Volkstheater

Herne: Mondpalast-Publikum feiert „Schweigen der Frösche“

Desaster hinter'm Gartenzaun: Schauspieler des Mondpalast-Ensembles bei der  Premiere der neuen Komödie „Das Schweigen der Frösche".

Desaster hinter'm Gartenzaun: Schauspieler des Mondpalast-Ensembles bei der Premiere der neuen Komödie „Das Schweigen der Frösche".

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Premiere im Mondpalast von Wanne-Eickel: Ein kleiner Frosch bringt große Unruhe. Das Publikum hatte Spaß am Zoff unter ungleichen Nachbarn.

Mit dem ersten Quaken ist die Ruhe vorbei. Gerade wurde noch zusammen gefeiert in der kleinen Siedlung, jetzt sind die Nachbarn auf dem Baum. „Der Scheiß-Lurch bringt mich ins Grab“, sagt man da im Ruhrgebiet, und da spielt natürlich auch die neue Komödie des Mondpalasts von Wanne-Eickel. Hausautor Sigi Domke hat sich damit ein selbst erlebtes Trauma von der Seele geschrieben und Thomas Rech als Regisseur einen großen Spaß daraus gemacht. Am Donnerstag hatte „Das Schweigen der Frösche - Desaster hinter'm Gartenzaun“ Premiere, stehend gefeiert wie üblich.

Die neureichen Brockmeiers - er Autohändler, sie schönheitsoperiert - haben das Viech zu ihrer Erbauung angeschafft, und jetzt sitzt es in seinem Natursteinbrunnen und macht Lärm, was die Normalos in der Siedlung nervt. Bühnenbildner Arke Zeiß hat um den Brunnen herum eine Hofkulisse gebaut, die die sozialen Grenzen zwischen Villa und Mietwohnungen augenfällig macht und viele Räume öffnet.

Dominik Brünnig ersetzt Martin Zaik

Für den erkrankten Martin Zaik, im Mondpalast abonniert auf prollige Rollen, spielt Dominik Brünnig den Robert Brockmeier - und er macht das richtig gut als entspannter Macho in Badeschlappen und mit Sonnenbrille im Haar. Ihm zur Seite freut sich Susanne Fernkorn als stark geschminkte und knapp bekleidete Gerti (Typ Ingrid Steeger) über den Frosch als Kinderersatz. Eine Karikatur der TV-Reichen „Die Geissens“, zumal Gerti ihren Gatten gerne „Rooobert“ ruft. Sie allerdings permanent herumscharwenzeln und ihren gepolsterten Körper zur Schau stellen zu lassen, schmerzt dann doch. Auch mit den zweideutigen Anspielungen à la „Hammer in der Hose“, und werden sie noch so beklatscht, kann man deutlich sparsamer umgehen. Zur Entourage der beiden gehört noch ein saufender Journalist als Hofberichterstatter.

Drei Pärchen und ein Single

Nebenan lebt ein Querschnitt der deutschen Mittelschicht: Ein junges Pärchen mit Baby Sven-Hendrik, dessen Namen selbst sein Vater immer wieder vergisst, und das von seiner Mutter handyüberwacht wird, ferner ein Bundeswehrsoldat, eine naturliebende Bibliothekarin mit Mann im Ordnungsamt und ein Sattelschlepper-Fahrer und seine resolute Frau. Schauspielerisch agieren sie ausnahmslos in gewohnter Frische, mit den Spleens, die Komödienfiguren so liebenswert machen. Besonders stark: Axel Schönnenberg als Jochen Nabulski, der in seiner Raserei Gewaltfantasien entwickelt („Komm da raus, du Spacko“).

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Mitzuerleben, wie die Wut eskaliert und brave Bürger bewaffnet in Tarnanzügen einem Frosch zu Leibe rücken, ist bis zum großen Knall am Ende kurzweilig und mit vielen netten Gags gespickt. „Einfach mal Mensch bleiben“: diese schon von Jürgen von Manager verbreitete Devise kommt zwar zum Schluss etwas simpel daher, ist aber in Zeiten allgemeiner Aufgeregtheit nicht die schlechteste Idee, die eine Komödie ihrem Publikum mit auf den Weg geben kann.

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