Krebs

Herner Mediziner behandeln junge Dysplasie-Patientin

Mit kleinen Elektroschlingen entfernt Chefarzt Prof. Dr. Clemens Tempfer (re.) veränderte Zellen im Gebärmutterhals von Betroffenen. Dr. Ziad Hilal koordiniert die Dyplasieeinheit im Marien Hospital.

Mit kleinen Elektroschlingen entfernt Chefarzt Prof. Dr. Clemens Tempfer (re.) veränderte Zellen im Gebärmutterhals von Betroffenen. Dr. Ziad Hilal koordiniert die Dyplasieeinheit im Marien Hospital.

Foto: Ralph Bodemer

Herne.   Die 27-jährige Sarah erkrankte an einer Vorstufe des Gebärmutterhalskrebs. Spezialisten im Marien Hospital behandelten sie.

Blutungen, die vier Wochen lang anhielten, und ein unangenehmes Jucken im Genitalbereich – mit diesen Symptomen ging die heute 27-jährige Sarah vor drei Jahren zum Frauenarzt. Die Gynäkologin machte einen Abstrich, der den Verdacht nahelegte, dass Sarah an einer Vorstufe des Gebärmutterhalskrebs erkrankt war, ausgelöst durch das Humane Papillomavirus (HPV).

Sehr vereinfacht könne man die Krankheit als „Schnupfen im Genitalbereich“ beschreiben, sagt Mediziner Dr. Ziad Hilal. „Er kann keine Symptome verursachen und von selbst wieder verschwinden. Anders als die Viren im Rachen zum Beispiel kann dieser Virus aber Krebs auslösen. Das macht es so schwierig.“

Jährlich erkranken etwa 400 000 Frauen an Dysplasie

Jährlich erkranken etwa 400 000 Frauen in Deutschland an der sogenannten Dysplasie. „Die Erkrankung tritt viel häufiger auf als der Krebs am Gebärmutterhals“, sagt Prof. Dr. Clemens Tempfer, Chefarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Marien Hospital. Seine Klinik ist eine von bundesweit 20 Dysplasieeinheiten, die durch die Arbeitsgemeinschaft Zervixpathologie und Kolposkopie zertifiziert sind. Koordiniert wird sie von Ziad Hilal: „Wir führen in Herne regelmäßig Studien durch, um die Behandlung für die Patientinnen so angenehm wie möglich zu machen.“ Derzeit erprobten die Mediziner etwa die Lokalanästhesie.

Als Sarah vor drei Jahren ins Marien Hospital Herne überwiesen wurde, entnahm ihr Chefarzt Clemens Tempfer zuerst eine Gewebeprobe und anschließend ein Stück ihrer Gebärmutterschleimhaut. Die sogenannte Konisation führte der Mediziner laparoskopisch durch: er führt eine Elektroschlinge über die Vagina ein. „Das ist eine sehr blutarme Technik, bei der die Frauen eine Kurznarkose bekommen und nach wenigen Stunden wieder nach Hause gehen können“, sagt Tempfer. In 92 Prozent der Fälle seien die Frauen danach geheilt. „Der Körper eliminiert das Virus selbst.“

Sorgen während der Schwangerschaft

Bei Sarah zeigte der Kontrollabstrich wenige Monate nach dem Eingriff erneute Veränderungen der Zellen an. Für die junge Frau bedeutete dies: eine zweite Biopsie, eine zweite Operation. Seitdem lebt die 27-Jährige in ständiger Angst, wie sie selbst sagt. „Die Diagnose beeinträchtigt das ganze Leben, sie beherrscht einen regelrecht.“ Alle drei Monate müsse sie zur Kontrolle zum Frauenarzt: „Schon zwei Wochen vorher mache ich mir Gedanken, wie der Abstrich ausfallen wird. Am schlimmsten aber sind die 14 Tage danach, wenn ich auf das Ergebnis warte.“

Besonders groß sei ihre Angst auch gewesen, als sie im vergangenen März schwanger geworden sei. „Die Schwangerschaft war für mich relativ schrecklich“, sagt die Frisörin. „Weil mein Muttermund durch die Eingriffe verkürzt war, musste er verschlossen werden und ich musste fast die ganze Zeit liegen.“ Trotz allem brachte Sarah Ende 2016 ein gesundes Mädchen zur Welt. Nach dem jüngsten Abstrich macht Chefarzt Clemens Tempfer der jungen Frau Hoffnung, dass sie das Virus erfolgreich bekämpft haben könnte.

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