Samstagsinterview

Herner Verein Ruhrwerk feiert mit Gala runden Geburtstag

Ruhrwerk veranstaltet am Samstag seine 10. Spendengala. Im vergangenen Jahr fand das Event in der Tennishalle von Grün-Weiß Herne statt.

Ruhrwerk veranstaltet am Samstag seine 10. Spendengala. Im vergangenen Jahr fand das Event in der Tennishalle von Grün-Weiß Herne statt.

Foto: Michael Korte

Herne.   Der wohltätige Herner Verein Ruhrwerk veranstaltet seine zehnte Spendengala. Vorsitzende Cordula Klinger-Bischof über die Idee und Projekte.

Der gemeinnützige Verein Ruhrwerk veranstaltet am heutigen Samstag zum zehnten Mal eine Spendengala. Diesmal in der Akademie Mont Cenis. Cordula Klinger-Bischof, Gründerin und Vorsitzende von Ruhrwerk, erläutert im Gespräch mit WAZ-Redakteur Tobias Bolsmann, wie die Idee entstand und mit welchen Projekten der Verein benachteiligten Kinder in Herne hilft.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Spendengala zu veranstalten?

Klinger-Bischof: 2009 waren wir noch nicht als Verein organisiert. Wir sind vom Circus Schnick-Schnack angesprochen worden, weil dessen Förderverein Unterstützung brauchte. Wir entwickelten die Idee, Gelder zu generieren über eine Gala, die auch dem Zweck der gesellschaftlichen Vernetzung innerhalb unserer Stadt dienen sollte. Für uns war es ein Testballon und sollte eine einmalige Geschichte sein. Die Wirtschaftsförderung half uns mit einer Liste von Unternehmen, und wir haben angefangen, Sponsoren zu suchen. Wir haben dafür zu Beginn privat einiges vorfinanziert, haben 200 Gäste eingeladen und waren unsicher, ob überhaupt jemand kommt. Am Ende waren 200 Leute da, und wir hatten nach Abzug aller Kosten 10 000 Euro über.

Deshalb blieb die Gala keine einmalig Sache. . .

Genau. Uns hat die Organisation der Gala viel Freude bereitet und wir haben gesehen, dass es sich lohnt, engagierte Menschen für wohltätige Zwecke zu gewinnen. So entstand die Idee, dem Ganzen in der Zukunft einen festen Rahmen zu geben und wir entwickelten das bis heute bestehende Konzept. 2010 haben wir mit sieben Frauen Ruhrwerk e.V. gegründet.

Hätten Sie damals gedacht, dass Sie heute die zehnte Veranstaltung eröffnen werden?

So weit haben wir damals natürlich nicht gedacht. Viele Gäste haben gesagt, dass es toll war und Herne so eine Veranstaltung brauche. Das hat uns motiviert. Wir hatten die Vision, Kindern und Jugendlichen mit geistigen, körperlichen oder sozialen Handicaps nachhaltige Förderprojekte zu ermöglichen, um sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Die Finanzierung durch Sponsoren- und Spendengelder über unser eigenes Netzwerk hilft!-Event-Format erschien uns sinnvoll. Wir investieren bis heute viel Kraft und Zeit, um Menschen aus Herner Unternehmen, Vereinen, Politik und Gesellschaft für unsere Idee zu gewinnen.

Was für Projekte unterstützt Ruhrwerk mit den Spenden?

Verschiedene Langzeitprojekte zur Bewegungs- und Bildungsförderung für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichem Förderbedarf. Dazu zählen zum Beispiel zahlreiche Reittherapie-Angebote, Akzeptanztraining oder das Tanztheater- Projekt. Zu Beginn mussten wir auf die Suche nach Schulen und Einrichtungen gehen, um den zusätzlichen Förderbedarf zu erfragen und unseren Verein bekannt zu machen. Mit den Jahren ist die Zahl der Projekte, aber auch die Veranstaltung gewachsen. Damit ist natürlich auch unsere Verantwortung gewachsen, die zahlreichen Projekte sicher zu stellen.

Im ersten Jahr sind 10 000 Euro zusammengekommen, wie viel sind es in den vergangenen Jahren gewesen?

