Eine Fahrt mit...

Herner Unternehmen wechselt Reifen im XXL-Format

Seit 22 Jahren arbeitet Benedikt Sträter bei Stiebling, der gelernte Kfz-Mechaniker hat die Reifen-Montage zusätzlich gelernt.

Seit 22 Jahren arbeitet Benedikt Sträter bei Stiebling, der gelernte Kfz-Mechaniker hat die Reifen-Montage zusätzlich gelernt.

Foto: Ralf Rottmann

Herne.   Das Herner Unternehmen Stiebling ist mit seinem Service-Mobil im Ruhrgebiet unterwegs. Monteur Benedikt Sträter wechselt Reifen im XXL-Format.

Wer mit dem Service-Mobil von Reifen Stiebling auf Achse ist, der muss zuerst einmal ganz neue Reifenformate lernen. Hat der Golf zu Hause in der Garage eine Höhe von 17 Zoll, bekommt man es hier mit 25 Zoll und mehr zu tun. Benedikt Sträter ist im ganzen Ruhrgebiet unterwegs und zur Stelle, wenn große Fahrzeuge einen Plattfuß haben. An diesem Morgen ist es ein 90-Tonnen-Autokran der Firma Wolf in Marl. Einen von insgesamt zehn Reifen hat es erwischt, eine Seite ist aufgeschlitzt, „wahrscheinlich an einen Bordstein geraten“, mutmaßt Benedikt Sträter.

Er zeigt auf dem Hof der Firma, wie man das Monstrum von der Felge bekommt, und es ist nicht viel anders, als wenn man einen Fahrradreifen wechselt – nur alles viel, viel größer und schwerer. Die zehn Radmuttern werden natürlich nicht von Hand, sondern per Schlagschrauber gelöst.

„Ich bin völlig autark“

Sträters Servicewagen ist mit allem ausgerüstet, was er für einen Reifenwechseln benötigt: auch Druckluft, die wiederum Strom aus einem Kompressor benötigt. „Somit bin ich völlig autark. Es kommt ja auch vor, dass ein Lastwagen an der Autobahn liegen bleibt, da muss ich unabhängig sein, wenn ich schrauben will.“

Bis zu 20 Einsätze pro Tag

Der Servicewagen, ein 7,5-Tonner, ist mit einer Maschine ausgestattet, die die Reifen von den Felgen befreit und umgekehrt. Ein Sicherungsring am Felgenrand sorgt bei großen Lkw-Reifen dafür, dass das schwarze Ungetüm mit der grobspurigen Lauffläche während der Fahrt nicht abrutschen kann, anders als bei Autos, bei denen der Reifen einfach vom Felgenbett gehalten wird. Weil Maschinen als Hilfen im Einsatz sind, sieht Sträters Arbeit zunächst nicht nach Knochenmaloche aus. Klar, er muss den Reifen lösen, bewegen, übers Gelände rollen, in den Abzieher auf dem Lkw packen, das sieht aber machbar aus. „Ist es auch“, sagt der 44-Jährige. Er ist verheiratet und hat eine 15-jährige Tochter. „Aber machen Sie das mal den ganzen Tag, ich habe bis zu 20 Einsätze täglich, ab 15 wird es dann doch körperlich anstrengend.“ In die Mucki-Bude braucht er am Feierabend dafür nicht mehr zu gehen. „Ich fahre Mountain Bike und gehe gerne joggen“, erläutert Sträter sein Fitness-Programm in der Freizeit.

Montieren von Reifen zusätzlich gelernt

Er ist gelernter Kfz-Mechaniker, hat das Montieren von Reifen zusätzlich gelernt. „Das ist kein regelrechter Lehrberuf, wir bilden Mechatroniker und Vulkaniseure aus.“ Seit 22 Jahren arbeitet Sträter bei Stiebling, seit 17 Jahren auf Montage, und das immer noch gerne, wie er sagt. Er komme rum, sehe täglich etwas anderes.

Sogar zum Flughafen Düsseldorf wird er regelmäßig gerufen. Stiebling hat einen Vertrag mit der Lufthansa – allerdings nicht für die Flugzeugräder, sondern unter anderem für die Schaumlöschfahrzeuge. Die Arbeit bei Autokrane Wolf läuft planmäßig. Er braucht nicht einmal einen Wagenheber. Der Autokran lässt sich von außen per Fernbedingung heben und senken und damit die Radnabe auf die richtige Höhe justieren. Der defekte Reifen wird mitgenommen und bei Stiebling unter Hitze im Ofen repariert.

Im riesigen Reifen kann der zwei-Meter-Mann stehen

Flicken - sprich: die Runderneuerung - lohnt sich. Ein neuer Reifen dieser Größe kostet 1500 bis 2000 Euro. Das ist jedoch noch gar nichts im Vergleich zum nächsten Einsatz Sträters: Der Reifen eines Radladers ist platt, Kosten für einen neuen: 5000 Euro. „Und der hält nur etwa ein Jahr“, weiß Sträter. Die Beanspruchung im Gelände, wo Radlager bis zu 16 Stunden täglich im Einsatz sind, sei einfach enorm.

Der defekte Reifen ist so riesig, dass Sträter in der Felge stehen kann, und er ist selbst fast zwei Meter groß. So ein Riesen-Reifen ist natürlich eine besondere Herausforderung, aber auch hier zeigt Sträter Routine, Entspanntheit und Freunde bei der Arbeit. Aber: „Bei Schneeregen im Winter, wenn man dann noch unter einen Lkw kriechen muss, dann ist das Mist.“

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