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Hiberniaschule in Herne packt ihre „Baustellen“ an

Leiter Stefan Mikl in der Elektronikwerkstatt der Hiberniaschule. Dort haben Schüler an der Ladesäule für E-Bikes gearbeitet.

Foto: Rainer Raffalski

Leiter Stefan Mikl in der Elektronikwerkstatt der Hiberniaschule. Dort haben Schüler an der Ladesäule für E-Bikes gearbeitet.

Herne.   Die Hiberniaschule investiert etwa eine Million Euro in ihre 60 Jahre alten Gebäude. Schüler bauen Ladesäule für E-Bikes.

Nicht nur in vielen städtischen Schulen wird zurzeit um- und angebaut, saniert und renoviert, auch die Hiberniaschule als Schule in freier Trägerschaft investiert nachdrücklich in die Gebäude. „Die Schule ist 60 Jahre alt“, sagt Dietmar Baumgart vom Vorstand des Schulvereins und Koordinator Baukreis. „Da muss man was tun.“

Äußerlich sichtbarstes Zeichen: Das Gerüst, das seit Wochen den Gebäudetrakt des Handwerkerbereichs an der Holsterhauser Straße umgibt. Eigentlich sollte zunächst nur das undichte Dach gemacht werden, „doch als das teure Gerüst schon mal stand, haben wir uns entschlossen, auch die Fenster zu sanieren und den Trakt neu anstreichen zu lassen.“ Wobei die neue Farbe die alte ist: „Wir haben vor Jahren lange diskutiert, welche Farbe wir welchem Trakt geben und uns für Rot für den Handwerkerbereich entschieden“, sagt Schulleiterin Constanze Hayn. „Das haben wir beibehalten.“

Schultoiletten hochwertig saniert

Fenster, Farbe und Dach sind jedoch nicht die einzigen Baustellen: Die Schultoiletten sind saniert worden, mit hochwertigen Materialien und unter Beteiligung der Schüler, wie Constanze Hayn betont – was auch dazu beitrage, Beschädigungen zu verhindern. In einer Gemeinschaftsaktion von Lehrern, Hausmeistern und Handwerkern ist eine neue Lehrküche eingebaut worden, wobei die Schüler aus dem Bereich Elektronik zum Beispiel für die Elektroinstallationen sorgten. Die bis zu 20 Lehrer der Unterstufe konnten von ihrem winzigen Lehrerzimmer in ein größeres umziehen, wenn auch noch nicht in das endgültige. Das stehe in den nächsten fünf Jahren auf dem Programm, so Baumgart.

Außerdem würden die Klassenzimmer nach und nach auf den neuesten Stand gebracht, bekämen neue Böden und Fenster. Und auch die Richtlinien für den Brandschutz sind einzuhalten: Es seien zehn bis zwölf Brandschutztüren eingebaut worden, so Geschäftsführer Carsten Brandt. Auf der Vorhabenliste für die nächste Zeit stehen noch die Erneuerung des ebenfalls undichten Daches über dem Verwaltungstrakt, eine Sanierung der älteren Werkstätten und – als Wunschprojekt – ein neues großes Gebäude für die Eurythmie, die nach dem Bau der Dreifach-Sporthalle in die alte Sporthalle umgezogen ist, was jedoch keine befriedigende Lösung sei, so Baumgart.

Stiftungsverein muss selbst vorfinanzieren

Anders als bei städtischen Schulen muss der Stiftungsverein Hiberniaschule die Investitionen selber vorfinanzieren. Dem Stiftungsverein gehören die Gebäude, er ist für Instandhaltung und Investitionen zuständig. Was auch Vorteile habe, so Baumgart: „Wir können flexibler reagieren, brauchen Aufträge nicht europaweit auszuschreiben und können mit bewährten lokalen Firmen zusammenarbeiten.“ Eine Million Euro sei in dieser Bauphase investiert worden, so Carsten Brandt. Seit 2007/2008, als der Entschluss fiel, die Klassen 5 bis 14 dreizügig zu führen, seien es rund zwölf Millionen gewesen.

Die Mittel, die die Schule aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ erhält, werden für die allgemeine Digitalisierung eingesetzt, wobei alle Klassen ab Jahrgangsstufe 5 an das Netzwerk der Schule angeschlossen werden.

Außerdem werden alle Gebäudeteile mit einem Gefahr- und Krisensystem ausgestattet: In Notlagen können per Gegensprechanlage sofort Informationen ausgetauscht und per Knopfdruck kann Hilfe gerufen werden.

Ladesäule für E-Bikes als Innovation

Beim Tag der offenen Tür, zu dem die Hiberniaschule am Samstag, 29. September, einlädt, wird sie eine Innovation vorstellen: eine Ladesäule für E-Bikes. Die Schüler des Elektronikbereichs haben sie in Modularbauweise selbst angefertigt. Der Prototyp soll Ende September in Betrieb genommen werden, zwei weitere sollen folgen. Sockel und Dach bestehen aus Beton, die Säulen selbst aus Edelstahl.

Sechs Fahrräder können dort gleichzeitig aufgeladen werden, gegen eine Spende für die Schule. Den Strom für die Ladesäulen erzeugt die Hiberniaschule selbst – mit einer Photovoltaikanlage, die sofort auf dem sanierten Dach der Schule angebracht wurde.

Aufgestellt werden die Säulen vorne auf dem Außengelände der Schule; gedacht ist auch an einen Stellplatz für ein E-Auto: „Die modulare Bauweise der Säule hat den Vorteil, dass sie flexibel gestaltet werden kann“, so Geschäftsführer Carsten Brandt. Beschädigungen fürchtet die Schule eher nicht. „Das ist Strom“, schmunzelt Constanze Hayn, „da sind alle vorsichtig.“ Außerdem will die Schule ihren Vorhof demnächst sowieso besser ausleuchten.

Beim Aufstellen der Säulen auf eigenem Gelände soll es nicht bleiben: „Wir möchten dieses Modell auch auf andere Schulen übertragen“, so Brandt. Denkbar sei auch eine Verbindung mit Solarmodulen. Der Regierungspräsident Arnsberg, Hans-Josef Vogel, sei von dem Projekt sehr angetan gewesen. Und die Schule beteilige sich damit am Bundespreis Ecodesign, mit dem nachhaltige, herausragend gestaltete Produkte, Dienstleistungen und Konzepte ausgezeichnet werden.

>> Tag der offenen Tür am 29. September

Die Hiberniaschule an der Holsterhauser Straße wurde 1964 eingeweiht. Sie hat sich aus einer betrieblichen Lehrwerkstatt entwickelt, die eine ganzheitlich orientierte Ausbildung einbinden wollte.

Die Hiberniaschule wird heute von 1045 Schülern besucht; ein Drittel von ihnen kommen aus Herne. Die Schule setzt sowohl musisch-künstlerische als auch handwerkliche Schwerpunkte.

Beim Tag der offenen Tür am Samstag, 29. September, können sich Interessierte von 11 bis 17 Uhr auf dem Schulgelände umsehen und informieren. Um 14 Uhr beginnt dort auch das Herbstfest.

Besucher, die mit dem Pkw kommen, sollten auf dem Parkplatz des Job-Centers an der Koniner Straße 4, parken. Von dort fährt alle 15 Minuten ein Shuttle-Bus zu Schule.

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