Umweltspur

Herner ADFC sieht Schaffung einer Umweltspur kritisch

Die Umweltspur in Düsseldorf wurde am 15. April freigegeben.

Die Umweltspur in Düsseldorf wurde am 15. April freigegeben.

Foto: Kai Kitschenberg

Herne.   Düsseldorf testet seit einigen Tagen eine Umweltspur. Der Herner ADFC-Vorsitzende ist von der Maßnahme nicht überzeigt. Das sagt die Stadt.

Die Stadt Düsseldorf testet zurzeit sogenannte Umweltspuren. Auf diesen Spuren sollen nur Busse, Fahrräder und E-Fahrzeuge fahren dürfen. Michael Thomasen, 1. Vorsitzender des ADFC Herne, sieht dies eher kritisch.

Fahrspuren für Radler und Taxis

„Diese Maßnahme wurde ausschließlich durchgeführt, um drohende Dieselfahrverbote zu vermeiden“, kritisiert Thomasen. Die Stadt Düsseldorf habe auf zwei hochbelasteten Einfallstraßen Richtung Innenstadt Umweltspuren von circa 500 Metern Länge eingerichtet. Erfahrungen zu Umweltspuren dieser Art gebe es bisher in Deutschland nicht. Es bleibe abzuwarten, wie sie sich im Laufe der einjährigen Testphase bewährten. „Es wird insbesondere interessant sein, zu beobachten, wie sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer auf der Umweltspur ,vertragen‘“, sagt Michael Thomasen. „Ich bin im Moment eher skeptisch, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.“ Überzeugender findet der passionierte Radler die besonderen Fahrspuren für Radler und Taxis, wie sie als dauerhafte Einrichtung in Berlin, Hamburg und Münster existieren. „Über diese Spuren bin ich selbst schon mehrfach problemlos geradelt.“

Vergleichbar stark belastete Straßen wie in Düsseldorf habe Herne nicht. Am ehesten käme der Bereich der Recklinghauser Straße zwischen der Anschluss-Stelle Herne-Wanne der A42 und der Hertener Stadtgrenze in Frage. „Die Überlegung, ob auf diesem relativ kurzen Abschnitt die Einrichtung einer Umweltspur nach Düsseldorfer Vorbild sinnvoll wäre, erübrigt sich aus meiner Sicht schon deshalb, weil Politik und Verwaltung in Herne schlichtweg Wille und Mut zu solch einschneidenden Maßnahmen fehlen.“

Stadt sieht Umweltspur als wichtigen Baustein

Der ADFC Herne fordere daher – insbesondere vor dem Hintergrund der ernüchternden Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2018 – unter anderem, sich vorhandenen Problemen bei den Radverkehrsanlagen zu widmen, deren Zustand oft beklagenswert sei. „Es wäre wünschenswert, einen ,geschützten Radstreifen‘ auf Herner Stadtgebiet, zum Beispiel auf der Dorstener Straße zu errichten“, wünscht sich Thomasen.

Für die Stadt Herne scheint der Einsatz von Umweltspuren jedoch nicht abwegig: „Als Mobilitätsmanagerin sehe ich Umweltspuren als einen wichtigen Baustein, um weniger Autoverkehr in der Stadt zu erreichen und so auch schädliche Emissionen des Verkehrs zu reduzieren“, sagt Dana Jakert, Mobilitätsmanagerin der Stadt Herne im Fachbereich Tiefbau und Verkehr. Das gelinge aber nur, wenn man Umweltspuren mit System anwende und nicht auf einzelnen Straßenabschnitten wie in Düsseldorf. „Es müsste in der Stadt ein Netz aus solchen Spuren geben, die ansprechend und stadtverträglich gestaltet sind, z.B. mit begleitenden Bepflanzungen“, betont Dana Jakert. Um Menschen zum Umdenken zu motivieren, brauche es attraktive, vernetzte Angebote. „Vereinzelte Straßenabschnitte als Umweltspur auszuschildern, wird da nur einen geringen Effekt erzielen.“

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