Ausbildung

Herne stemmt sich gegen Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt

Gerade im medizinisch-pflegerischen Bereich gibt es nach wie vor Bedarf an Nachwuchs.

Gerade im medizinisch-pflegerischen Bereich gibt es nach wie vor Bedarf an Nachwuchs.

Foto: Symbolbild: Ole Spata / picture alliance/dpa

Herne.  Die Stadt Herne und die Agentur für Arbeit stemmen sich gegen den Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt. Sie richten einen Appell an die Unternehmen.

Stadt und Agentur für Arbeit wollen verstärkte Anstrengungen unternehmen, um die Probleme auf dem Herner Ausbildungsmarkt zumindest abzufedern. „Wir wollen das Signal geben, dass es zwar keine Rückkehr zu Normalität geben wird, Herne sich aber erholen wird“, so Oberbürgermeister Frank Dudda.

Frank Neukirchen-Füsers, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, verdeutlichte die durch die Coronakrise verursachten Probleme anhand von einigen Zahlen. Bis zum Februar habe es einen positiven Trend bei den Ausbildungsplätzen gegeben. 1315 neue Lehrstellen habe die Agentur registriert - mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Doch inzwischen habe sich der Trend ins Negative gewendet. Nun gebe es 24,1 Prozent weniger gemeldete Ausbildungsstellen, so Neukirchen-Füsers. Corona habe eine spürbare Verunsicherung ausgelöst.

Agentur: Der Fachkräftemangel verschwindet nicht

Die Agentur habe deshalb Unternehmen kontaktiert, die zusammen rund 270 Lehrstellen gemeldet hatten. Die zentrale Frage: Bieten sie diese Lehrstellen weiter an? 80 Prozent würden ihre Plätze weiter anbieten, 16 Prozent seien unsicher, vier Prozent würden das Angebot zurückziehen. „An diese 20 Prozent wollen wir ran und sie überzeugen, dass sie ausbilden“, so Neukirchen-Füsers. Er glaubt, gute Argumente zu haben. Der Fachkräftebedarf werde nicht verschwinden, gerade vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren immer mehr Arbeitskräfte aus den geburtenstarken Jahrgängen in den Ruhestand gingen.

Um den Ausbildungsmarkt einen Schub zu verleihen, soll am 24. September doch wieder ein Azubi-Speeddating stattfinden, kündigte Ewa Neweling von der städtischen Stabsstelle Arbeit an. Sowohl IHK als auch die Kreishandwerkerschaft, die Wirtschaftsförderung und vor allem die Schulen wollten das Format unbedingt fortsetzen.

Azubi-Speeddating soll im September stattfinden

Der OB appelliert an die Firmen, gerade jetzt die jungen Menschen nicht allein zu lassen, sonst fehlten später die Kräfte für den Wiederaufbau. Es brauche Vorbilder, die ausbilden, um auch anderen das Entwicklungspotenzial vor Augen zu führen. Dudda kündigte an, dass es demnächst weitere positive Nachrichten für den Standort Herne geben werde.

Sowohl Neukirchen-Füsers als auch Dudda beurteilen die sogenannte Ausbildungsprämie, die am Mittwoch im Bundeskabinett verhandelt wurde, positiv. Diese sei schon bei der Finanzkrise 2009 hilfreich gewesen, so Neukirchen-Füsers. Für Dudda ist sie ein Signal an die Betriebe, dass es Hilfe gibt, aber auch eine Anerkennung des Geleisteten.

Appell auch an die jungen Menschen

Die Prämie spielt für Gerwin Schweppe keine Rolle bei der Entscheidung, ob er ausbildet oder nicht. Der Geschäftsführer von Wärmetechnik Leickel hält auf jeden Fall an der Ausbildung fest. Von den 105 Mitarbeitern sind acht Auszubildende. Längst hat er die ersten Verträge unterschrieben, weitere könnten folgen. „Arbeit ist immer da“, sagt er, wobei er sich bewusst ist, dass es in dieser Krise auf die Branche ankomme. Aber in zahlreichen Gewerken des Handwerks gebe es eine gute Auftragslage.

Dudda und Neukirchen-Füsers appellieren nicht nur an Betriebe, sondern auch an die jungen Menschen. Sie sollten sich angesichts der unsicheren Lage nicht ihre Lehrstellensuche abbrechen oder gar nicht beginnen und zu einem der Berufskollegs streben.

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