Corona

Herner Schulen hoffen: Schüler tragen Masken nun freiwillig

Maske auf oder ab? Das können die Schüler nun selbst entscheiden. Die Herner Schulleiter hoffen, dass die Masken aufbleiben, aus Solidarität und zum Schutz aller.

Maske auf oder ab? Das können die Schüler nun selbst entscheiden. Die Herner Schulleiter hoffen, dass die Masken aufbleiben, aus Solidarität und zum Schutz aller.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Herne.  Herner Schulleiter sind bestürzt und irritiert über das Aus der Maskenpflicht. Sie setzen nun auf das freiwillige Tragen aus Solidarität.

Die Entscheidung der Landesregierung zur Aufhebung der Maskenpflicht ab Dienstag sorgt an den weiterführenden Schulen in Herne für viel Wirbel. Die Gesamtschule Erich-Fried hatte noch am Freitag in einem Eilausschuss der Schulkonferenz beschlossen, die Maskenpflicht an ihrer Schule beizubehalten. Dem widersprach Schulministerin Yvonne Gebauer am Montagmittag bei einer Pressekonferenz.

„Für uns, für meine Kolleginnen und Kollegen, ist die Maskenpflicht so eine Art Lebensversicherung“, erläuterte Stephan Helfen, Schulleiter der Erich-Fried-Gesamtschule, am Montagmorgen die Entscheidung, dass die Maskenpflicht im Unterricht an seiner Schule zunächst bis zum 30. Oktober weiter Bestand habe. Viele Lehrer an seiner Schule gehörten der Risikogruppe an und seien dennoch mit vollem Einsatz in den Unterricht zurückgekehrt. Für sie sei das Tragen der Maske in der Enge des Klassenraumes ein wichtiger Schutz.

Eilausschuss stimmt für Verlängerung der Maskenpflicht

„Das Zeitfenster war sehr klein, wir mussten schnell handeln“, sagte Helfen. Deshalb habe seine Schule noch am Freitag eine spontane Sitzung der Schülervertretung einberufen und auch mit der Elternpflegschaft gesprochen. Alle hätten sich einstimmig für die Verlängerung der Maskenpflicht auch im Unterricht ausgesprochen. In einem Eilausschuss der Schulkonferenz wurde dies dann beschlossen.

Die Resonanz sei äußerst positiv gewesen - von allen Beteiligten, so Helfen. Er ging noch am Montagmorgen davon aus, dass er mit der Schulkonferenz diese Entscheidung treffen darf: „Ich habe das durch die Bezirksregierung prüfen lassen.“ Am Montagmittag stellte Schulministerin Gebauer bei einer Pressekonferenz dann aber klar, dass dieser Schritt, den auch andere Schulen in NRW gehen wollten, nicht rechtens ist (siehe Infobox).

Schulleiterin: Juristen sehen keine Rechtsgrundlage

Auch Nicole Nowak, Schulleiterin am Haranni-Gymnasium, hätte sich eine Verlängerung der Maskenpflicht gewünscht, war davon ausgegangen. Das Aus der Maskenpflicht im Unterricht habe sie „mit äußerster Verblüffung und Unverständnis aufgenommen“, sagte Nowak. Sofort habe sie sich mit Juristen in Arnsberg in Verbindung gesetzt, welche rechtlichen Möglichkeiten sie habe, die Maskenpflicht dennoch an ihrer Schule fortzusetzen. Aber ihr sei gesagt worden, dass es dafür keine rechtliche Grundlage gebe und sie sich an die Anweisung des Dienstherren halten müsse.

Stefan Lindemann, Leiter der Realschule an der Burg und Sprecher der Herner Realschulen, äußert „große Bedenken“, dass der Gesundheitsschutz auch ohne Maske gewährleistet wird. Nach einem Treffen von Vertretern aller Schulformen und dem Schulträger am Montagabend sagte Schulamtsleiter Andreas Merkendorf: „Alle sind schockiert und irritiert, dass das Land ohne Not die Maskenpflicht aufgibt.“ Nun wollten alle Schulen auf die Freiwilligkeit appellieren, so Merkendorf zur WAZ.

Diesen Weg beschrieb auch Nicole Nowak am Montag: „Wir dürfen deutlich machen, dass niemand daran gehindert wird, eine Maske zu tragen, um sich und andere zu schützen und sich solidarisch zu zeigen“, sagt sie.

Schulen setzen auf Solidarität und Freiwilligkeit

Auf das freiwillige Tragen der Maske hoffte auch Katharina Rodermund, Schulleiterin der Gesamtschule Wanne-Eickel – wobei ihr, wie auch den anderen Herner Schulleitern, der Erlass am Montagmittag, nicht einmal einen Tag vor in Kraft treten der Entscheidung, noch nicht schriftlich vorlag.

An ihrer Schule war bereits eine Klasse sowie die gesamte Oberstufe wegen eines Corona-Falls kurzfristig in Quarantäne. „Objektiv gesehen hat sich auch in unserer Schule niemand angesteckt; die Infizierten haben das alle außerhalb der Schule getan“, sagt sie. „Ich würde behaupten: Die anderen haben sich nicht angesteckt, weil wir die Maskenpflicht und die Hygieneregeln sehr ernst genommen haben. Aber wer kann das schon beweisen?“

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