Gnadenhochzeit

Herner Ehepaar geht seit 70 Jahren durch dick und dünn

Helga und Hans-Werner Held feiern Gnadenhochzeit. Vor 70 Jahren gaben sie sich das Ja-Wort.

Helga und Hans-Werner Held feiern Gnadenhochzeit. Vor 70 Jahren gaben sie sich das Ja-Wort.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.  Helga und Hans-Werner Held aus Herne sind seit 70 Jahren verheiratet. Ihr Geheimnis: Eine Ehe lebt von Vertrauen und Zusammenhalt.

In dem Jahr ihrer Heirat lag der Zweite Weltkrieg erst vier Jahre zurück. Im Westen war gerade die Bundesrepublik und im Osten die DDR gegründet worden, als am 22. Oktober 1949 Helga (89) und Hans-Werner Held (92) den Bund fürs Leben schlossen - vor inzwischen 70 Jahren. Das Paar feiert das seltene Fest der Gnadenhochzeit.

Geheiratet, um eine Wohnung zu bekommen

Auf die Frage, ob es ein Geheimnis gibt, um sieben Jahrzehnte zusammenzubleiben, antworten die Eheleute einmütig: „Wir haben immer zusammengehalten und einander vertraut“. Dabei mussten sie „manche Hürden überwinden“, erinnert sich die Jubilarin. Das begann eigentlich schon mit der Heirat selbst. Das Paar lebte damals in Nordhausen am Harz und damit in der ehemaligen DDR. Um eine eigene Wohnung zu bekommen, „brauchte man einen Trauschein“. Doch auf das junge Glück wartete schon bald erneute Fährnisse des Lebens. Zwei Jahre nach der Eheschließung musste Hans-Werner Held fliehen, die sozialistische Regierung der DDR unterstellte ihm, einem privaten Autohändler, Wirtschaftsvergehen. Es dauerte Monate, bis seine Frau ihm folgen konnte.

Steffi Graf und Boris Becker getroffen

Im Westen angekommen, gab es nicht sofort Arbeit. Einige Zeit ging ins Land, bis der Ehemann bei einer Bielefelder Opel-Vertretung anfangen konnte. Als er Jahrzehnte später in Rente ging, war er längst Geschäftsführer des Betriebes geworden. Im ostwestfälischen Oerlinghausen lebte das Paar rund drei Jahrzehnte, dort wuchsen ihre drei Kinder auf, dort waren sie vor allem im Tennisclub aktiv. Nicht ganz ohne ein bisschen Stolz erinnern sich die Jubilare, dass „dort auch Steffi Graf und Boris Becker bei Turnieren mitgespielt haben“. Damals hätten aber beide noch am Anfang ihrer Karriere gestanden. Die Söhne von Familie Held durften die einstigen Tennis-Größen sogar chauffieren, ihr Vater war nun mal Chef einer Autovertretung.

Sohn holte seine Eltern nach Herne

Als die Lebenswege den ältesten Sohn, beruflich im IT-Bereich tätig, nach Herne führten, überlegte er gemeinsam mit Ehefrau Friederike, ob nicht seine Eltern nachkommen sollten. „Wir waren damals um die 80 Jahre alt“, sagt Helga Held, Schneiderin von Beruf und später in einer Konditorei tätig. Mag der Abschied auch nicht so leicht gefallen sein, die Ruhrgebietsstadt sollte sich als ein Glücksgriff erweisen. Geschäfte, Behörden, Ärzte und vor allem auch der Gysenberg-Park befinde sich in unmittelbarer Nähe, lobt das Paar das Zuhause an der Goethestraße. Die grüne Oase haben die beiden Senioren aber nicht nur zu Spaziergängen aufgesucht, „vor allem das Gymnastikangebot hat uns angesprochen“. Körperliche Fitness ist dem Paar schon immer wichtig gewesen. Bewegung brauche man, um gesund zu bleiben, geben die Eheleute zu verstehen.

Paar kennt sich seit Kindheitstagen

Zur heutigen Gratulantenschar gehören neben den drei Söhnen, sieben Enkel und fünf Urenkel. Wie damals, vor sieben Jahrzehnten, wird es auch dieses Mal wieder eine Familienfeier werden. Gefunkt hatte es im Übrigen bei dem Paar einst während der Party bei einem Freund. Die erste Begegnung war das allerdings nicht, denn sie haben ein- und denselben Kindergarten besucht.

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