Theater Kohlenpott

Herner „Funny Girl“ schwebt zwischen Comedy und Konvention

Die Funny-Girl-Inszenierung von Frank Hörner wartet sowohl bei der Ausstattung als auch bei den Kostümen mit einigen witzigen Einfällen auf.

Foto: Michael Korte

Die Funny-Girl-Inszenierung von Frank Hörner wartet sowohl bei der Ausstattung als auch bei den Kostümen mit einigen witzigen Einfällen auf. Foto: Michael Korte

Herne.   Das Theater Kohlenpott in Herne hat seine Produktion „Funny Girl“ vorgestellt. Sie dreht sich um Azime. Sie will muslimische Comedian werden.

Das Theater Kohlenpott hat am Freitagabend seine neue Produktion „Funny Girl“ in der Regie von Frank Hörner nach dem gleichnamigen Roman von Anthony McCarten in den Flottmann-Hallen vorgestellt.

Funny Girl, das ist Azime (Sibel Polat). Ihr größter Wunsch ist es, Comedian zu werden, die erste muslimische Comedian der Welt. Doch das ist alles andere als einfach. Der Grund: Azime wohnt in London, wo ihre kurdischen Eltern ein kleines Möbelgeschäft betreiben und ihrerseits nur einen Wunsch haben: Azime schnell und gut zu verheiraten.

Kommentare ergänzen das Spiel

Damit bricht die couragierte junge Frau aber mit den Konventionen der traditionsbewussten kurdischen Community; die Sanktionen für ihre öffentlichen Auftritte in einem Comedy-Club und im Internet in Form von Familienkonflikten, Schikanen und offenen Angriffen bleiben nicht aus. Aber auch der Erfolg bleibt nicht aus. Und Azime ist nicht allein.

Die Inszenierung von Frank Hörner, der zusammen mit Schauspieler Manuel Moser die Stückfassung erarbeitet hat, stellt die junge Azime in den Mittelpunkt und verbindet spielerisches Theater mit erzählenden Kommentaren. Um Azime herum gruppiert er ihre Bezugspersonen und entwirft so in Schlaglichtern ein Panorama ihres Lebens: ihre Eltern (Jennifer Ewert und Manuel Moser) und ihren Bruder (Till Beckmann), ihren homosexuellen Freund und Agenten (Till Beckmann), ihre beste Freundin Banu (Jennifer Ewert).

Akteure fesseln ihr Publikum

„McCarten hat eine so wundervolle Sprache, so liebevolle Beschreibungen. Das fordert geradezu einen Erzähltext auch auf der Bühne“, begründet Hörner seine Entscheidung für diese szenische Fassung. Und der Sprung zwischen Spiel und Erzählung gelingt nahtlos, fast zwei Stunden lang fesseln die Akteure ihr Publikum.

Hauptdarstellerin Sibel Polat überzeugt mit ihrer Wandlungsfähigkeit, die doch immer durch und durch authentisch ist. Die Verabredungen mit potenziellen Heiratskandidaten, die ihre Eltern mehrfach für sie arrangieren, vergrault sie zum Beispiel durch das Vorspielen körperlicher Gebrechen, im Club dagegen brilliert sie durch ihren natürlichen Witz und ihr Improvisationstalent – und den Mut, die Befreiung von einer Burka zu zeigen.

„Wenn ich so etwas auf der Bühne trage, habe ich eine Verantwortung“, sagt Sibel Polat. „Denn die Frage nach der Identität ist ein Kernthema für Menschen mit Migrationshintergrund.“


>> WEITERE INFORMATIONEN: Anthony McCartenAnthony McCarten Anthony McCarten

Anthony McCarten wurde 1961 in New Plymouth in Neuseeland geboren und lebt in London. Er wurde bekannt als Autor von Theaterstücken, Drehbüchern und Romanen.

2014 erschien sein Roman „Funny Girl“, 2015 erhielt er eine Oscar-Nominierung als „bester Film“ und „bestes adaptiertes Drehbuch“ für „Die Entdeckung der Unendlichkeit“.

Weitere Aufführungen siehe Spielplan.

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