Einzelhandel

Immer mehr leere Läden an der Hauptstraße in Herne-Eickel

Das sehen Bogestra-Kunden als erstes, wenn sie an der Haltestelle Eickel aussteigen. Das Haus, in dem sich frühere eine Bäckerei- und eine Volksbank-Filiale befanden, gammelt seit Jahren vor sich hin.

Das sehen Bogestra-Kunden als erstes, wenn sie an der Haltestelle Eickel aussteigen. Das Haus, in dem sich frühere eine Bäckerei- und eine Volksbank-Filiale befanden, gammelt seit Jahren vor sich hin.

Foto: Ralph Bodemer , Archiv

Wanne-Eickel/ Herne.   Der Masterplan Einzelhandel bescheinigt Eickel eine positive Entwicklung. Doch die Zahlen stammen von 2017. Die Hauptstraße zeigt sich anders.

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Eine „nahezu flächendeckende Nahversorgung“, eine „deutlich positive quantitative Entwicklung“ und eine „Optimierung der qualitativen Nahversorgung“ bescheinigt die Fortschreibung des „Masterplans Einzelhandel“ dem Nahversorgungszentrum Eickel. Doch wer an der zentralen Haltestelle „Eickel Kirche“ der Straßenbahnlinie 306 aussteigt, bekommt einen völlig anderen Eindruck.

Allein auf dem kurzen Abschnitt zwischen den Einmündungen Richard-Wagner-Straße und Burgstraße/Schultenhof gibt es mittlerweile zehn Leerstände, darunter große Immobilien wie die ehemalige AOK-Geschäftsstelle und die eines Friseurgeschäfts, dessen Schaufensterfassade über so viele Meter reicht, dass es wie zwei Geschäfte wirkt. Gerade auf der östlichen Seite reiht sich ein leeres Geschäft an das andere. Jüngster Auszug: Blumen Risse.

Abwärtsspirale dreht sich schnell

Getoppt werden die Leerstände noch durch den verwahrlosten Anblick, den die ehemaligen Geschäfte zum Teil bieten – einige schon seit vielen Jahren, wie die ehemalige Volksbankfiliale. Die einstige Haupteinkaufsstraße und Flaniermeile in Eickel ist ein trauriges Beispiel dafür, wie schnell sich die Abwärtsspirale dreht, wenn sie denn erst einmal in Gang gekommen ist. Die Geschwindigkeit spiegelt sich auch beim Masterplan wider: Er bezieht sich nicht auf den aktuellen Geschäftsbestand, sondern auf den des Jahres 2017. Damals sah die Situation an der Hauptstraße noch anders aus.

Einer, der die Entwicklung seit Jahrzehnten im Blick hat, ist Manfred Lieder, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Eickel, die unter dem Slogan „Eickel hat’s“ antritt. Auch der Verein ist von den Veränderungen betroffen: „Wir haben nur noch 44 Mitglieder“, sagt er. „Es waren mal über 100.“ Gegen die Entwicklung der Hauptstraße helfe seines Erachtens nur noch eine konzertierte Aktion. Es gebe leider Eigentümer, die aus verschiedenen Gründen kein Interesse hätten, ihre Immobilien zu vermieten oder zumindest nicht verwahrlosen zu lassen. „Ich habe x-Mal mit einigen gesprochen, habe ihnen Namen und Telefonnummern von interessierten Mietern gegeben, angeboten, wenigstens die Räume in stand zu setzen – vergebens.“ Er setzt seine Hoffnung darauf, dass vielleicht doch der Wochenmarkt vom Jörgen-Platz auf den Eickeler Markt verlegt wird, nachdem dort nun ab diesem Jahr auch ein Feierabendmarkt angeboten wird. „Das könnte insgesamt zu einer Belebung führen, die auch zur Hauptstraße rüber schwappt“ hofft er.

Nur einer folgte der Einladung

Gerade von dem Feierabendmarkt erhofft sich auch Sabedin Houssein-Oglou, der die Kulturbrauerei Hülsmann betreibt, einiges. Er war der einzige der von Stadtmarketing angeschriebenen Eickeler Gastronomen, der der Einladung zu einem Gespräch über den Feierabendmarkt gefolgt war. „Das ist sehr traurig“, sagt er. „Ich verstehe das auch nicht. Solch eine Veranstaltung kann Eickel doch nur helfen.“

Im Gegensatz zur Hauptstraße, wo sich inmitten der Leerstände vor einigen Wochen eine Pizzeria angesiedelt hat, hat die Entwicklung im Eickel Center und rund um den Eickeler Markt eine durchweg positive Entwicklung genommen. Im Umfeld stehen dort zurzeit die Postfiliale leer, ein ehemaliges Elektrogeschäft und die Räume der Tierarztpraxis, die zum Eickeler Markt gezogen ist.

>> IMMOBILIENMAKLER SETZT AUF SHOP IN SHOP

Die Inhaber von Orfa-Immobilien, die die Risse-Filiale vermieten wollen, kennen die Situation in Eickel seit vielen Jahren.

„Der Mittelstand bricht uns weg“, beobachten sie zunehmend mit Sorge.

Um bei angemieteten Geschäften über die Runden zu kommen, sollte man auf „Shop in Shop“-Konzepte setzen. Das sei attraktiv für Kunden und verteile die Kosten.

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