Naturschutz

Herne: Wildbienen finden immer weniger Lebensräume

Wer Nisthilfen oder Insektenhotels in seinem Garten aufstellt, so wie hier im Herner Haus der Natur, der bietet Wildbienen eine gute Lebensgrundlage.

Wer Nisthilfen oder Insektenhotels in seinem Garten aufstellt, so wie hier im Herner Haus der Natur, der bietet Wildbienen eine gute Lebensgrundlage.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Grün wird zubetoniert, Gärten werden zu Steinwüsten: Wildbienen verlieren in der Stadt ihre Lebensräume, warnt der BUND. So hilft man den Tieren.

Es summt und surrt im Garten des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hinter dem Haus der Natur in Herne. Wildbienen sind fleißig bei der Arbeit. Sie sammeln Pollen und bauen ihre Nester. Dass Wildbienen solitär leben und dass es verschiedene Arten gibt, wissen wohl die wenigsten. Dabei erfüllen sie eine wichtige ökologische Funktion.

Warum Wildbienen wichtig sind und wie man es ihnen bequem machen kann, erklärt Hiltrud Buddemeier vom BUND: „Die Bestäubung der Pflanzen muss gesichert sein, und dafür brauchen wir Bienen.“ Da Grünflächen zubetoniert würden und viele Menschen keine grünen Gärten mehr besäßen, hätten die Wildbienen es schwer, Lebensräume zu finden. „Deshalb ist es wichtig, ihnen Nahrung und Nisthilfen anzubieten“, betont Buddemeier.

Wildbienen sind sehr friedlich

Im Garten des BUND an der Vinckestraße in Herne-Mitte gibt es viele Nisthilfen – aus Holz, aus Lehm und aus Holzbetonsteinen: „Am liebsten haben sie aber das Holz.“ Früher – als viele Häuser noch große Holzanteile gehabt hätten – sei es für die Wildbienen kein Problem gewesen, Nistplätze zu finden. „Heute ist alles so dicht, da kommen sie nicht zwischen.“ Auch ließen nur wenige Totholz oder natürlich geschichtete Steine im Garten liegen. Wildbienen seien sehr friedlich und sorgten dafür, dass die Pflanzen im Garten befruchtet werden: „Die Kleingärtner nutzen das leider viel zu wenig. Dabei wäre es für ihre Gärten von Vorteil, wenn Wildbienen unterwegs sind.“

Bei einer Bestandsaufnahme der Universität Bochum seien vor einigen Jahren 15 verschiedene Wildbienenarten im Garten des BUND gefunden worden. Die früheste im Jahr: die Gehörnte Mauerbiene. „Sie hat zwei weiße Punkte auf dem Kopf“, erklärt Buddemeier. Ihre Zeit sei bereits vorbei, aktuell sei noch die Rostrote Mauerbiene dabei, ihre Nester zu bauen. Dazu sammeln sie Pollen und bringen ihn in einen Gang: „Sie legen vier bis fünf Eier in einen Gang, dazwischen kommt Pollen als Nahrung. Diesen befestigen sie, indem sie ihn mit dem Popo festschieben.“

Ab Mai beginnt die Zeit der Blattschneiderbiene

In den Schaukästen kann man den Wildbienen bei dieser Arbeit zuschauen. In einem sind schon Larven geschlüpft. Im Sommer verpuppen sich die geschlüpften Mauerbienen und kommen erst im nächsten Frühjahr heraus: „Da Wildbienen keine Stämme bilden, brauchen sie keine Arbeiter. Sie machen alle ihr eigenes Ding.“ Die Männchen würden nach der Begattung nicht mehr in die Gänge gelassen, sie sterben kurz darauf. Auch die weiblichen Bienen sterben nach der Brutpflege. Sie lebten bis zu sechs Wochen. „Beim Schlupf geht es von vorne nach hinten, vorne sind die Männchen. Sie kommen als erstes aus dem Nest und werden häufig gefressen.“ Meisen lauerten gerne vor den Bienennestern.

Ab Mai beginne die Zeit der Blattschneiderbiene. Sie schnitten – wie der Name schon sage – kleine Stücke aus Blättern und legten diese gerollt in die Nistgänge, um das richtige Klima zu schaffen. Ab Juni kämen dann die Wollbienen. Sie seien etwas pummelig und sähen mit ihrer Streifung ein bisschen wie Wespen aus, nur viel kleiner: „Aber auch sie sind harmlos und regelrechte Schlafmützen.“ Wenn Buddemeier morgens in den Garten gehe, dann lägen sie meist noch in den Blüten und schliefen.

Wollbienen bevorzugten übrigens Fingerhut zur Paarung. Allgemein mögen die kleinen Wildbienen nach Auskunft von Buddemeier Pflanzen mit größeren Blüten, in denen sie sitzen und sich verstecken können: „Lippenblütler wie Thymian oder Rosmarin finden sie spannend.“

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