Ausbildung

Herner Gesamtschule schmiedet einen Ausbildungspakt

Der Ausbildungspakt wurde im Herner Rathaus vorgestellt. Zu den Partnern zählen rund ein Dutzend Herner Betriebe.

Der Ausbildungspakt wurde im Herner Rathaus vorgestellt. Zu den Partnern zählen rund ein Dutzend Herner Betriebe.

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Herne.  Die Mont-Cenis-Gesamtschule schmiedet einen Pakt für Ausbildung. So soll den Schülern der Übergang zur Lehre erleichtert werden.

Die Ausbildungssituation in Herne bleibt - trotz einer leichten Verbesserung - angespannt. Deshalb schmiedet die Mont-Cenis-Gesamtschule einen Ausbildungspakt.

Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler schon während der Schulzeit auf den Übergang in die Ausbildung vorzubereiten und zu begleiten. Schulleiterin Sylke Reimann-Perez schilderte bei der Vorstellung des Pakts den Impuls, Jugendliche und Betriebe besser zusammen zu bringen als in der Vergangenheit: Im Jahr 2017 hätten in der Jahrgangsstufe 10 nur vier Prozent aller Schulabgänger einen Ausbildungsvertrag in der Tasche gehabt - viel zu wenig. Viele wüssten nicht, was sie machen sollen und strebten dann erstmal zum Westring. Übersetzt: zu den Berufskollegs.

Ergänzung zum Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“

Die Orientierung für eine Ausbildung müsse viel früher beginnen, so Reimann-Perez. Mit dem Pakt soll schon zu Beginn der Klasse 9 die Vorbereitung auf die Übergang zur Ausbildung beginnen. In dieser Hinsicht gibt es bereits das Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“, doch der Ausbildungspakt gehe darüber hinaus.

Auch wenn die Unterschrift juristisch keine Bedeutung habe, so würden sich die Jugendlichen mit ihr zu verschiedenen Dingen verpflichten. Sie sollen mehrere Praxisphasen in Betrieben absolvieren und so Einblicke erhalten. Ideal sei es, wenn die Jugendlichen sich darüber hinaus auf freiwilliger Basis in den Unternehmen engagieren, vielleicht einmal in der Woche. Apropos Engagement: Bestandteil des Pakts sei es, dass sich die Schüler auch ehrenamtlich in ihrem Stadtteil einbringen. Das trage dazu bei, das Sozialverhalten zu stärken. Reimann-Perez: „Wir möchten aber auch, dass sich die Jugendlichen in der Schule anstrengen. Wenn sie in die Betriebe kommen, wollen wir keine Fünf auf dem Zeugnis. Auch nicht im Fach Kunst.“

Unternehmen können potenzielle Azubis sehr früh kennenlernen

Die Schulleiterin ist überzeugt, dass dieser Pakt eine Win-Win-Situation schafft, weil eben auch die Unternehmen - rund ein Dutzend kamen zur Unterzeichnung ins Rathaus - profitieren. Sie lernen mögliche Auszubildende sehr früh kennen und können sich selbst als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Und wenn es mit dem Übergang in eine Ausbildung klappe, sicherten sie sich so die Fachkräfte von morgen.

Der erste Schüler, der den Pakt unterschrieb, war Philippos Adamidis. Als der 14-Jährige von der Möglichkeit erfuhr, habe er sich spontan entschieden mitzumachen. Bislang ist er einer von drei Schülern. Eine erstaunlich geringe Anzahl. „Viele Schüler müssen erst sehen, was andere vormachen“, so Reimann-Perez. Sie hofft, dass sich im Laufe der Zeit eine Sogwirkung einstellt.

OB hofft, dass auch andere Schulen diesen Pakt schmieden

Oberbürgermeister Frank Dudda sagte, dass er bei der Unterzeichnung auch teilgenommen hätte, wenn es nur ein Schüler gewesen wäre. Wenn man neue Modelle aufbaue, bohre man immer erste dicke Bretter. Man müsse daran arbeiten, diese Modelle zu verstetigen. Er freue sich über dieses neue Format, das in das Bündnis für Arbeit passe. Zwar sei Herne beim Thema Ausbildung ein Stück vorangekommen, doch im Bündnis für Arbeit habe man erkannt, dass es neue Impulse brauche. Dudda hofft, dass das Modell der Mont-Cenis-Gesamtschule Nachahmer an anderen Herner weiterführenden Schulen findet.

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