Corona

Herner Friseure stellen sich auf neue Corona-Vorgaben ein

Im Friseursalon „Déjàvu“ an der Behrensstraße ist jetzt viel Platz zwischen den Bedienplätze. Desinfektion wird groß geschrieben.

Im Friseursalon „Déjàvu“ an der Behrensstraße ist jetzt viel Platz zwischen den Bedienplätze. Desinfektion wird groß geschrieben.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Unter strengen Schutzvorschriften dürfen die Herner Friseursalons am Montag wieder öffnen. Was die Teams und die Kunden nun erwartet.

Nach sechs Wochen Zwangspause dürfen ab Montag die Friseure in Herne wieder öffnen. Ein weiterer Berufsstand atmet auf. Wie vorher ist in den Salons allerdings nichts mehr. Die vergangenen Tage haben die Friseurinnen und Friseure damit verbracht, ihre Läden so herzurichten, dass Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden.

Platz gemacht zwischen den Bedienplätzen

Viel Gold und Schwarz, barocke Sessel und Sofas haben dem Friseursalon „Déjàvu“ an der Behrensstraße in der Herner Innenstadt in Vor-Corona-Zeiten sein Flair verliehen. Ralph Freudenhammer und seine Schwester Nina haben sie erst mal weggeräumt, damit Platz ist zwischen den Arbeitsplätzen. 1,50 Meter zu allen Seiten, das gilt ab Montag nun auch hier. Statt 13 Kundinnen dürfen Chef, vier Angestellte und zwei Azubis jetzt nur noch acht bedienen. Was mit Pflanzen und Deko, Zeitschriften und Cappuccino für die Kundinnen einmal „Wohlfühloase“ war, sagt Nina Freudenhammer, werde „auf die nackte Dienstleistung reduziert“. Trotzdem überwiegt bei ihr die Erleichterung: „Man freut sich, die Kunden wieder zu sehen.“

Schneiden und Färben mit Mundschutz: Eine neue Erfahrung für die Kundinnen wie für das Team, das jetzt im Salon „Déjàvu“ zusätzlich zur Mund-Nasen-Maske ein Vollvisier trägt. Wie sie der Kundschaft um die Maskenbändchen herum die Haare schneiden soll, weiß Nina Freudenhammer auch noch nicht. Make-up - bisher gerne genommen zur Braut- oder Abiball-Frisur - geht gar nicht mehr. Froh sein kann, wer als Kunde schon einen der begehrten Termine ergattert hat: Eine Reservierung ist Vorschrift. „Das wird unheimlich viel Telefonarbeit“, weiß die Friseurin jetzt schon, die von allen Namen und Anschrift festhalten muss. Ihre Hoffnung: dass die Kunden Verständnis zeigen.

Buchwald: „Hätten so schon vor vier Wochen anfangen können“

Mit Terminvereinbarungen hat Rolf Buchwald im „Schnittpunkt“ in Baukau und Börnig schon immer gearbeitet. Keine Umstellung in dieser Hinsicht für den Friseurmeister, der sich ebenfalls auf alle neuen Vorschriften einstellen muss. Desinfektion, Trennscheibe, Mundschutz für die Kunden, falls einer ohne kommt ... Wahrscheinlich werde an der Forellstraße im Schichtdienst gearbeitet, sagt er. Buchwald glaubt, mit den neuen Bestimmungen auf einem guten Weg zu sein. „Ich denke, die Ansteckungsgefahr ist sehr gering.“ Um noch sicherer zu sein, werde man „den Kunden vorschlagen, nicht zu reden“. Bei aller Zuversicht, mit der er den Neustart angeht, glaubt er aber auch: Mit dem jetzigen Arbeitsschutzstandard „hätten wir schon vor drei oder vier Wochen wieder anfangen können“.

Barbershop in Eickel darf nicht Rasieren

Nicht einmal drei Monate hatte Murat Özdemir Zeit, seinen Friseursalon „A 7 Stylisten“ in Eickel aufzubauen, bevor ihm Corona in die Quere kam. Besonders nachteilig für den Friseur: „Wir dürfen keine Bartrasur, Augenbrauenzupfen und Gesichtshaarentfernung mehr anbieten.“ Als einziger in Eickel habe er sich aber gerade mit seinem Barbershop einen Namen gemacht. Dass ein Zahnarzt einen Patienten behandeln dürfe, eine Rasur aber verboten sei, sieht er nicht ein. 1200 Euro, so Özdemir, habe er in Mundschutz, Handschuhe, Desinfektionsmittel und ein Gerät zur Desinfizierung seines Werkzeugs investiert. Dass seine Kundinnen und Kunden weiter zum Schneiden und Färben kommen, hofft er. Für die ersten beiden Wochen hätten viele schon einen Termin reserviert. Aber danach? „Das wird auf Dauer nicht so gut funktionieren“, glaubt er. Von den Kunden seien viele in Kurzarbeit. „Die verdienen selbst zu wenig und werden sparen.“

Unterstützung durch die Innung

An die Einkünfte der Friseure selbst denkt Andreas Janik mit Sorge. Der stellvertretende Obermeister der Friseurinnung führt einen Salon an der Altenhöfener Straße in Herne-Süd, der wegen der Abstände von acht Plätzen auf dreieinhalb geschrumpft ist. „Das muss wirtschaftlich geschultert werden“, sagt er - bei gleicher Mitarbeiterzahl und unveränderten Öffnungszeiten. Die in der Kreishandwerkerschaft organisierten Kollegen unterstützten sich gegenseitig mit Informationen, auch was den Einkauf von Desinfektionsmitteln und Schutz angehe, helfe die Innung.

„Man hilft sich gegenseitig“ bestätigt auch Innungsobermeister Jörg Böhlke, Besitzer eines Friseurgeschäfts an der Wiescherstraße mit vorher zehn und nun fünf Plätzen. Von „Normalbetrieb“ will er noch nicht wieder reden. „Die größte Herausforderung ist es, den Kunden die Angst zu nehmen“, sagt Böhlke, der erstmals in 39 Jahren seines Friseurlebens sechs Wochen am Stück nicht gearbeitet hat. „Wir müssen einfach mal starten“, macht er seiner Zunft und sich selbst Mut. In drei Monaten werden sich zeigen, wer es geschafft habe.

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