Brache Blumenthal

Herne will 1500 neue Arbeitsplätze auf Zechenbrache schaffen

So könnte einmal die Tech Hall aussehen.

So könnte einmal die Tech Hall aussehen.

Foto: ARCHWERK Generalplaner KG, Bochum

Herne hat den Startschuss für die Entwicklung der Zechenbrache Blumenthal gegeben. Das Projekt soll Strahlkraft für die ganze Region haben.

Herne hat den Startschuss für ein Projekt gegeben, das innerhalb des nächsten Jahrzehnts Strahlkraft in der Region und weit darüber hinaus entwickeln soll. Auf der Zechenbrache General Blumenthal soll die „International Technology World Herne“ entstehen. Am Donnerstag wurde die erste Projektskizze in einer gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Planungsausschuss sowie Bezirksvertretung Eickel präsentiert.

Auf dem etwa 30 Hektar großen Areal sollen die Elemente Hochschulforschung, technologische Entwicklung und industrielle Produktion miteinander verbunden werden. Gleichzeitig soll der Grünanteil des etwa 40 Fußballfelder großen Geländes bei mindestens 50 Prozent liegen. So sind neben Wald und begrünten Dächern auch Wasserflächen geplant.

Eine Seilbahn zum Hauptbahnhof Wanne-Eickel

Das städtebauliche Gesamtkonzept hat der Bochumer Architekt Pof. Wolfgang Krenz vom Büro Archwerk entwickelt. Das besteht aus drei zentralen gestalterischen Elementen: So ist eine sogenannte Tech Hall vorgesehen mit Gebäuden für Unternehmen und Start-ups oder Studierende - Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda kann sich vorstellen, dass auf Blumenthal ein Campus der von mehreren Städten geforderten Emscher-Universität entsteht. Hinzu kommen zentrale Mensen, Verwaltungen und ein Auditorium.

Außerdem hat Krenz einen Multi-Turm vorgesehen, in dem unter anderem Kongress- und Co-Working-Flächen, ein Hotel und Wohnungen untergebracht denkbar wären. Das dritte Hauptelement ist eine sogenannte Passerelle. Sie soll sich über eine Länge von rund 600 Metern auf der Fläche erstrecken, wo heute noch das stillgelegte Kraftwerk Shamrock steht und als Produktionsstätte für Hightech-Technologien dienen. In einem Bestandsgebäude des Kraftwerks könnte lokales und regionales Handwerk seinen Platz finden. Das Besondere an diesem Konzept: Es ist modular aufgebaut, kann also in Abschnitten realisiert werden.

Eine weitere Idee: Eine Seilbahn mit einer Länge von etwa 1,2 Kilometern soll das Areal mit dem Hauptbahnhof Wanne-Eickel verbinden. Dies soll ein Baustein bei der klimafreundlichen Erschließung sein. Forscher der RWTH Aachen hatten im vergangenen Jahr den „upBus“ vorgestellt, eine Verbindung aus Elektrobus und Seilbahn.

1500 neue Arbeitsplätze könnten in Herne geschaffen werden

Krenz sprach in seinem Vortrag davon, dass das neue Quartier mit dem Ort vernetzt werden und nicht wie ein Implantat in das Areal gesetzt werden soll.

Nach der ersten vorsichtigen Schätzung der Stadt könnten rund 1500 Arbeitsplätze entstehen, bei der Gesamtinvestitionssumme bleibt man im Rathaus eher vage und spricht von einem „mittleren dreistelligen Millionenbetrag“.

OB Dudda ist sich der Kühnheit des Vorhabens durchaus bewusst. Herne sei in den vergangenen Jahren gut vorangekommen, doch für den Aufholprozess sei es wichtig, jetzt noch eine Schüppe draufzulegen.

Dudda mag keine Debatten mehr über das Ruhrgebiet als abgehängte Region führen, die International Tech World Herne soll als Kristallisationspunkt dienen, an dem man sehen kann, dass das Ruhrgebiet seine Zukunft wieder selbst bestimmen will.

Kraftwerk Shamrock müsste komplett abgerissen werden

Und Dudda weist darauf hin, dass die Planungen in einer sehr frühen Phase seien und es eine unbekannte Variable gebe. Zum Beispiel die Finanzierung: Dabei setzt die Stadt auf das Strukturstärkungsgesetz und auf das Kohleausstiegsgesetz, von denen Herne profitieren könne. Werden sie beschlossen, können Herne mit diesem Projekt ins Rennen um Fördergelder gehen. Außerdem sei mit Jahresbeginn die Fördersystematik des Bundes verändert worden.

Fördergelder werden nicht mehr nach Himmelsrichtung, sondern nach Bedarf verteilt. Hinzu kommt die Frage des Kraftwerks Shamrock. Um die Vision komplett zu realisieren, muss es abgerissen werden. Allerdings können die anderen Teile des Projekt auch unabhängig vom Kraftwerksgelände geplant und umgesetzt werden.

Erste Vorgespräche mit der RAG Montan Immobilien

Hinzu kommt die Tatsache, dass das Gelände noch der RAG Montan Immobilien gehört und noch unter Bergrecht steht. Heißt: Die Eigentümerin muss mit dieser Vision einverstanden sein. Laut Dudda habe es erste Vorgespräche gegeben.

Dudda bezeichnet die Entwicklung als Dekadenprojekt. Bei einem idealen Verlauf der Vorarbeiten könnte die ersten Baumaßnahmen im Jahr 2023 beginnen. „Ja, unsere Ziele sind ambitioniert“, so Dudda, „doch Herne und das Ruhrgebiet sind bereit dafür.“

Reaktionen auf die Präsentation folgen in einer weiteren Berichterstattung.

Ab Freitag, 10. Januar, gibt es auf der Internetseite der Stadt Herne ausführliche Informationen zur Vision. . Dort finden sich auch Erläuterungen zu rund 20 Fragen. Unter der Mailadresse kann man Fragen stellen, Anregungen geben oder seine Meinung äußern.

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