Vortrag

Herne: Reinhold Messner berichtet über den „Schicksalsberg“

Der Bergsteiger Reinhold Messner trat im Herner Kulturzentrum auf.

Der Bergsteiger Reinhold Messner trat im Herner Kulturzentrum auf.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Der Bergsteiger Reinhold Messner berichtete im Herner Kulturzentrum über die Erlebnisse auf dem „Schicksalsberg“ – und begeisterte sein Publikum.

Wohl kaum ein Name steht so exemplarisch für den Sport des Bergsteigens wie der von Reinhold Messner. Über ein halbes Jahrhundert lang bot der Abenteurer aus Südtirol der Natur die Stirn und wagte sich in die unwirtlichsten Bereiche der Erde vor, getrieben von einer Leidenschaft, die über die Grenzen seiner Zunft hinaus eine enorme Strahlkraft entwickelte.

Auf festem Boden im Kulturzentrum beflügelt Reinhold Messner mit seinen Erlebnissen aus dem Westhimalaya das Publikum und nimmt es mit zu seinem „Schicksalsberg“, dem Nanga Parbat. Weniger sein Alter, als sein zehrender Lebensweg zeichnet die Erscheinung des Mannes, der als erster alle 14 Gipfel der höchsten Berge der Erde erklommen hat, sich seinen Weg durch Wüsten bahnte und Jahre seines Lebens abseits der Zivilisation verbracht hat.

Nanga Parbat geht als „Schicksalsberg der Deutschen“ in die Geschichte ein

Fast etwas müßig betritt er langsam die Bühne im schlichten braunen Anzug, während die Musik im ewig Eis der gezeigten Bilder auf Leinwand verhallt und beginnt nach einer kurzen, doch herzlichen Begrüßung seine Geschichte. Für die holt er weit in das Jahr 1895 aus, in die Zeit des ersten Besteigungsversuchs des im Rest der Welt eher unbekannten Nanga Parbat in Pakistan, der als „Schicksalsberg der Deutschen“ in die Geschichte einging.

Ein Berg von 8125 Metern Höhe, bei dem die Einheimischen im Traum nicht darauf gekommen wären, ihn zu besteigen, beschreibt Messner die Widrigkeiten, mit denen auch die besten zeitgenössischen Bergsteiger zu kämpfen hatten und in tragischen Expeditionen ihr Leben ließen. Der Präsentation mit Unterstützung von gezeigtem Archivmaterial oder original Tagebucheinträgen früher Expeditionen ist der Charakter einer Vorlesung nicht zu verleugnen und der Zuschauer bei etwaigen Fragen fast geneigt sich zu melden.

Der Tod seines Bruder begleitet Reinhold Messner noch heute

Doch diese bleiben aus, so lückenlos und doch kompakt durchläuft Messner seinen Vortrag, ehe er im Jahr 1970 ankommt, seinem „Schicksalsjahr“. Gespannt sind alle Blicke im Publikum auf die Leinwand gerichtet auf der Messner mit beeindruckender Präzision die schmalen Pässe des Berges mit dem Laserpointer nachzeichnet, die er gemeinsam mit seinem Bruder Günther bestritt. Als zwei von 17 Expeditionsteilnehmern seien die Brüder gezwungen gewesen in einem Notfallbiwak nahe des Gipfels Unterschlupf zu suchen, was, illustriert von Schneestürmen aus der Region, manch einem einen kalten Schauer über den Nacken laufen lässt. Völlig entkräftet mit starken Erfrierungen und von Halluzinationen heimgesucht findet sich Messner Tage später am Fuß des Berges wieder, als Holzfäller auf ihn aufmerksam werden und ihn verpflegen. Sein Bruder Günther überlebt den waghalsigen Abstieg nicht.

Der Tod des Bruders zieht bis heute einen Rattenschwanz der gegenseitigen Anschuldigungen nach sich und prägte nachhaltig Reinhold Messners Verständnis von Leben und Tod: „Nicht den Gipfel zu erreichen ist das höchste Gefühl von Euphorie, sondern das, wieder Heim zu kommen“, hält Messner in abschließenden Worten fest. Das Publikum dankt mit tosendem Applaus und ist froh über Temperaturen lediglich um den Nullpunkt.

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