Ausstellung

Herner Heimatmuseum in Unser Fritz präsentiert „Neue Dinge“

Hans-Dieter Stetzka präsentiert im Heimatmuseum sein Motorrad, eine DKW ORE 250.

Hans-Dieter Stetzka präsentiert im Heimatmuseum sein Motorrad, eine DKW ORE 250.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Die Exponate sind dem Heimatmuseum Unser Fritz von Bürgern überlassen worden. Vom Koffer bis zur Jute-Tasche erzählt jedes Stück eine Geschichte.

„Ist das was für das Museum oder kann das weg?“ Mit dieser Frage seien in den letzten beiden Jahren mehr als 200 Menschen auf das Heimatmuseum in Unser Fritz zugekommen. Das berichtete am Donnerstag Ralf Piorr, damals federführend beim Aufbau der Dauerausstellung zu Hernes neuerer Geschichte. Die interessantesten Stücke von Museumsfreunden hat das Heimatmuseum jetzt zu einer Sonderausstellung zusammengefasst. „Neue Dinge“ heißt sie schlicht. Sie wird am Sonntag, 19. Mai, dem Internationalen Museumstag, eröffnet.

Alle Objekte erzählen eine Geschichte

Interessant ist für den Kurator Ralf Piorr, was eine Geschichte zu erzählen hat. So wie das Motorrad von Hans-Dieter Stetzka, eine DKW ORE 250. Der Wanne-Eickeler hat sie aus Originalteilen in zehn Jahren zusammengebaut. Das Besondere: Eine exakt baugleiche Maschine fuhr Willi Henkelmann, Rennfahrer aus Wanne-Eickel, und mit ihr verunglückte er 1928 tödlich. Drei Pokale des Europameisters sind ebenfalls ausgestellt. Brunhilde Kohlenbach, die Tochter der damaligen Verlobten, Mia Schlicker, hat sie gestiftet. Horst „Hotte“ Schröder und die Geschichtsgruppe „Die Vier“ haben die Geschichte Henkelmanns recherchiert.

Nicht ganz so schnell fuhr der rote Flitzer, den Wilhelm Rocholl 1958 für seine Kinder baute und der nun ebenfalls im Museum steht. Bei der Auflösung des elterlichen Haushaltes fanden Inge Schlebusch und Burkhard Rocholl das zu ihrer Kinderzeit voll funktionsfähige Gefährt im Keller. Einen Koffer mit Aufklebern stellte Cordula Sorci zur Verfügung. „Ein Klassiker der musealen Darstellung von Migrationsgeschichte“, freut sich Ralf Piorr. Mit diesem Koffer kam der Italiener Vittorio Sorci 1956 in Herne an.

Von Grubenlampe bis Bratwurstpokal

Das älteste Exponat ist eine Grubenlampe aus Frankreich (1890), das jüngste der „Bratwurstpokal“ aus der Imbissbude Speckmann von 2008. Dort durften sich die Museumsleute bei der Auflösung umsehen, was öfter der Fall ist. So auch in der Gaststätte Zühlke, wo sich eine alte Gasuhr fand. Auch auf die Bibliothek Robert Heitkamps hatte man Zugriff: Dieser hatte seine Führungskräfte Bücher lesen und zusammenfassen lassen. Eine Vitrine erzählt Herner Boxgeschichte, unter anderem mit einem Foto des Kirmesboxers Heinz Bödecker.

Stadtfotograf Thomas Schmidt hat einen alten Staubsauger (Miele Modell A) beigesteuert. Klaus Dieter Gülck, ehemals Kulturbüro-Leiter, brachte eine erstaunlich gut erhaltene „Jute statt Plastik“-Tasche. Sie hängt in der 70er-Jahre-Ecke, zusammen mit einem Kassettenrekorder, einem orangenen Mix-Gerät und einem „Mad“-Heft. Darin schmökerte einst Kurator Ralf Piorr. Aus den 60er-Jahren stammen die Stielkämme von Wolfgang Bruch.

Für Museumsleiter Oliver Doetzer-Berweger sind die Schenkungen und Leihgaben ein Zeichen der Verbundenheit der Menschen mit dem Museum, das seit seiner Neueröffnung im Jahr 2017 auch sehr gut besucht worden sei. Durchschnittlich 8000 Besucher im Jahr zähle ein deutsches Museum, sagt Doetzer-Berweger. „Wir hatten in zwei Jahren 34.305 Besucher.“

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