Schule

Herner Sechstklässler lernen die Arbeit der Polizei kennen

Polizeihauptkommissar Rainer Deutsch gibt Sechstklässlern der Realschule Sodingen einen Einblick in die Polizeiarbeit.

Foto: Rainer Raffalski

Polizeihauptkommissar Rainer Deutsch gibt Sechstklässlern der Realschule Sodingen einen Einblick in die Polizeiarbeit. Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Einen Blick hinter die Kulissen können Kinder der Realschule Sodingen in dem Projekt „Lebenswelten“ werfen. Kürzlich besuchten sie die Polizei.

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„Der da hat mein Handy geklaut, ich bin ganz sicher“, sagt Ferhat und zeigt auf Finn. Letzterer streitet alles ab, wird von der Polizei belehrt und abgeführt. Zum Glück ist dies keine reale Situation, sondern Teil des Schulprojektes „Lebenswelten aktiv gestalten“, das in der Realschule Sodingen nun seit einem Jahr läuft. Es soll Schülern helfen, sich ihrer selbst und ihrer Kompetenzen bewusst zu werden. Das Bildungszentrum des Handels hat das Projekt ins Leben gerufen, finanziell unterstützt wird es vom Land NRW und dem Europäischen Sozialfonds. Förderer sind die RAG-Stiftung und die Stiftung Mercator.

Gruppen zu verschiedenen Themen

Der Auftakt zu „Lebenswelten“ habe im letzten Jahr vor den Sommerferien mit einer Projektwoche begonnen: „Es gab verschiedene Gruppen zu den Themen Garten, Tanz, Theater und mehr“, erklärt Konrektorin Rabea Garczarek. Zu Beginn des neuen Schuljahres schlossen sich die Sechstklässler dann zu Fünfergruppen zusammen. Nach dem Regelunterricht setzen sich die Gruppen für zwei bis drei Stunden pro Woche zusammen und erkunden ihre Lebenswelt. „Dazu haben wir ein Modulhandbuch erarbeitet, das einen gewissen Rahmen vorgibt“, erklärt Dorothee Kuckhoff, Projektleiterin vom Bildungszentrum des Handels. „Die Realschule befindet sich gerade im Modul Stadt.“ Einige Gruppen haben sich in diesem Zusammenhang gefragt, wie die Polizei in der Stadt aussieht.

Rollenspiel mit angeblichen Dieben

Polizeihauptkommissar Rainer Deutsch kam dazu vorab in die Realschule, berichtete von der Polizeiarbeit und stellte das Polizeiauto vor. „Jetzt können sie wirklich den kompletten Weg eines Verbrechens nachvollziehen“, erklärt Rabea Garczarek.

Los geht es in der Hans-Tilkowski-Passage, in der der gespielte Diebstahl stattfindet. Ein Streifenwagen fährt vor, aber die Kinder halten sich zurück. „Das ist ganz klassisch“, kommentiert Polizeisprecher Marco Bischoff. „Die Leute wissen, dass sie die Polizei gerufen haben, machen sich aber nicht bemerkbar.“ Wie wichtig es ist, die Polizisten anzusprechen, erklärt Rainer Deutsch den 25 Sechstklässlern. Auch, dass sie sich ausweisen müssen, in diesem Falle mit dem Schülerausweis, und dass sie die Wahrheit sagen müssen.

Wie sich ein Opfer verhalten sollte

„Was macht ihr denn, wenn ihr zum Opfer werdet?“, fragt der Polizist die Umstehenden. Rufen, sich bemerkbar machen, die Polizei anrufen, antworten die Kinder. Deutsch zeigt den Schülern einen Signal-Alarm. „Die kann man am Schlüsselbund tragen, in Gefahrensituationen abziehen und wegwerfen. 120 Dezibel sorgen dann für Aufmerksamkeit.“ Anschließend werden in einem Rollenspiel die „Täter“ verhört. Finn sagt hinterher, dass er die Situation ganz schön beängstigend fand und nie etwas stehlen würde.

Kinder sollen auch ihre Rechte kennen lernen

„Genau das möchten wir erreichen. Den Schülern soll klar werden, was strafbar ist und was die Konsequenzen sind“, sagt Marco Bischoff. Es gehe aber nicht nur um Prävention. Die Kinder sollen lernen, welche Rechte sie haben.

Weiter geht es für die Schüler in der Polizeiwache, anschließend im Gericht. Unter anderem erklären die Polizisten den Begriff Gewaltenteilung und das weitere Vorgehen – vom Tatort bis zur Verurteilung, alles soll begreifbar gemacht werden. „Wann haben die Kinder schon mal die Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen?“

Ganz anderer Ansatz als im regulären Unterricht

Das Motto aller Projektmodule lautet „Vom Ich übers Ihr zum Wir“. Nach der Eroberung der Stadt, fehle noch der weltweite Blick. „Thema wird dazu die Kinderarbeit in Indien sein“, sagt Dorothee Kuckhoff. Das Angebot sei insgesamt sehr niederschwellig angelegt. „Das Schöne ist, dass wir praktisch Unterricht gegen den Lehrplan machen können“, sagt Theatermacher Sebastian Bös, der unter anderen als „Externer“ das Projekt begleitet. Das Projekt verfolge einen ganz anderen Ansatz als der reguläre Unterricht, deshalb seien daran fast ausschließlich Künstler und Studenten beteiligt. „Wir versuchen herauszufinden, was den Kindern Spaß macht, was ihren Horizont erweitert.“

In Herne nehmen neben der Realschule Sodingen noch die Hans-Tilkowski-Schule sowie die Mont-Cenis-Gesamtschule am Projekt „Lebenswelten aktiv gestalten“ teil. Um den Schülern auch im kommenden Jahr spannende Blicke hinter die Kulissen zu ermöglichen, suchen die Projektteilnehmer Institutionen, die sich dafür zur Verfügung stellen.

Infos unter: www.lebenswelten-aktiv-gestalten.de

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