Flüchtlings-Bündnis

Herne ist Akteur in einem großen Bündnis zur Integration

Mit einem

Foto: Martin Schutt

Mit einem Foto: Martin Schutt

Herne.   Herne ist einer der zentralen Akteure in einem breiten und einmaligen Bündnis, um Flüchtlinge über Ausbildung und Arbeit zu integrieren.

Herne wird einer der zentralen Akteure in einem Bündnis, das es in einer derartigen gesellschaftlichen Breite bundesweit wohl noch nicht gibt. Auf Initiative der IHK Mittleres Ruhrgebiet gründen die Städte Herne, Bochum, Hattingen und Witten, die Kreishandwerkerschaften, die IG Metall, der Arbeitgeberverband, die Ruhr-Uni, die Hochschule Bochum, die Kirchen sowie die Arbeitsgemeinschaft der Bochumer Moscheen den „Verein zur Unterstützung der Qualifizierung und Ausbildung von Zugewanderten“ - kurz: QuAZ.

Das Ziel: Geflüchteten und zugewanderten Menschen die Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft erleichtern.

„Menschen brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf“

Den Impuls hatte IHK-Hauptgeschäftsführer Eric Weik gegeben: Er habe die Flüchtlingskrise 2015 noch als Bürgermeister von Wermelskirchen erlebt, als er für die Unterbringung der Flüchtlinge in Turnhallen verantwortlich war. Doch diese Menschen benötigten mehr als Kleidung und ein Dach über dem Kopf, so Weik. Die Integration in die Gesellschaft gelinge in erster Linie über Ausbildung und Arbeit. Weik zeigte sich „stolz“, dass sich dieses Bündnis gebildet habe, er wünsche es sich als Blaupause für ganz Deutschland.

Ein Hintergrund für die Gründung des Vereins ist auch eine schnelle Integration: Wenn die Zugewanderten erst zwei Jahre einen Sprachkurs belegen und dann eine Ausbildung beginnen, zieht sich der Prozess bis zu sechs Jahre.

Der OB will beweisen, dass Integration möglich ist

Für Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda spielt eine wichtige Rolle, dass mit dem Verein ein Stimmungswandel in der Bevölkerung herbeigeführt wird. „Wir wollen das Thema Zuwanderung mit Mut belegen, nicht mit Angst. Wir müssen zeigen, dass Integration möglich ist. Dafür seien besondere Kraftanstrengungen nötig. Mit dem Instrument des Vereins wollen alle Beteiligten die Talente der zugewanderten Menschen herausarbeiten.

Der neue Verein soll Insellösungen vernetzen

Auch für Martin Klinger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Herne, war es keine Frage, die Vereinsgründung zu unterstützen. Das Handwerk begreife sich als Macher, der Verein biete eine große Chance und habe Beispielcharakter weit über das Ruhrgebiet hinaus.

Wenn die Räte der beteiligten Städte das Projekt abgesegnet haben, wird der Verein am 3. März gegründet. Dieses Gerüst, so Dudda, werde im nächsten Schritt mit Inhalten gefüllt. Man werde bestehende Maßnahmen analysieren und überlegen, wie man noch effektiver agieren könne. Dudda will weg von Insellösungen zu umfassenden Konzepten. Denkbar ist auch die Entwicklung neuer Konzepte. Als Beispiel nannte Dudda den Pflegebereich. Dort gebe es einerseits einen Mangel an Fachkräften, andererseits brächten manche Flüchtlinge genau die richtigen Fähigkeiten mit.

>> KOMMENTAR: DIE CHANCE NUTZEN

Die Flüchtlingskrise - das Wort sagt es - war in ihrer akuten Phase ein echtes Problem. Auch in Herne waren Monate lang Turnhallen und Schulen als provisorische Unterkünfte belegt.

Nun wird es Zeit, die Chancen dieser Entwicklung zu erkennen und zu nutzen. Experten sind sich seit Jahren darin einig, dass Deutschland angesichts einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft dringend Zuwanderung braucht. Jetzt ist sie da.

Mit dem neuen Verein zeigen alle Beteiligten, dass sie diese Chance ergreifen wollen. Die neue Arbeitsagentur-Chefin Regine Schmalhorst hatte im Herner WAZ-Interview gesagt, dass die Flüchtlinge die Fachkräfte von überübermorgen sein werden. Vielleicht trägt der Verein dazu bei, dass daraus ein morgen wird.

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