Verbraucherberatung

Immer mehr Abzocke mit Spiele-Apps und Mobilfunktarifen

Herne.   Die Verbraucherberatung Herne hat Bilanz gezogen. 6500 Ratsuchende kamen 2017 – und viele beschwerten sich über undurchsichtige Rechnungen.

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Immer mehr Hilfesuchende können die Beratung bei der Herner Verbraucherzentrale nicht aus eigener Tasche zahlen: Waren es vor fünf Jahren noch 25, so sind es nun schon 42 Prozent. „Das liegt auch an der steigenden Zahl der Einwanderer, die zu uns kommen“, berichtete Veronika Hensing, Leiterin der Anlaufstelle an der Freiligrathstraße, am Mittwoch.

Gerade im Mobilfunkbereich würden Migranten derzeit abgezockt, außerdem vorne im „Ranking“ der Ratsuchenden: Gratisspiele-Apps, die mit Abbuchungen auf der Telefonrechnung überraschten, und unseriöse Werber für digitalen Fernsehempfang. Die Bahnhofstraße sei im vergangenen Jahr als „Bermudadreieck der digitalen Medienverkäufer“ aufgefallen, besonders negativ sei hier Unity Media ins Rampenlicht geraten.

Flüchtlinge systematisch betrogen

Da das Unternehmen jetzt von Vodafone geschluckt werde, erhofft sich Veronika Hensing, „dass sich damit auch das Geschäftsgebaren ändert“. Aber auch bei Vodafone selbst liege einiges im Argen: „Da konnte ein Verkäufer arabisch, der hat Syrer und andere Flüchtlinge systematisch betrogen. Wir hatten zig Fälle, und als dann endlich jemand Anzeige erstattete, wollte die Polizei den Fall gar nicht aufnehmen, da mussten wir erst Druck ausüben.“

Fast 6500 Ratsuchende wandten sich 2017 an die Herner Verbrauchzentrale, meistens erfolgreich. „Wir hatten eine Erfolgsquote von 84 Prozent“, freut sich Veronika Hensing. Bei einem Streitwert von insgesamt fast 83 000 Euro holte die VZ fast 70 000 Euro heraus. Hauptfeld waren Mobilfunkverträge, aber auch Abzocke bei Schlüsseldiensten, die für das Öffnen einer Tür bis zu 1500 Euro verlangt hätten. Ein umfangreiches Beschäftigungsfeld böten auch Stromanbieterwechsel. Oft würden Neukunden günstige Kilowatttarife angeboten, die mit extrem hohen Grundgebühren verknüpft seien, erläuterte die Energieberaterin der VZ, Silke Gerstler.

Zukauf von Spiele-Elementen

Geschickte Täuschung, damit arglose Nutzer kostenpflichtige Bestellungen vornehmen oder in ungewollte Abos tappen – der digitale Verbraucheralltag sei gespickt mit Stolperfallen. Die Verbraucherzentrale habe besonders die Tücken vermeintlich kostenloser Spiele-Apps für Smartphone und Tablet in den Blick genommen. „Dabei zeigte sich, dass die Spielemacher Nutzer laufend animieren, den kostenlosen Sektor zu verlassen.“ Durch den Zukauf von Elementen werde der Spielverlauf vorangetrieben, daran verdienten Mobilfunkanbieter wie Spielverkäufer: „Wir berieten eine Mutter, bei der hatten sich 600 Euro Spielschulden der Tochter angehäuft.“

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