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Herner Familie leistet mit Passivhaus Beitrag zu Klimaschutz

Das Passivhaus der Familie Schön/Lottritz ist nach Süden ausgerichtet, die Nordseite (im Bild) hat nur kleine Fenster.

Foto: Rainer Raffalski

Das Passivhaus der Familie Schön/Lottritz ist nach Süden ausgerichtet, die Nordseite (im Bild) hat nur kleine Fenster. Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Monika Lottritz und ihr Ehemann Michael Schön wohnen in einem Passivhaus. Sie öffnen es regelmäßig für Besucher, um das Konzept vorzustellen.

Die Sondierungsverhandlungen in Berlin für eine mögliche Regierungskoalition verlaufen äußerst zäh. Ein zentraler und immer wiederkehrender Streitpunkt: der Klimaschutz. Wobei die Zeit langsam knapp wird, um die Maßnahmen zu intensivieren.

Der Kohlendioxidausstoß ist in diesem Jahr wieder angestiegen, statt zu sinken. Schutzmaßnahmen für die Atmosphäre müssen allerdings nicht nur in großem Maßstab stattfinden – etwa durch die Abschaltung von Kohlekraftwerken. Man kann mit ihnen sprichwörtlich vor der eigenen Haustür anfangen.

Monika Lottritz und Michael Schön haben am Sonntag ihre Haustür für Besucher geöffnet, die sich für eine zukunftsweisende Technik interessieren. Die beiden wohnen in einem sogenannten Passivhaus.

Schaut man auf die einfache Definition des Prinzips, offenbart sich, dass Passivhäuser einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können: Unter einem Passivhaus wird ein Gebäude verstanden, das aufgrund seiner guten Wärmedämmung und dem Funktionsprinzip, mittels Wärmetauscher Lüftungswärmeverluste zu vermeiden, in der Regel keine klassische Gebäudeheizung benötigt.

Treibhauseffekt sinnvoll nutzen

Als die Familie auf der Suche nach einem neuen Haus war, stand für sie von Anfang an fest: „Das wird ein Passivhaus. Entsprechend haben wir auch nach Häusern und Grundstücken gesucht, die nach Süden ausgerichtet sind“, sagt Monika Lottritz. Herne hatten sie zunächst gar nicht im Blick, doch hier – an der Flottmannstraße – fanden sie das am bestem geeignete Grundstück für ihre Pläne. Auch ein Indiz dafür, dass Herne als Wohnort durchaus attraktiv sein kann.

Neben einer guten Dämmung ist die Hauptbedingung für die Realisierung des „Passivkonzepts“ die eigene Wärmeversorgung des Hauses aus Sonneneinstrahlung, der Abwärme von technischen Geräten und Menschen. So sind die großen Fensterfronten des Hauses nach Süden ausgerichtet, die kleinen nach Norden. Dadurch kann sich das Haus schnell erwärmen. So werde die Wärme der Sonne effektiv genutzt.

Diffuses Licht besser einfangen

„Da die Solaranlage auf dem Dach nicht gekippt ist, können wir diffuses Licht besser einfangen“, sagt Informatiker Michael Schön. Wegen der großen Fensterfronten komme selbst im Winter durch die Sonneneinstrahlung genügend Licht hinein. So versorgt sich das Haus selbst mit Wärme, da es diese speichert. Das heißt: Der Treibhauseffekt, der dem Weltklima zunehmend Probleme bereitet, wird im Passivhaus sinnvoll genutzt.

Außerdem trägt die Raumaufteilung dazu bei. Die Wohnräume befinden sich im Obergeschoss, Schlaf- und Kinderzimmer im Erdgeschoss. Diese Aufteilung optimiert die Wärmenutzung. „Wir haben erst vor einer Woche die Heizung angemacht“, so Lottritz. Mit Heizung ist jedoch kein normales Exemplar gemeint, sondern eine Wandheizung, die von der Erdwärmepumpe gespeist wird. Auch lüften müsse man nicht im Haus. Das übernehme eine Lüftungsanlage, die für die Zirkulation der Luft sorgt.

Wärmepumpe ist das Herzstück

Im Keller des Hauses steht das Herzstück: Eine Wärmepumpe. „Eine Gastherme liegt bei etwa 6000 Euro. Dazu kommen noch Wartungskosten durch den Schornsteinfeger. Bei der Wärmepumpe fallen nur etwa 2000 Euro für die Anschaffung an“, sagt Michael Schön.

„Tue Gutes und rede darüber“, begründet Michael Schön das Öffnen seiner Tür für Besucher. So könne er seine Erfahrungen weitergeben. „Wir machen zum vierten Mal mit. Jedes Mal kamen etwa 20 Interessierte.“ Das mag nicht die breite Masse sein, aber beim Klimaschutz zählt der Beitrag jedes Einzelnen.

>> ETABLIERTES PRINZIP

  • Das Prinzip des Passivhauses ist inzwischen etabliert. Das erste anerkannte Passivhaus Deutschlands entstand 1991 in Darmstadt am Institut Wohnen und Umwelt.

  • In der jüngeren Vergangenheit gibt es zunehmend Bestrebungen, ältere Häuser in Passivhäuser umzubauen, da der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden kann.

  • Die UN benennt ausdrücklich Passivhäuser als eine Möglichkeit, im Gebäudebereich eine deutliche Energieeinsparung zu erreichen. Das Darmstädter Passivhaus Institut ist bei der Weltklimakonferenz in Bonn vertreten.

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