Rettungsdienst

Herne: Telenotärzte sollen Patienten aus der Ferne helfen

Bei Einsätzen werden Sanitäter in Rettungswagen oft von Notärzten unterstützt. Künftig soll es auch Telenotärzte geben, die aus der Ferne helfen.

Bei Einsätzen werden Sanitäter in Rettungswagen oft von Notärzten unterstützt. Künftig soll es auch Telenotärzte geben, die aus der Ferne helfen.

Foto: Marius Becker / dpa

Herne.  Besatzungen von Krankenwagen werden in Herne künftig auch von Telenotärzten unterstützt. Sie sollen Patienten aus der Ferne helfen.

Telenotärzte sollen Sanitäter in Rettungswagen künftig aus der Ferne unterstützen. Damit will Herne auf die steigende Zahl von Rettungsfahrten reagieren. Notärzte müssten dann nicht mehr so häufig zur Unterstützung der Sanitäter etwa zu einem Unfallort ausrücken, und Telenotärzte können sofort aus der Zentrale helfen. „Davon versprechen wir uns eine Qualitätssteigerung im Rettungsdienst“, sagt Dr. Holger Wißuwa, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Herne, zur WAZ.

Wählt ein Bürger die 112, rücken Rettungswagen aus. Spätestens vor Ort entscheiden die Rettungs- und Notfallsanitäter, ob auch ein Notarzt anrücken muss. Bei bis zu 25 Prozent der Fälle sei das nötig. Zwei Notärzte, so Wißuwa, sind in Herne rund um die Uhr im Einsatz. Das Problem: Es gibt immer mehr Rettungseinsätze. Allein zwischen 2009 und 2019 habe sich die Zahl der Einsätze von rund 10.700 auf 19.290 fast verdoppelt.

Herne: Notärzte müssen häufiger aus einer anderen Stadt angefordert werden

Die Notärzte haben also immer mehr Arbeit. Zehn mal pro Tag rücke der Notarzt mittlerweile aus. Folge: Das Risiko, dass er gleichzeitig an mehreren Stellen gebraucht werde, steige. Über 700-mal habe im vergangenen Jahr ein Notarzt aus einer anderen Stadt angefordert werden müssen, weil die Herner Notärzte bereits im Einsatz gewesen seien. Entsprechend länger dauerten die Anfahrten, und entsprechend länger müsse ein Patient auf ärztliche Unterstützung warten.

Telenotärzte sollen die Sanitäter künftig aus der Ferne unterstützen. Dazu soll bis voraussichtlich 2023 in Bochum eine Telenotarzt-Zentrale für die Städte Bochum, Herne und Gelsenkirchen eingerichtet werden, sagt Rettungsdienst-Chef Wißuwa. Er stellt klar: „Es geht nicht darum, die Notärzte vor Ort abzuschaffen.“ Bei lebensbedrohlichen Situationen, etwa einem schweren Unfall oder einer Wiederbelebung, soll auch künftig ein Notarzt ausrücken: „Da braucht man ärztliche Kompetenz am Unfallort.“

Es gebe aber auch Situationen, die ein Telenotarzt per Telefon oder Video regeln könne – und das sogar schneller. Habe sich etwa ein Mensch ein Bein gebrochen und schlimme Schmerzen, könne ein Notfallsanitäter in Abstimmung mit dem Telenotarzt sofort mit der Schmerztherapie beginnen – und müsse nicht auf einen Notarzt warten, der noch anrücken müsse.

Erfolgreiches Pilotprojekt in Aachen

Ein Telenotzarzt-Pilotprojekt im Raum Aachen habe gezeigt, dass Telenotärzte funktionierten, nun sollen Telenotärzte im ganzen Land installiert werden (siehe Box). Die Mediziner aus der Ferne könnten dank der steigenden technischen Möglichkeiten auf viele Daten zurückgreifen. So sähen Telenotärzte am Monitor etwa, welche Medikamente im Rettungswagen an Bord seien, auch könnten sie schnell auf Werte des Patienten zugreifen.

Wißuwa ist es wichtig, dass das System in Ruhe und mit Akribie aufgebaut wird. Die Sicherheit der Patienten müsse stets im Vordergrund stehen, betont er. So müssten hochqualifizierte Tele-Notärzte gefunden werden, die sich zutrauten, aus der Ferne zu helfen. Außerdem müssten mehr Rettungssanitäter zu Notfallsanitätern ausgebildet werden. Notfallsanitäter hätten die höchste Ausbildungsstufe, und mindestens einer müsse im Rettungswagen an Bord sein, damit das Zusammenspiel zwischen Rettungswagen-Besatzung und Telenotarzt auf eine solide, professionelle Basis gestellt werde.

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