Gastronomie

Herner Wirte lehnen Anzahlung für Tisch-Reservierung ab

Tisch-Reservierungen sollen in Herne auch künftig kostenlos bleiben. Das sagen Gastronomen im Gespräch mit der WAZ.

Tisch-Reservierungen sollen in Herne auch künftig kostenlos bleiben. Das sagen Gastronomen im Gespräch mit der WAZ.

Foto: Imago

Herne.  Der Hotel- und Gaststättenverband schlägt vor: Restaurant-Besucher sollen bei Tisch-Reservierungen anzahlen. Das sagen Herner Gastronomen dazu.

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Werden Gäste in einigen Restaurants künftig ihren bestellten Tisch anzahlen müssen? Die Frage stellt sich, weil der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) seinen Mitgliedern einen solchen Vorschlag unterbreitet hat. Damit will man einem Ärgernis begegnen: den sogenannten No Shows. So nennen Gastwirte Kunden, die einen Tisch reservieren, aber dann nichts mehr von sich hören lassen.

Personal muss trotzdem bezahlt werden

„Kommt ein Gast zu Stoßzeiten wie Weihnachten oder Ostern nicht, dann kriegen wir den Tisch nicht mehr besetzt. Gleichzeitig müssen wir unser Personal trotzdem bezahlen. Mit Arbeitszeitvorgaben und dem Mindestlohn sind die Kosten hoch für uns“, erläutert Heinz Bruns, Dehoga-Vorsitzender des Kreises Bochum, zu dem auch Hernegehört. Jahrelang sei unter Gastronomen über „No Shows“ diskutiert worden, aber nichts passiert. Jetzt sei es endlich so weit.

Arsim Osmanji, Restaurantleiter des Eickeler „Gockelns“ kann den Dehoga-Vorschlag nicht nachvollziehen. „Wir haben bis zu 100 Plätze. Uns ist es so selten passiert, dass Menschen nicht kommen. In der gehobenen Gastronomie habe ich Verständnis für eine solche Praxis, sonst aber nicht.“ Neulich habe er selbst vorab zehn Euro an ein Restaurant in Gladbeck überweisen sollen, um dort essen gehen zu können. Das habe er als Restaurantleiter nicht gewollt: „Man muss dem Gast vertrauen und auch auf seine Wünsche eingehen“, erklärt Osmanji seine unternehmerische Philosophie.

Dehoga-Chef beklagt Umsatzverlust

Auch Dehoga-Vorsitzender Bruns schätzt, dass es die gehobene und eher Sterne-Gastronomie ist, die mit nicht abgesagten Tischen Schwierigkeiten hat. Er selbst habe als Inhaber der Gastronomie „Haus Kemnade“ pro Jahr mehrere Tausend Euro im fünfstelligen Bereich an Umsatzverlust. „Je hochpreisiger das Angebot, desto größer das Problem“, sagt Bruns. Weil viele Gastronomen mit ähnlichen Problemen kämpften, kam es zu dem Vorstoß und auch einem Appell an die Gäste, „Fair Play“ walten zu lassen. Bestellen sie, dann sollen sie auch aufschlagen oder rechtzeitig absagen. „Herner Gastronomen gaben wenig Feedback, weil wenige in einer hochpreisigen Kategorie spielen“, erklärt Bruns.

Auch „Die Palastkantine im Mondpalast“als eine der höherklassigen Gastronomien der Stadt hat keine Sorgen mit fernbleibenden Kunden. „Pro Monat kommt ein ,No Show’ vielleicht zwei Mal vor. Wir haben dann auch keine Probleme, den Tisch wieder zu vergeben“, sagt Wladimir Paster, Geschäftsführer der „Palastkantine“. Das Problem sieht er in der Sterne-Gastronomie. Dort sei jeder besetzte Tisch „elementar, um zu überleben“.

Blockierung ist bei mehrfachem Fernbleiben möglich

Die „Palastkantine“ hat einen eigenen Umgang mit dem Problem. „Bestellt ein Gast und kommt nicht, dann markieren wir ihn als ,No Show’. Kommt jemand fünf Mal nicht, dann können wir ihn blockieren“, sagt Paster. So weit habe es aber kein Kunde bis jetzt gebracht.

Andere Gastronomie-Betriebe sind auch von der Zuverlässigkeit ihrer Gäste überzeugt, wie eine WAZ-Umfrage ergab. Auch Jörg Deutscher, Betriebsleiter des Parkrestaurants, hat gute Erfahrungen gemacht: „Von 100 ist es eher ein Gast, der nicht kommt. Zum Glück.“ Dennis Lindner vom Nils an der Freiligrathstraße sagt, dass ganz selten Gäste nicht kämen. Nach Lindners Einschätzung haben Herner Wirte viele Stammgäste. Dann sei die Hemmschwelle groß, nicht zu kommen. Auch Antonio Kupreskic vom „Restaurant Bootshaus“ am Kanal, hat Stammkundschaft und somit keine unzuverlässigen Gäste.

„Bei Darius“ in Wanne-Eickel, das polnische Küche serviert, sei es „immer voll und alle zahlen, sagt Geschäftsführerin Anna Makulski. „Wenn ein reservierter Tisch unbesetzt bleibt, ist es egal. Die Schlange an Leuten steht bei uns vor der Tür“, fügt Makulski selbstbewusst hinzu.

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Bei den Systemgastronomen Bavaria Alm, Café del Sol und L’Osteria – alle drei an der Holsterhauser Straße gelegen – ist das Verhältnis zu den Kunden zwar oft nicht so eng, aber für diese Gaststätten ist auf Nachfrage eine Anzahlung ebenfalls kein Thema.

„In unserem Restaurant in Herne haben wir viele Reservierungen. Meistens werden diese wahrgenommen. Wir haben ganz tolle Gäste. Wenn dann jemand mal nicht kommt, dann besetzen wir mit wartenden Gästen“, sagt Sybille Kastner von L’Osteria.

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