Bildung

Herner Schüler lernen spielerisch ihre Stärken kennen

Amin kocht spielerisch ein Gericht. Bei „komm auf Tour“ geht es darum, die eigenen Stärken herauszufinden.

Amin kocht spielerisch ein Gericht. Bei „komm auf Tour“ geht es darum, die eigenen Stärken herauszufinden.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Herne.  Das Projekt „komm auf Tour“ führt Siebtklässler in Herne spielerisch an die Themen Berufsorientierung und Lebensplanung heran.

Welchen Beruf möchte ich später ergreifen und wie möchte ich leben? Seine eigenen Stärken zu finden und sie auf die Zukunft zu übertragen, ist nicht immer einfach.

Das Projekt „komm auf Tour - meine Stärken, meine Zukunft“ soll Siebtklässlern aus Gesamt-, Real- und Förderschulen helfen, einen ersten Einblick in Berufsorientierung und Lebensplanung zu erhalten. Organisiert und finanziert wird das Projekt von der Stadt Herne, der Koordinierungsstelle „Kein Abschluss ohne Anschluss“, der Agentur für Arbeit, der RAG-Stiftung sowie regionalen Partnern. Projektträger ist das Sinus Büro für Kommunikation.

„Ich hatte damals nicht diese Chance, die ihr heute habt“, sagt Bürgermeister Erich Leichner zu den Siebtklässlern, bevor sie in ihren Parcours im Stadtteilzentrum Pluto starten. „Bei mir war nicht die Frage,

as ich werde. Meine Eltern haben mir das zunächst mal vorgegeben.“ „Komm auf Tour“ sei eine gute Gelegenheit, sich spielerisch zu erproben, um eine erste Orientierung zu erhalten. Das Wissen um die eigenen Fähigkeiten könne Umwege ersparen.

Stärken kennenlernen, macht Schülern Spaß

„Ich finde es gar nicht so schlimm, mal einen Irrweg zu machen, solange ich eine grobe Richtschnur für mein Leben vor Augen habe“, sagt Frank Neukirchen-Füsers von der Agentur für Arbeit Bochum. Das Projekt böte Gelegenheit, ein Gespür für sich selber zu bekommen. Da die vier Stationen nicht defizitorientiert seien, sei das Projekt pädagogisch sehr wertvoll, betont Dieter Leiendecker vom Schulamt der Stadt Herne. „Es macht den Schülern viel Spaß, ihre starken Seiten kennenzulernen.“ Die Berater vom „Komm auf Tour“-Team und die Netzwerkpartner stehen an allen Stationen bereit und bewerten die Stärken der Kinder mit Stickern.

Sieben verschiedene Stärkepunkte (Dienste, Ordnung, Fantasie, Zahlen, Hände, tierisch grüner Daumen, Reden) können die Schüler an den Stationen sammeln. Im Zeittunnel geht es darum, die Schüler mit der Frage zu konfrontieren, was in ihrem Leben in fünf oder zehn Jahren passiert, wie das erste Praktikum oder die Ausbildung aussehen könnte. „Erst dachte ich, was soll ich hier“, verrät Cassandra von der Realschule Crange, die gerade den Zeittunnel absolviert hat. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass es wichtig für mich ist, mich mit meiner Zukunft auseinanderzusetzen.“ Die Zwölfjährige möchte gerne im Altenheim oder im Krankenhaus arbeiten, eine Familie gründen. „Ich habe gelernt, dass man nicht direkt ein Haus oder eine Familie braucht, sondern auch mal auf sich allein gestellt sein kann.“

Alltagskompetenzen spielerisch erproben

Unterdessen plagen sich Umut und Valon in der „sturmfreien Bude“ damit ab, ein unordentliches Schlafzimmer wieder in Ordnung zu bringen. Während Valon die auf dem Boden verstreuten Blumen aufsammelt und in einer Vase drapiert, bezieht Umut das Bett, zumindest versucht er es. „Ich habe meiner Mutter schon mehrfach zugeschaut“, sagt er. Den Bezug bekommen die beiden aber trotzdem irgendwie nicht auf die Bettdecke. Christina Baehr von der Gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft Herne zeigt ihnen einen Trick und verteilt gleichzeitig Stärken-Sticker, an Valon für seine Kreativität mit den Blumen und an Umut für seine Organisation. Die Zwölfjährigen helfen Zuhause auch mit, Umut beim Kochen, Valon beim Saugen und Aufräumen. Umut möchte später etwas mit Zahlen machen, vielleicht Lehrer werden. Valon liebäugelt damit, Polizist oder Bauarbeiter zu werden.

An den beiden anderen Stationen „Labyrinth“ und „Bühne“ geht es um Teamarbeit, darum, dass Leben nicht immer geradlinig verlaufen und darum, sich auf der Bühne zu trauen, kleine Szenen aufzuführen. Ziel sei, den Kindern nicht nur ihre Stärken aufzuzeigen, sondern auch Ansprechpartner zu vermitteln. Auch die Lehrer und die Eltern werden bei „komm auf Tour“ eingebunden. „Für die Schüler ist es wichtig, dass sie mit ihren Eltern über das Erlebte sprechen können und diese wissen, worum es ging“, betont Frank Neukirchen-Füsers.

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