Entsorgung

Herne verbessert Sperrmüll-Routen mit Hilfe von Start-up

Mit zwei Sperrmüllautos ist Entsorgung Herne derzeit täglich unterwegs. Mit einer neuen Technologie soll die Routenplanung optimiert werden.

Mit zwei Sperrmüllautos ist Entsorgung Herne derzeit täglich unterwegs. Mit einer neuen Technologie soll die Routenplanung optimiert werden.

Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool

Herne.  Entsorgung Herne optimiert die Planung der Sperrmüll-Routen. Zudem sollen Termine schneller vergeben und ab 2020 auch online buchbar sein.

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Auf einen Sperrmülltermin zu warten kann in Herne und Wanne-Eickel bisher mitunter lange dauern. Wer Schrank, Bett oder Couch loswerden möchte, muss persönlich einen Termin vereinbaren, 25 Euro bezahlen und dann – warten. Das soll sich nun ändern.

Mit Unterstützung des Start-up-Unternehmens Adiuta Byte optimiert Entsorgung Herne die Sperrmüllrouten. „Das Thema Sperrmüll war für uns immer ein schwieriges“, räumt Horst Tschöke, Vorstand bei Entsorgung Herne, ein. Denn in den Köpfen habe es immer noch zwei Städte und zehn Abholbezirke gegeben. Die Folge waren lange Wartezeiten und alles andere als eine optimale Tourenplanung.

Algorithmus ermittelt die beste Route für Entsorgung Herne

Das soll sich nun ändern: Bei der neuen Technologie werde ein Algorithmus angewandt, der ursprünglich für die Tourenplanung in der ambulanten Pflege ausgelegt war, erklärt Vanessa Wolff von Adiuta Byte. Dieser wurde für die Sperrmüllentsorgung angepasst. Faktoren seien dabei etwa, ob es sich um Sperrmüll oder Elektroschrott handele oder wie viel in den Sperrmüllwagen passe, bevor er geleert werden müsse.

„Heute bekommen die Mitarbeiter eine Liste mit Adressen und wissen nicht, was sie dort erwartet“, erklärt Vanessa Wolff. Denn anders als in anderen Kommunen wie Essen oder Bochum musste in Herne bisher nicht angegeben werden, was genau vor die Tür gestellt wird. Einzige Vorgabe: Es dürfen maximal vier Zimmereinrichtungen sein.

Technologie soll in Echtzeit reagieren

„Sperrmüll ist immer auch ein wachsender Berg, der über Nacht größer wird“, sagt Horst Tschöke. Mit der neuen Technologie solle in Zukunft nicht nur detailliert aufgeführt werden, was entsorgt werden soll, es soll auch möglich sein, in Echtzeit zu reagieren, wenn das Sperrmüllauto voller ist als geplant, wenn Mitarbeiter krank sind oder Staus auf der Strecke die Arbeit behindern. „Der Algorithmus sucht sich anhand der Parameter automatisch die ideale Route“, erklärt Pierre Golz aus der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt. So könne zudem CO2 gespart werden.

Dabei löst Entsorgung Herne die Abholbezirke auf. Ab dem zweiten Quartal 2020 soll der Kunde dann auch online einen Sperrmülltermin vereinbaren und bezahlen können. Denn kostenpflichtig soll der Service – anders als in einigen Nachbarkommunen – weiterhin bleiben. Dabei wird dem Kunden sofort bei der Buchung gezeigt, wann eine Abholung möglich ist – gegebenenfalls auch schon am nächsten Tag.

Beteiligung an Data Hub der Gründerallianz Ruhr

Die Zusammenarbeit mit dem Start-up Adiuta Byte ist durch Hernes Beteiligung an dem von der Gründerallianz Ruhr ins Leben gerufenen Projekt Data Hub entstanden. Als einzige Kommune öffnet Herne dabei neben einigen Unternehmen seine Datensätze, um in den Bereichen Mobilität und Energie neue Lösungen zu finden. „Es sind keine Personen bezogenen Daten“, betont Oberbürgermeister Frank Dudda.

Auch die Stadtwerke setzen in einem zweiten Anwendungsfall auf innovative Datennutzung. Denn: „Die ganze Energiewelt wandelt sich im Moment komplett“, sagt Andreas Krause, Abteilungsleiter Netzbetrieb bei den Stadtwerken. Es gebe nicht mehr nur die Stadtwerke als Lieferanten und den Konsumenten, sondern in Zukunft versorgten sich immer mehr Kunden selbst.

Stadtwerke Herne entwickelten mit Start-up IT-Plattform

Mit dem Start-up Accelogress entwickelten sie eine IT-Plattform, die energieautarke Häuser wie im Klimaviertel in Sodingen noch effizienter machen soll. Dafür sollen die Hausbewohner eine App bekommen, die unter Einbeziehung aktueller Wetterdaten, Stromproduktion und dem Füllstand der Batterie eine Empfehlung ausspricht, wann es etwa günstig ist, energieintensive Elektrogeräte wie die Waschmaschine zu starten.

Beide Projekte sollen nur der Start sein und weiter ausgebaut werden – mit Hilfe kommunaler Daten. „Während bisher Stahl und Kohle die Rohstoffe waren, die das Ruhrgebiet groß gemacht haben, können Daten der neue Rohstoff sein, mit dem man die Region zu alter Stärke bringen kann“, sagt Ersin Üstün von der Gründerallianz. Und dieser Prozess ist laut Dudda „nichts anderes als ein großes Abenteuer“.

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