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Im Abfallkraftwerk Herten entsteht aus Hausmüll Strom

Anne-Kathrin Lappe und Wolfgang Schimmelmann stehen vor einem großen Müllbunker der Anlage.

Anne-Kathrin Lappe und Wolfgang Schimmelmann stehen vor einem großen Müllbunker der Anlage.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Im Abfallkraftwerk Herten werden Rest- und Sperrmüll aus Herne verbrannt. Durch die Energie könnten 80 000 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Abfallfahrzeuge, Arbeiter mit Warnwesten und Helmen und ein riesiger Müllberg – in der Müllverbrennungsanlage des Abfallkraftwerks Herten landet alles, was in Herne zum Beispiel in die grauen Tonnen kommt. „Hier findet man das, was quasi nicht mehr recycelt werden kann“, sagt Anne-Kathrin Lappe von der AGR. „Allerdings recyceln wir hier auch auf eine gewisse Art und Weise, denn aus dem Abfall entsteht etwas Neues: Energie.“ Doch bis es so weit ist, hat der Hausmüll aus der grauen Tonne noch eine Reise vor sich.

Wenn die Müllfahrzeuge auf dem Gelände in Herten ankommen, müssen sie erst einmal zur Kontrolle: Wiegen ist angesagt. Dazu fahren sie auf eine große Platte und warten, bis die Mitarbeiter sie weiterwinken. Das Szenario erinnert an eine Zollkontrolle, der Geruch ist allerdings ein anderer: „Hier riecht man den Müll am meisten, weil manche Fahrzeuge offen sind“, erklärt Wolfgang Schimmelmann. Er hat elf Jahre im Abfallkraftwerk gearbeitet und gibt sein Wissen nun regelmäßig in Führungen an Besuchergruppen weiter.

Der Müllberg stinkt nicht

Hat der Abfall die Einlasskontrolle überstanden, geht es für ihn raus aus dem Fahrzeug und rein in einen großen Bunker. Dieser ist etwa 100 Meter lang und über zwölf Meter tief. Was aus den Fahrzeugen daneben fällt, wird von den Arbeitern mit Besen und Schaufel hinterher gebracht. „Der Sperrmüll wird noch von den Maschinen zerkleinert und kommt hier dann mit dem Restmüll aus der grauen Tonne zusammen“, erzählt Wolfgang Schimmelmann. Ein großer grauer Haufen mit erkennbaren Überresten von Verpackungen und Matratzen entsteht. Und auch, wenn hier mehrere hundert Tonnen Abfall zusammenkommen: Der Müllberg stinkt nicht. „Das liegt an dem leichten Unterdruck, den es hier im Bunker gibt“, erklärt Schimmelmann.

Die graue Masse wird mit einem so genannten Beschickungskran weiter transportiert. Dieser erinnert an die kleinen Greifautomaten, bei denen man versucht, ein Stofftier zu erwischen. Allerdings greift der Arm hier kein kleines Stofftier, sondern bis zu vier Tonnen Müll auf einmal.

20 Tonnen Abfall pro Stunde

Aus dem Bunker geht es durch einen Trichter in den Verbrennungsraum, den Ofen. Dort werden bei 1000 Grad 20 Tonnen Abfall pro Stunde verbrannt. Damit das reibungslos funktioniert, steuern die Mitarbeiter alles aus der Schaltzentrale – von der Schranke der Einfahrt bis zur Temperatur im Kessel. „Wir sind hier rund um die Uhr besetzt, schließlich wird der Strom auch am Wochenende und an den Feiertagen gebraucht“, so Schimmelmann.

Aber wie entsteht bei der Müllverbrennung Strom? Entscheidend dafür sind die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase. Diese erhitzen Wasser, welches sich in Dampf verwandelt. Der Dampf treibt über eine Turbine einen Generator an, der Strom erzeugt. Ähnlich wie bei einem Fahrraddynamo. Die Rauchgase werden anschließend mit Hilfe von mehreren Filtern von Schadstoffen wie Quecksilber gereinigt, so dass am Ende nur saubere Luft aus dem Schornstein des Werks kommt. „Unsere gereinigte Luft ist meist sogar sauberer als die Umgebungsluft“, sagt Anne-Kathrin Lappe.

Bedarf von 80 000 Haushalten

Der entstandene Strom wird zum einen für den Eigenbedarf der Anlage genutzt, zum anderen werden die Stadtwerke Herten dadurch versorgt. Die Menge des erzeugten Stroms entspricht ungefähr dem Bedarf von 80 000 Haushalten.

Vom Hausmüll bleibt am Ende nur noch die Schlacke, eine Art Asche, übrig. Diese wird anschließend von der AGR zur benachbarten Deponie gebracht.

Ehering im Müll verloren

Die großen Dimensionen und der Aufwand der Müllverbrennung seien vielen Bürgern nicht unbedingt bewusst, weiß Wolfgang Schimmelmann aus seinen eigenen Erfahrungen. „Hier hat einmal eine Frau angerufen, die ihren Ehering versehentlich weggeschmissen hat und wollte, dass wir den wiederfinden“, erzählt der Experte. „Ich konnte ihr aber verständlich machen, dass das bei den vielen Tonnen Müll, mit denen wir täglich zu tun haben, doch ein bisschen schwieriger ist.“

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