Schulbeginn

Herner Caritas spendet wieder Schulmaterial für Erstklässler

Bernd Zerbe, Angelika Mahlke, Kirsten Midik und Ansgar Montag (v.l.) präsentieren einen Teil der Grundausstattung für 1200 Erstklässler.

Bernd Zerbe, Angelika Mahlke, Kirsten Midik und Ansgar Montag (v.l.) präsentieren einen Teil der Grundausstattung für 1200 Erstklässler.

Foto: Ralph Bodemer

Herne.   Der Herner Caritasverband spendet zum achten Mal Schulmaterial für Kinder aus Kinder aus armen Familien. Rund 1200 Erstklässler werden versorgt.

Der Caritasverband Herne spendet in diesem Jahr zum achten Mal Schulmaterial für Kinder aus armen Familien. Der Bedarf ist erneut gestiegen: Mit 14 000 Euro brachte der Verband 2500 Euro mehr auf als im Vorjahr.

„Es geht uns um Chancengleichheit. Kinder können nichts dafür. Jedes Kind muss die gleiche Chance haben, groß zu werden und Bildung zu bekommen“, betont Caritas-Chef Ansgar Montag. Zwar könnten nicht alle Probleme durch die Schulaktion gelöst werden, „aber es macht das Leben etwas einfacher“. Die Spenden decken den Grundbedarf eines Schulkindes: Bleistifte, Hefte und Blöcke, Klebestifte, Scheren und Farbkästen. „Wir haben darauf geachtet, dass es keine Billigmaterialen sind“, erklärt Bernd Zerbe, Abteilungsleiter der sozialen Dienste. Die Materialien werden in den kommenden Wochen an die Kinder verteilt - sowohl an die bedürftigen Schulanfänger der rund 1200 Erstklässler, als auch an diejenigen, die die Schule gewechselt haben. Auch machten Schüler aus älteren Jahrgängen einen Teil aus, deren Familien zum Schulbeginn keine neuen Materialien anschaffen konnten. Hohen Bedarf haben die Grundschulen in sozial schwachen Stadtgebieten wie Herne-Mitte, Wanne und Unser Fritz.

Armut ist nicht immer der Grund

Es sind nicht allein die Zuwandererfamilien, die den Anstieg beeinflussten, sagt Kirsten Midik, Schulleiterin der Grundschule an der Schulstraße. „Bei den Flüchtlingskindern gibt es eine ähnliche Verteilung wie bei allen anderen Kindern. Es ist keineswegs so, dass diese grundsätzlich schlecht ausgestattet sind.“ Allgemein liege der Grund nicht immer darin, dass die Eltern zu arm seien: Manchmal haben die Eltern vergessen, die Materialen zu besorgen. Häufig bräuchten außerdem Kinder aus Familien Hilfe, die keine Unterstützung erhielten, erklärt Midik. „Menschen, die von Harz IV leben, können einen Antrag stellen. Aber diejenigen, die gerade über der Grenze sind, haben oft große Probleme.“

Zu Beginn des Schuljahres meldet jede Herner Grundschule ihren Bedarf der Caritas. Wie viel benötigt wird und wer etwas erhält, darüber entscheide die Berufserfahrung der Lehrer, sagt Midik. „Wir haben ein Gefühl dafür, wer etwas braucht.“ Häufig erführen die Lehrer schon vor Schulstart durch Nachfragen, ob Bedarf bestehe. Ganz unbürokratisch erhalte das Kind dann im Unterricht die Materialien. Für Ansgar Montag ein wichtiger Faktor: „Kinder sind sehr empfindlich an dieser Stelle. Deshalb sollte kein Kind das Gefühl haben, ein Kind zweiter Klasse zu sein.“ Die Blamage, keine Materialien zu haben, sagt Bernd Zerbe, bleibe den Kindern erspart.

Die Aktion wird durch Spendengelder von Privatpersonen, Kirchensteuern und Zugaben des Lions-Clubs finanziert. Dass die neue Marke von 14 000 Euro der letzte Höchststand bleibt, glaubt Montag nicht. Er rechnet mit einem weiteren Anstieg - oder anders formuliert: „Es wäre verwunderlich, wenn es nicht so wäre.“ Schulleiterin Kirsten Midik findet drastischere Worte: „Wir haben schon so oft gedacht, dass die Grenze erreicht ist. Aber der Alltag belehrt uns jedes Mal eines Besseren.“

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