Corona

Herner Gastronomen können Lockdown nicht nachvollziehen

Stefan Rustemeier, Gastronom im „Zille“, ärgert sich über die Ungleichbehandlung der Gastronomie.

Stefan Rustemeier, Gastronom im „Zille“, ärgert sich über die Ungleichbehandlung der Gastronomie.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Geschockt reagieren die Herner Restaurantbesitzer auf die Nachricht vom erneuten Lockdown. Im November beginnt eigentlich das Weihnachtsgeschäft.

Gastronomiebetriebe müssen ab Montag bis Ende November schließen. Das ist einer der ersten Beschlüsse, die bei den Beratungen von Bund und Ländern zum Corona-Lockdown bekannt geworden sind. Die WAZ hat Herner Gastronomen gesprochen.

Zille

Auch wenn er mit seinen Mitarbeitern schon am Dienstag über einen eventuellen Lockdown diskutiert habe, die Meldung über die Schließung war für Zille-Betreiber Stefan Rustemeier ein Schock. Immerhin kann er auf die Erfahrungen des Lockdowns im Frühjahr aufbauen. Also werde der Außer-Haus-Betrieb der Gastronomie im Kulturzentrum erweitert, schon im März hatte Rustemeier Speisen „to go“ angeboten. Er habe Verständnis für die Maßnahmen. Vielleicht gehe dann endlich mal ein Ruck durch die Bevölkerung, dass sie sich so verhalte, dass sich das Virus nicht weiter ausbreite. Kein Verständnis hat er für die Ungleichbehandlung der Gastronomie. Restaurants würden alle Hygienevorgaben erfüllen, aber in den Discountern werde überhaupt nicht auf Abstände geachtet.

Gute Stube

Die Ungleichbehandlung stößt auch Hendrik van Dillen sehr auf. „Der Baumarkt darf weiter öffnen und wir nicht“, so der Pächter der Guten Stube am Herner Stadtgarten. Er bezweifelt, dass die Gastronomie-Schließung entscheidend zur Reduzierung der Infektionszahlen beitragen kann. Deshalb geht er davon aus, dass die Schließung über den 30. November hinaus dauern wird. Für ihn kommt der Lockdown zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Grund: Van Dillen hat in den vergangenen Wochen einen sechsstelligen Betrag investiert. Die Kegelbahnen sind einer Kochschule gewichen, dort sollten Weihnachtsfeiern stattfinden. Auch den Außenbereich habe er winter- und coronafest gemacht. Und jetzt, wo alles so gut wie fertig sei, müsse er schließen. Immerhin laufe der Hotelbetrieb weiter. Van Dillen gibt sich aber auch kämpferisch: „Wir werden im nächsten Frühjahr wieder da sein.“

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Wildrose

Zdenka Buric, Geschäftsführerin der Wildrose an der Flottmannstraße in Herne-Süd, ist ebenfalls geschockt. Sie erfuhr von der Schließung beim Wareneinkauf. „Alles umsonst“, sagt sie im Gespräch mit der WAZ-Redaktion. Einen katastrophaleren Zeitpunkt könne es gar nicht geben für die Schließung. Für die Weihnachtszeit habe sie schon eine gute Buchungslage gehabt, das könnte alles wegfallen. Die Frage sei ja, ob sich die Menschen im Dezember wieder in die Restaurants trauten. Und Buric muss noch den Lockdown aus dem Frühjahr bewältigen. Kurz zuvor habe sie einen Wasserschaden beheben müssen. Den Lockdown habe sie auch mit Hilfe der Bank überstanden. Sie werde wohl wieder einen Abholservice anbieten.

Elsässer Stuben

„Wir haben es befürchtet“, ist Herbert Krolls erste Reaktion auf die Nachricht vom erneuten Lockdown für die Gastronomie. „Das ist natürlich heftig.“ Das Weihnachtsgeschäft fange im November an, sagt der Inhaber der Elsässer Stuben. Auch die Tage alter Musik sorgten normalerweise für volle Tische. Doch die fallen ja auch aus. Ganz erholt hat sich das Lokal an der Herner Kreuzkirche nach der Wiedereröffnung im Mai noch nicht. „Die großen Tische sind alle weggefallen.“ Nur noch 60 Gäste statt 100 haben er und seine Frau Gudrun Kroll noch empfangen dürfen. Nun sollen wieder die Gastronomen „herhalten“: Das ist für Kroll nicht nachzuvollziehen: „In den Restaurants passiert am wenigsten.“ Dass das Außer-Haus-Geschäft weiter erlaubt sein soll, nützt ihm wenig. „Das geht bei uns nicht“, sagt er. Mal angenommen, das bestellte Rinderfilet werde zu Hause warm gemacht, und sei dann „durch“: „Da haben Sie mehr Ärger als sonst was.“

Meistertrunk

„Das wird der endgültige Todesstoß für einige Restaurants sein“, sagt Goran Basic vom Restaurant Meistertrunk am Eickeler Markt. Er bereits von Kollegen (außerhalb Hernes) gehört, die am Sonntag schließen und dann nicht wieder öffnen würden. Er fühle sich ohnmächtig: „Das bricht alles über uns herein und wir können nichts dagegen tun“, sagt Basic. Für einen großen Betrieb wie den Meistertrunk sei es noch schwieriger als für kleine Lokale, die Folgen des neuerlichen Lockdowns abzufedern, weil die Kosten höher seien. Seine 16 Mitarbeiter müsse er nun erst einmal schweren Herzens in Kurzarbeit schicken.

Die Herner Stadtverwaltung wollte am Mittwochabend noch keine Stellungnahme zu den beim Corona-Gipfel beschlossenen neuen Einschränkungen abgeben. „Wir müssen zunächst einmal abwarten, wie das vom Land umgesetzt wird“, sagte Stadtsprecher Christoph Hüsken.

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