Arbeit

Herner qualifiziert sich von der Hilfskraft zum Gesellen

Michael Föst hat sich im Rahmen des Qualifizierungs-Chancengesetzes zum Malergesellen weiterqualifiziert.

Michael Föst hat sich im Rahmen des Qualifizierungs-Chancengesetzes zum Malergesellen weiterqualifiziert.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Von der Hilfskraft zum Gesellen? Diese Chance hat der Herner Michael Föst ergriffen. Möglich macht dies ein Programm der Agentur für Arbeit.

Die Agentur für Arbeit war angesichts der Schockwellen der Corona-Krise auf dem Arbeitsmarkt monatelang im Ausnahmezustand. Es galt, die Kurzarbeit zu organisieren und den Anstieg der Arbeitslosigkeit einzudämmen. Normalität ist längst noch nicht wieder eingekehrt, doch langsam kommen auch wieder die „normalen“ Instrumente für Beschäftigte in den Blick. Zum Beispiel das Qualifizierungschancengesetz. Die WAZ hat mit Michael Föst gesprochen, der diese „Chance“ genutzt hat.

Zunächst muss man die Zielrichtung des Gesetzes erläutern: Im Rahmen dieses Programms soll die Weiterbildung von Beschäftigten gefördert werden - unabhängig von deren Ausbildung, Lebensalter und Betriebsgröße.

Seit 2007 als Hilfskraft gearbeitet

Für den 46-jährigen Föst bot dieser Ansatz die Möglichkeit, beruflich noch einmal durchzustarten. Von Haus aus ist Föst Putzer, doch in diesem Beruf sah er irgendwann keine Perspektive mehr. Die Alternative war zunächst aber auch nicht besonders rosig. Seit 2007 habe er als Hilfskraft gearbeitet, über den Kontakt eines Bekannten fand er zum Wanner Malerbetrieb Meißner.

Dort sei er „superglücklich“, es werde ihm alles ermöglicht, erzählt Föst im Gespräch mit der Herner WAZ-Redaktion. Dieses Glück beruht auf Gegenseitigkeit, Hermann Meißner ist sehr zufrieden mit seinem Mitarbeiter. Doch die Tatsache, dass er Seiteneinsteiger ist, bringt Beschränkungen mit sich. Eine Lohnerhöhung? Nicht möglich, weil Föst keine Fachkraft war.

Alternative Wege gehen, um Fachkräfte zu bekommen

Und an dieser Stelle eröffnet das Qualifizierungschancengesetz die Möglichkeit, aus der Hilfskraft eine Fachkraft zu machen. Föst absolvierte eine Umschulung und hat inzwischen den Gesellenbrief in der Tasche. Für den theoretischen Teil am Berufskolleg wurde Föst vom Betrieb freigestellt. Am Kolleg sei er so etwas wie der „Alterspräsident“ unter den Auszubildenden gewesen, doch der Altersunterschied habe keine Probleme bereitet. Bei seinem Lehrmeister Hermann Meißner habe er „viele feine Sachen gelernt“. Föst könne jedem empfehlen, diese Art der Umschulung in Anspruch zu nehmen, zumal diese Umschulung keine Einschränkung beim Lohn bedeute.

Das Unternehmen erhielt ebenfalls Förderung für die Weiterbildung. „Man muss alternative Wege gehen, um Fachkräfte zu bekommen“, so Hermann Meißner. Der Fachkräftemangel ist durch die Coronakrise nicht verschwunden. Meißner geht davon aus, dass es noch zahlreiche weitere Betriebe gibt, in denen Hilfskräfte ohne Abschluss arbeiten, die man gut zu Gesellen weiterbilden könnte.

Apropos weiterbilden: Michael Föst will sich mit dem Gesellenbrief nicht zufrieden geben. Er hat einen klaren Plan: Er möchte Meister werden.

Weitere Informationen zum Qualifizierungs-Chancengesetz: Heidrun Gabryszczak, 02323-595315, E-Mail: Heidrun.Gabryszczak@arbeitsagentur

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