Prozess

Herner soll Zeitungszusteller um Mini-Lohn geprellt haben

Der Prozess findet vor dem Schöffengericht in Bochum statt.

Der Prozess findet vor dem Schöffengericht in Bochum statt.

Foto: MÜLLER, Oliver / WAZ FotoPool

Herne.  Ein Herner muss sich seit Donnerstag vor dem Bochumer Schöffengericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, Zeitungszusteller betrogen zu haben.

Schwere Vorwürfe gegen einen 38-jährigen Mann aus Herne: Der in Syrien geborene Angeklagte soll zahlreiche Zeitungszusteller in Herne ausgebeutet und um den versprochenen Mini-Lohn geprellt haben. Außerdem soll er 2015 mehrere Flüchtlinge bei deren Wohnungssuche ausgenommen und im Stich gelassen haben.

Zum Prozessauftakt legte er ein Teilgeständnis ab. „Viele Vorwürfe aus den Anklageschriften sind richtig“, sagte der zurzeit in Haft sitzende Angeklagte am Donnerstag vor dem Bochumer Schöffengericht. Um dann aber gleich nachzuschieben: „Einige Vorwürfe stimmen aber einfach nicht. Vor allem die Geschichte mit den Zeitungszustellern macht mich richtig wütend.“ In diesem Punkt sei er zumindest nicht alleinverantwortlich, sondern vor allem auch selbst einem gnadenlos unseriösen Auftraggeber („So ein Typ mit Porsche“) zum Opfer gefallen.

Ein gnadenloser Auftraggeber soll für die Lohn-Unterschlagung mitverantwortlich sein

Die Anschuldigungen lauten auf gewerbsmäßigen Betrug und Unterschlagung. Zwischen September und Oktober 2016 soll er mindestens sechs Asylbewerber mit einem Minilohn-Versprechen als Zeitungsboten für die Wochenenden (Samstag auf Sonntag) im Zustellbezirk Herne angeheuert haben. Laut Staatsanwaltschaft soll der gebürtige Syrer den Zustellern dann aber später trotz absolvierter Arbeit nicht einen Cent Lohn ausgezahlt haben. Als Schaden errechnet die Anklageschrift rund 2000 Euro.

Dass er die Männer in seinem damaligen Büro in Bochum-Gerthe als Zusteller angeheuert habe, gab der Angeklagte zu. Auch, dass er ihnen bis heute den versprochenen Mini-Lohn von 40 Euro pro Tag schulde. Allerdings habe ihn jemand anderes in diese Bredouille gebracht. „Ich habe damals selbst von meinem Auftraggeber gar kein Geld bekommen, so dass ich auch so gut wie nichts an die Männer weitergeben konnte“, verteidigte sich der Angeklagte. Niemals habe er vorgehabt, sich zu bereichern.

Vorwurf: Angeklagter war nach Zahlung eines Vorschusses für Wohnungssuchende nicht mehr erreichbar

Sein Auftraggeber habe ihm wegen angeblicher Mängel - mal sollen Zeitungsstapel gebrannt haben, mal Anzeigenblätter einfach weggeworfen worden sein - kurz und knapp gesagt, dass es dafür kein Geld gebe. Daraufhin habe er nach nur wenigen Wochen die Brocken komplett hingeworfen. „Ich gebe zu, ich wollte den Chef eigentlich schlagen, habe ihn aber nur einmal am Kragen gepackt“, gab der Angeklagte zu. Laut Anklage soll der 38-Jährige seinem Auftraggeber nach dem Streit auch noch 13 Zeitungskarren für Zusteller unterschlagen haben. „Das ist völliger Quatsch“, so der Angeklagte. „Ich habe doch nur sechs Karren gehabt. Und die hat er alle zurückbekommen.“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten darüber hinaus vor, ab Sommer 2015 in der Hochphase der Migrationswelle den Kontakt zu zahlreichen Flüchtlingen aus dem arabischen Raum gesucht und ihnen suggeriert zu haben, er könne gegen Geld die Anmietung von Privatwohnungen vermitteln. Tatsächlich soll der 38-Jährige allerdings fast immer nur einen vorab an ihn transferierten Vorschuss behalten haben und dann für die Wohnungssuchenden einfach nicht mehr zu erreichen gewesen sein. In einem Fall soll eine Wohnung, für die der Angeklagte sich als Vermieter ausgegeben hatte, laut Anklage „bereits anderweitig vermietet“ gewesen sein. Angeklagter Schaden in diesem Komplex: rund 2500 Euro. Der Prozess wird fortgesetzt.

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