Wir haben uns deutlich gesteigert, waren einige Jahre konstant bei 40 000 Euro. Seit zwei Jahren können wir nach Abzug der Event- Kosten fast 60 000 Euro in die Projektarbeit investieren. Dabei kommen 70 Prozent unserer Gelder über die Veranstaltung zusammen. 30 Prozent erhalten wir über Spenden durch Mund-zu-Mund-Propaganda und unsere Öffentlichkeitsarbeit. Auch bei Geburtstagen, Beerdigungen oder Firmen-Jubiläen gibt es Spenden zu Gunsten von Ruhrwerk, um Herner Kinder durch uns zu fördern.

Ruhrwerk ist als wohltätiger Verein in Herne fest verankert. Gibt es eigentlich eine Konkurrenz zwischen den Vereinen?

Überhaupt nicht. Es gibt ganz viele tolle Vereine, die alle eine gute Arbeit machen. Allen ist gemeinsam, dass sie Gutes tun wollen. Wir sind teilweise auch untereinander befreundet und werden sogar von anderen Vereinen unterstützt. Ich bin sowieso der Meinung: Wer sich engagiert, gewinnt. Vielleicht finanzieren wir in Zukunft ein großes Projekt, an dem mehrere Vereine beteiligt sind. Ich glaube nicht, dass der eine Verein einem anderen etwas wegnimmt.

Wie erfolgreich sind Ihre Projekte?

Ein Beispiel: Es gibt ein Mädchen, das selektiven Mutismus hat. Es könnte sprechen, aber es spricht nicht. Es geht jetzt seit einem Jahr in die Reittherapie. Seit einem halben Jahr schafft sie es, sich mit Gebärden auszudrücken und erweitert so langsam ihren Wortschatz. Es kommuniziert mit den anderen Kindern, dieses war vorher nicht möglich. Das ist eine Motivation für uns weiterzumachen und die Motivation für die Menschen, ihr Geld zu spenden. Wir arbeiten transparent. Die Spender können sich die Projekte vor Ort anschauen, und wir berichten unseren Förderern regelmäßig darüber, wie viele Kinder Hilfe brauchen und was wir tun.

Wie sehen Sie die Situation von Kindern in Herne?

Die Stadt ist eigentlich sehr gut aufgestellt. Sei es die Stadt oder andere Institutionen. Die Anforderungen an Schulen und soziale Einrichtungen sind in den letzten Jahren jedoch deutlich gestiegen. Jeder versucht, den Kindern den bestmöglichen Start zu geben. Wir leisten da unseren kleinen Beitrag.

Bekommt Ruhrwerk denn inzwischen Anfragen um Unterstützung und haben Sie noch weitere Projekte im Hinterkopf, die Sie unterstützen wollen?

Absolut. Ich könnte die sechs Projekte, die wir an den Schulen haben, locker verdoppeln. Wir bekommen auch Anfragen von anderen Vereinen, Schulen, aber auch von Kinderärzten. Aber die müssen zu uns passen, es müssen Langzeitprojekte sein. Alle Projekte haben neben der Entwicklungsförderung auch das Ziel, dass das Anderssein der Kinder nicht mehr zu Ausgrenzung führt. Wir bekommen halbjährlich über die Entwicklung der Kinder in unseren Projekten einen Bericht. Und dann entscheiden wir gemeinsam mit den Lehrkräften, ob wir weiter unterstützen.

Inwiefern sind Ihnen im Laufe der vergangenen zehn Jahre die Augen geöffnet worden, wo überall Probleme liegen?

Sehr stark. Wenn man sich entscheidet, so etwas wie Ruhrwerk ehrenamtlich zu machen, will man auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Wir haben alle keine pädagogische Ausbildung, aber der Eindruck, den wir durch die Menschen bekommen, die mit den Kindern arbeiten, ist überwältigend. Ich konnte mir, als Mutter einer Tochter, die bislang recht gut durchs Leben gekommen ist, vorher viele Probleme anderer Familien nicht vorstellen.

Wie viele Kinder haben in den zehn Jahren an den Projekten von Ruhrwerk teilgenommen?

Wir haben keine Statistik geführt. Die Gesamtzahl in den zehn Jahren dürfte deutlich im vierstelligen Bereich liegen. Momentan nehmen 300 Kinder wöchentlich an Ruhrwerk-Projektangeboten teil.

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