Stadtwerke-Bilanz

Herner Stadtwerke blicken schwierigen Jahren entgegen

Die Stadtwerke-Zentrale am Grenzweg.

Die Stadtwerke-Zentrale am Grenzweg.

Foto: Sabrina Didschuneit

Herne.   Ulrich Koch, Chef der Herner Stadtwerke, sieht schwierige Jahre auf das Unternehmen zukommen. Deshalb muss es in die stillen Reserven greifen.

Stadtwerke-Chef Ulrich Koch sieht schwierige Jahre auf das Unternehmen zukommen. Das sagte er im Gespräch mit der WAZ vor dem Hintergrund der Bilanz für das Geschäftsjahr 2017.

Der Grund: 2017 führten die Stadtwerke 21,539 Millionen Euro Gewinn ab - unter anderem, um einen Beitrag zur Konsolidierung des Herner Haushalts zu leisten und die Verluste der Bäder und des ÖPNV auszugleichen. Doch dazu reichen die erzielten Erträge nicht mehr aus, der kommunale Energieversorger muss an seine Reserven gehen. So haben die Stadtwerke mit dem Verkauf von 450 000 RWE-Aktien rund 4,2 Millionen Euro erlöst. Diese Summe floss in die Gewinnabführung ein. „Für 2018 sieht es wieder so aus, dass wir an die Reserven müssen“, so Koch. An der Verantwortung der Stadtwerke, die Verluste aus anderen Bereichen abzudecken, lässt er aber keinen Zweifel.

Die Gründe sind bekannt: „Die Energiewende schlägt in allen Facetten durch“, so Koch. Mit ihr haben sich Kraftwerksbeteiligungen, die den Ertrag steigern sollten, zu Verlustbringern entwickelt. Hinzu kommt, dass es immer mehr dezentrale Stromerzeugungsanlagen gibt. Koch beziffert die Zahl in Herne auf etwa 600.

Fernwärme mit großem Potenzial

Eine andere Zahl lautet 1300. So viele Kunden haben die Stadtwerke in der Vergangenheit pro Jahr verloren. Diese Zahl hätten die Stadtwerke inzwischen reduzieren können, doch das erklärte Ziel lautet, dass am Ende eines Jahres wieder ein positives Saldo steht.

Auch wenn die Stadtwerke einen wesentlichen Ertrag aus der Lieferung von Strom und Gas erwirtschaften würden, so sei das Unternehmen verstärkt damit beschäftigt, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Fest steht für Koch: „Der Stellenwert der Dienstleistung wird deutlich größer.“ Das spiegele sich bereits in der Tatsache, dass der relativ neue Bereich Smart-Tec, in dem Produkte und Services rund um die Wärmebereitstellung gebündelt sind, inzwischen zehn Mitarbeiter hat. Auch Innovation City spiele eine zentrale Rolle in der Strategie.

Ein Ziel sei, so Koch, bei jedem Neubauprojekt - sei es das Einfamilienhaus oder Großvorhaben wie der Shamrockpark oder das Tiefkühllager von Nordfrost - gemeinsam mit den Kunden Konzepte in Sachen Energie zu entwickeln. „Manchmal bin ich überrascht, wie wenig die Kunden von uns erwarten“, so Koch.

Großes Potenzial - gerade auch mit Blick auf Innovation City - sieht er bei der Fernwärme. Sie trage dazu bei, Emissionen in der City zu reduzieren. Als Beispiel nennt er das Stadthaus. Durch den Anschluss ans Fernwärmenetz komme es vor Ort ohne Emissionen aus. Deshalb würden die Stadtwerke bei der Fernwärme noch einiges investieren.

Bis Jahresende 20 Elektroautos

Die Stadtwerke rüsten ihre Fahrzeugflotte umweltfreundlich um. Von den rund 100 Wagen sollen bis Jahresende 20 mit Strom angetrieben werden, 30 mit Erdgas.

Was den Aufbau der Lade-Infrastruktur für E-Mobile anbelangt, agieren die Stadtwerke zurückhaltend, weil es noch zu viele offene Fragen gebe.

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