Superintendent

Im Kirchenkreis Herne steht erstmals eine Frau an der Spitze

Reiner Rimkus, scheidender Superintendent im evangelischen Kirchenkreis Herne/Castrop-Rauxel, mit seiner Nachfolgerin Claudia Reifenberger.

Reiner Rimkus, scheidender Superintendent im evangelischen Kirchenkreis Herne/Castrop-Rauxel, mit seiner Nachfolgerin Claudia Reifenberger.

Foto: Alexa Kuszlik / FUNKE Foto Services

Herne.  Der Kirchenkreis Herne/Castrop-Rauxel hat erstmals eine Frau an der Spitze. Die Synode wählte Claudia Reifenberger zur Superintendentin.

Erstmals in der Geschichte des evangelischen Kirchenkreises Herne/Castrop-Rauxel steht eine Frau an den Spitze. Pfarrerin Claudia Reifenberger aus der Gemeinde Castrop-Rauxel-Nord wurde am Samstag bei der Tagung der Kreissynode in der Herner Dreifaltigkeitskirche zur Superintendentin gewählt und tritt am 1. Dezember die Nachfolge von Reiner Rimkus an.

Reifenberger erhielt im zweiten Wahlgang 39 der 73 Stimmen der wahlberechtigten Mitglieder der Synode. Arno Wittekind, bislang Stellvertreter von Rimkus, konnte 24 Stimmen auf sich vereinen. Dieses Ergebnis hatte sich bereits im ersten Wahlgang angedeutet. Da erhielt Reifenberger 36 Stimmen und verfehlte die erforderliche absolute Mehrheit nur um eine Stimme.

Reifenbergers Wahl war im Vorfeld nicht unbedingt zu erwarten

Dass sich die Mitglieder der Synode für Reifenberger entschieden, war im Vorfeld nicht unbedingt zu erwarten. Hintergrund: Arno Wittekind hatte in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Positionen im Kirchenkreis inne, war also in den Gemeinden und bei den Mitgliedern bestens bekannt. Reifenberger kam erst 2016 in den Kirchenkreis, als sie Pfarrerin in der Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord wurde. Zuvor hatte die 55-Jährige eine Pfarrstelle in Lünen und war im dortigen Kirchenkreis bereits stellvertretende Superintendentin.

Am vergangenen Montag hatten sich Reifenberger und Wittekind den Mitgliedern der Synode vorgestellt und ihre Vorstellungen der zukünftigen Arbeit erläutert. Möglicherweise gaben diese Gespräch den Ausschlag. Dass Reifenberger kandidierte, lag an dem Umstand, dass Pfarrerin Saskia Karpenstein aus Röhlinghausen, die ebenfalls als Kandidatin in Frage gekommen wäre, vorher in Recklinghausen zur Superintendentin gewählt worden war. Daraufhin wurde Claudia Reifenberger gefragt, ob sie kandidieren wolle (im Kirchenkreis ist es unüblich, dass man selbst seinen Hut in den Ring wirft).

Amtsübernahme in einer Zeit mit vielen Herausforderungen

Dass sie tatsächlich gewählt wurde, habe sie doch überrascht, sagt sie in einem ersten Gespräch mit der Herner WAZ-Redaktion. Der Kirchenkreis Herne/Castrop-Rauxel stehe in dem Ruf, konservativ zu sein. Da habe man sich die Frage stellen können, ob sich die Mitglieder eine Frau an der Spitze vorstellen können. Außerdem könne der ein oder andere von ihrer äußeren Erscheinung „irritiert“ sein, wie Reifenberger sagt. Da sie aber aus der eigenen Gemeinde die Rückmeldung erhalten habe, dass es den Gemeindegliedern leid täte, wenn sie gewählt würde (weil sie dann die Gemeinde verlassen müsste), sei ihr klar gewesen, dass sie „weich falle“, egal wie die Wahl ausgehen würde.

Dass erstmals in der Geschichte des Kirchenkreises Herne/Castrop-Rauxel eine Frau an der Spitze steht, ist im Gesamtbild keine Seltenheit mehr, sondern das logische Resultat einer anderen Entwicklung. In den vergangenen Jahrzehnten haben immer mehr Frauen Pfarrämter übernommen, nun rücken sie auch zu Superintendentinnen auf.

Reiner Rimkus mit stehendem Beifall verabschiedet

Reifenberger tritt ihr Amt in einer Zeit der Herausforderungen an. Die Zahl der Kirchenaustritte steigt nach wie vor. „Inzwischen müssen sich die Menschen rechtfertigen, dass sie in der Kirche bleiben.“ Auch die Steuer- und damit die Einnahmesituation könnte im Zuge der Coronakrise Probleme bereiten. Sie sei nicht jemand, der vorneweg marschiert und bestimmt, wo es lang geht, beschreibt Reifenberger ihren Stil. Sie wolle die Dinge aushandeln mit den Menschen, die Verantwortung tragen.

Der scheidende Superintendent Reiner Rimkus wurde bei seiner letzten Synode mit stehendem Beifall bedacht. Sein Grundgefühl am Ende seiner Amtszeit sei Dank, sagte er im Gespräch mit der Herner WAZ. Er habe ganz viele Menschen getroffen, die ihn auf liebenswerte und freundliche Weise begleitet hätten. Er habe aber auch manchmal die Last der Verantwortung gespürt, die Bedürfnisse der Menschen und Gemeinden angemessen zu beachten und auszubalancieren.

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