Christian Stiebling, Chef des gleichnamigen Reifenhandels, steigt die Zahl der illegalen Aktionen vermutlich deshalb, weil sich die reguläre Entsorgung drastisch verteuert habe. Für sein Unternehmen, das mit verschiedenen Verwertern von Altreifen zusammenarbeitet, haben sich die Ausgaben verdoppelt, von 300.000 auf 600.000 Euro im Jahr.

Eine der wesentlichen Ursachen der Entwicklung sieht der Unternehmer darin, dass sich Dritte-Welt-Länder und zudem auch insbesondere China weigern, Müll aus Europa anzunehmen. Damit werde der Markt für Entsorgung und Recycling von Altreifen hier in Deutschland immer enger und in Folge würden auch die Kosten nach oben schnellen, so Stiebling.

Wertstoffhof nimmt Altreifen von Privatpersonen an

Zu den Entsorgungswegen habe unter anderem auch immer gehört, die Reifen an Zementwerke zu liefern, die das Material schreddern und anschließend verfeuern. Doch auch hier seien die Absatzchancen erheblich zurückgegangen.

Wenn Privatleute ihre Altreifen loswerden wollen, nimmt der Wertstoffhof bis zu vier Reifen (je 2,50 Euro) aus privaten Haushalten an. Die eingesammelten Reifen werden an eine zertifizierte Bochumer Verwertungsfirma geliefert, erläutert Nickel. Ein Teil der Mengen sei für den Export, ein anderer für die thermische Verwertung bestimmt. Das Gummi wird beispielsweise zur Energiegewinnung verbrannt.

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