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Herner Biergärten stehen zwischen Tradition und Wandel

Rustikal und zugleich bequem: Das Gut Steinhausen setzt auf Holzbänke mit Rückenlehne in seinem Biergarten.

Foto: Ralph Bodemer

Rustikal und zugleich bequem: Das Gut Steinhausen setzt auf Holzbänke mit Rückenlehne in seinem Biergarten. Foto: Ralph Bodemer

Herne.   Gäste verlangen nach rustikalem Essen und Bier, wollen aber bequem speisen. Viele Gastronomen folgen diesem Trend und haben aufgerüstet.

Auch in Herne ist die Biergarten-Saison längst eröffnet. Doch die Bierzeltgarnitur ist kaum noch zu finden. Auch der sogenannte Mono Bloc, der weiße, stapelbare Kunststoffstuhl, scheint verschollen zu sein aus den Biergärten der Stadt. Denn diese haben sich verändert.

Seit 20 Jahren betreibt Rosemarie Grätsch das ländlich gelegene Gut Steinhausen mit Ehemann Wilm. Zu dem Reiterhof gehören auch Restaurant und Biergarten. „Die Menschen essen, wie schon immer, rustikales Essen und holen es sich auch selbst ab“, berichtet Rosemarie Grätsch. Meistens werde nach Nackensteak, Currywurst und Schaschlik verlangt.

Die Trinkgewohnheiten der Gäste hätten sich auch nicht geändert, meistens werde weiterhin Bier bestellt. „Die Damen weichen seit zwei, drei Jahren auf Wein aus.“ Was sich jedoch geändert habe, sei der Anspruch an bequeme Sitzmöglichkeiten. „Eine gewisse Gemütlichkeit ist den Menschen wichtig. Eine Rückenlehne zum Beispiel. Bierbänke sind out“, berichtet die Herner Gastronomin. Könnten sich Gäste nicht anlehnen, dann blieben sie nur auf ein Bier.

Traditionsbetriebe rüsten auf

Im Traditionsbetrieb Gockeln’s Restaurant setzt Geschäftsführer Thomas Gockeln seit fünf Jahren auf eine Biergarten-Terrasse. Angeboten werden neben gehobenem Essen auch Bratwurst und Trend-Speisen wie Pulled Pork (bei niedriger Temperatur gegartes Schweinefleisch). „Alle 14 Tage machen wir ein Barbecue. Dabei bedienen sich die Gäste selbst oder wir liefern aus“, sagt Geschäftsführer Thomas Gockeln.

Bei den Stühlen setzt das Gockeln’s auf Aluminium-Stühle. Fahri Toku hat in seinem Forsthaus Gysenberg gleich vier Sitz-Terrassen, auf denen mehr als 400 Menschen Platz finden können. Im Sommer dienen diese oft als Biergarten. „Die Menschen sind viel bequemer geworden“, sagt Toku, der seine Gaststätte seit 22 Jahren betreibt.

Im Forsthaus kommt Selbstbedienung nicht an

Deshalb hat er auch im vergangenen Jahr in eine neue Bestuhlung investiert. Auf der Restaurant-Terrasse stehen Tische aus Rattan und Holzstühle. Auf der Terrasse am Spielplatz wartet das Forsthaus mit Kunststoff-Rattan-Sitzgelegenheiten auf. „Ich versuche mit der Zeit zu gehen und modern zu bleiben“, resümiert der Forsthaus-Inhaber seine Bemühungen.

Toku hat auch bei den Essensgewohnheiten Veränderungen beobachtet. „Seit einigen Jahren wollen die Gäste ihr Essen viel schneller serviert bekommen. Wir versuchen mitzuhalten.“ Selbstbedienung komme in seiner Gaststätte nicht gut an. Durch die Bank sind sich die befragten Herner Gastronomen in einem einig: Der Biergarten ist eine wichtige Einnahmequelle für ihren Betrieb. Über das Jahr verteilt treibe der Biergarten 30 bis 40 Prozent der Gaststätteneinnahmen ein.

Altes Konzept neu im Gysenberg

Eine Ausnahme in Hernes Biergarten-Landschaft ist das Konzept von Oliver Janiszewski. Er hat als Unterpächter die Gaststätte Gyga im Gysenberg-Park übernommen und zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sandra Braun als bayrischen Biergarten eröffnet. Neben 400 Plätzen an Bierzeltgarnituren bietet er Gästen 100 Sitzgelegenheiten mit Holzklappstühlen, bewirtet seine Gäste mit rustikal-bayrischem Essen und will bald Bier in Krügen ausschenken.

Den Trend zur Bequemlichkeit habe er nicht beobachtet, sagt der selbstständige Koch. „Ich will mich dafür einsetzen, den klassischen Biergarten-Charme zu behalten“, erläutert der 32-jährige Janiszewski sein Vorhaben. Anfang Juni war die Eröffnung. So findet der typische Biergarten wieder Einzug in Herne.

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