Schule

Herner Gymnasium erhält weitere Klasse für Flüchtlinge

Gemeinsam stemmen sie die Arbeit in den Seiteneinsteigerklassen: Schulleiter Egon Steinkamp (vorne) mit (v.l.) Iris Immig vom Nachhilfeinstitut „Professor Eule“, Cordula Klinger-Bischof, Iris Stiebling und Cornelia Bruch (alle drei vom "Ruhrwerk").

Gemeinsam stemmen sie die Arbeit in den Seiteneinsteigerklassen: Schulleiter Egon Steinkamp (vorne) mit (v.l.) Iris Immig vom Nachhilfeinstitut „Professor Eule“, Cordula Klinger-Bischof, Iris Stiebling und Cornelia Bruch (alle drei vom "Ruhrwerk").

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Ab Februar gibt es am Otto-Hahn-Gymnasium drei Lerngruppen für Kinder aus Zuwandererfamilien. Der Verein „Ruhrwerk“ stellt zwei Arbeitskräfte.

Sie sind zwischen zehn und 16 Jahren alt, kommen aus unterschiedlichen Ländern und sprechen verschiedene Sprachen – seit etwa zwei Jahren lernen 30 Kinder aus Zuwandererfamilien am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) gemeinsam Deutsch. Ab dem 1. Februar wird es an der Schule eine dritte sogenannte Seiteneinsteigerklasse geben. So hat es die Bezirksregierung Arnsberg entschieden.

Für Schulleiter Egon Steinkamp bedeutet das Arbeit, denn es mangelt an Lehrkräften. „Momentan gibt es auf dem Markt keine Lehrer mehr, die für den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache ausgebildet sind“, sagt Steinkamp. Von der Bezirksregierung habe er eine Liste mit DaZ-Lehrern erhalten und diese einen Tag lang abtelefoniert. „Bis auf einen haben alle schon eine Stelle an einer anderen Schule.“ Hinzu kommt, dass eine hauptamtliche Kollegin für die Sprachförderung aufgrund ihrer Elternzeit mindestens ein Jahr ausfällt.

Es fehlt an Lehrkräften

Für den Unterricht in den Seiteneinsteiger- oder auch Willkommensklassen kommen jedoch nicht nur Pädagogen infrage. „Wir sind dankbar für jeden, der hilft“, sagt der Rektor des OHG. Acht Ehrenamtliche sind in der Schule am Hölkeskampring bereits im Einsatz. „Ehemalige Lehrer, Studenten, Eltern“, so Steinkamp. Zwei von ihnen werden durch den gemeinnützigen Herner Verein „Ruhrwerk“ finanziert, darunter Iris Immig, die eigentlich Legasthenietrainerin im Nachhilfeinstitut „Professor Eule“ in Herne ist.

Seit 2015 kommt sie im Auftrag von „Ruhrwerk“ jede Woche für vier Stunden ins OHG und vermittelt den zugewanderten Kindern unter anderem den Grundwortschatz für Dinge des täglichen Lebens. „Ich versuche einfach, mit den Schülern zu sprechen“, sagt Immig. „Denn wenn das Deutschsprechen und -verstehen nicht funktioniert, funktioniert alles andere auch nicht.“ Das Material suche sie sich im Internet zusammen – oder entwickele es selbst. „Eine Herausforderung ist, dass es sich um keine homogene Gruppe handelt.“

Zuweisung ist bildungsunabhängig

Dass die Kinder im Otto-Hahn-Gymnasium lernen, ist Zufall. Das Kommunale Integrationszentrum (IK) verteilt sie bildungsunabhängig. Nach zwei Jahren Unterricht in der Seiteneinsteigerklasse wechseln sie in die Regelklassen des OHG – oder auf eine andere Schulform. Egon Steinkamp würde sich wünschen, dass das IK eine Vorauswahl abhängig vom Bildungsstand der Schüler treffen würde. „Es wäre auch gut, wenn wir vor allem Jüngere bekämen. Für sie sind die Chancen, in unsere Regelklassen zu kommen, noch größer.“ Dem Rektor ist daran gelegen, die Kinder in seine Schule zu integrieren. „In bestimmten Fächern nehmen sie am ,normalen’ Unterricht teil, etwa in Kunst oder Sport. Wir versuchen ihnen auch zu ermöglichen, mit auf Schulfreizeiten zu fahren.“

Um ihre Arbeit weiter vorantreiben zu können, sind sowohl Steinkamp als auch der Verein „Ruhrwerk“ auf die Unterstützung der Herner Bürger angewiesen. „Wir sind bereit, unser Personal aufzustocken. Aber dafür brauchen wir Ehrenamtliche und Gelder“, sagt Cordula Klinger-Bischof von „Ruhrwerk“. Interessierte könnten sich sowohl in der Schule oder beim Verein melden.

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