Comedy-Preis

Herne erlebt kurzweilige Gala rund um den „Tegtmeier“-Preis

Gewinner unter sich: Thomas Gottschalk (li.) und William Wahl beim Selfie nach der Preisverleihung von „Tegtmeiers Erben“ im Kulturzentrum.

Gewinner unter sich: Thomas Gottschalk (li.) und William Wahl beim Selfie nach der Preisverleihung von „Tegtmeiers Erben“ im Kulturzentrum.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Herne.  Vier Stunden Unterhaltung und vier Preisträger erlebte das Publikum am Samstag im rappelvollen Kulturzentrum. Und das sind „Tegtmeiers Erben“.  

Besser hätte es kaum laufen können für William Wahl am Samstagabend. Zum Publikumspreis beim Bühnenwettbewerb „Tegtmeiers Erben“ gab es den Ritterschlag vom Großmeister der TV-Unterhaltung, Thomas Gottschalk. „Ich hab dich auch gewählt“, bekannte der prominente Gast bei der Übergabe der berühmten Kappe. „Du spielst toll Klavier und du bist nicht dumm.“ Damit gehörte Gottschalk zu den 28,33 Prozent des Publikums im Kulturzentrum, die dem Bochumer ihre Stimme gegeben hatten.

Preisverleihung zu fortgeschrittener Stunde

Der Abend war schon fortgeschritten, als es nach der zweiten Pause an die Verleihung der Preise ging. Wie bei den elf vorhergehenden Wettbewerben für Bühnenoriginale zu Ehren Jürgen von Mangers hatten zunächst sechs Nachwuchskünstler die Chance, sich jeweils eine Viertelstunde lang zu präsentieren - das Herzstück des Wettbewerbs. Ausgelobt waren ein Publikumspreis und ein Jurypreis, jeweils dotiert mit 5000 Euro, plus die von der Tegtmeier-Figur bekannte Kappe aus Stoff.

Mit Özgür Cebe ging es schon stark los. Der „Deutsche im Körper eines Ausländers“ spielte entspannt mit kulturellen Klischees und Zuschreibungen. Über den Alltag in Heinsberg, gut gelaunte Holländer und Fernseh-Formate wie „Domino Day“ ließ sich die einzige weibliche Kandidatin Tahnee aus. Mit ein paar Zaubertricks würzte Thomas Fröschle, Comedian und Magier, seine Show, bei der vor allem ein pantomimischer Soundcheck gut ankam, während Tino Bomelino absurde Ideen wie „Feelbad“-Produkte, einen sprechenden Saugroboter und Sex-Gutscheine entfaltete.

Geschichten aus dem Familienleben

Dass Moritz Neumeier für seine scheinbar harmlosen Geschichten aus der Kleinfamilie den Jurypreis erhalten sollte, wusste er noch nicht, als er die Bühne betrat. Der Kabarettist und ehemalige Slammer aus dem Norden plauderte über seine drei Kinder und ereignislose Bücher wie „Bullerbü“. Als säße man bei ihm in der Küche, „wo große gesellschaftliche Themen und vermeintlich Privates“ verhandelt würden, befand die Jury, der auch Neumeiers Nummer über Hasskommentare im Internet („Ich hoffe, du fällst in einen Graben mit Brennnesseln“) gefiel. Kleine Panne am Rande: Da man den Laudator Ulrich Koch nicht mit der Jurybegründung versorgt hatte, las eine Jurysprecherin sie anstelle des Stadtwerke-Chefs vor, was mit allgemeiner Heiterkeit quittiert wurde.

Auch Publikumspreisträger William Wahl griff das Thema Kinder auf, mit seiner spöttischen Umdichtung des Abba-Hits „Chiquitita“ zu „Schicke Kita“ brachte er gleich am Klavier den Saal zum Kochen. Englisch ab dem 16. Monat und Baby-Yoga für Corbinian-Flynn - damit hatte er das Publikum, das dann am Ende auch euphorisch in sein kombiniertes Rätsel- und Mitmachlied einstimmte von Amelie, die die Skier ihrer Amme lieh und und Doris, deren Hose in Bordeaux riss.

Ehrenpreis für den „Geierabend“

Den Tegtmeier-Ehrenpreis bekam erstmal eine Gruppe: die Truppe des Dortmunder Alternativ-Karnevals „Geierabend“, auf die zuvor Franz Müntefering pointiertes Loblied gesungen hatte. Hernes berühmter Bürger lobte den „klugen Quatsch“, der inzwischen bis zu 15.000 Menschen pro Session erreicht. Eine Kostprobe gaben „Lollo und Immi“, zwei trinkfeste Borussen-Fans.

„Keine Laudatio“ hatte sich Thomas Gottschalk erbeten, klinge eine solche doch oft wie eine Grabrede. Hernes Oberbürgermeister Frank Dudda hielt sich nicht ganz daran und schmuggelte in seine Rede mit von Mangerschen Einsprengseln ein paar Komplimente.

Nichte von Mangers ist Patin des Abends

Angekündigt von der Nichte des Namensgebers und Patin der Veranstaltung, Monika von Manger-Niggemeyer, hatte der Fernsehentertainer Gottschalk zuvor selbst seine Rede im Stil des großen Humoristen begonnen („Mit diese Preise is gar nich so einfach“), und das für einen Oberfranken gar nicht schlecht. Er habe in seiner Jugend drei Person parodiert, verriet Gottschalk, lässig und sympathisch wie gewohnt, neben Luis Trenker und seinem Mathematiklehrer auch Jürgen von Manager. Dessen Schallplatte mit dem „Schwiegermuttermörder“ habe gerade noch hervorgekramt. Gottschalk erhielt den Jürgen von Manager-Preis für ein Lebenswerk.

Ein wie immer langer, aber nie langatmiger Abend, dank der lockeren Moderation von Helmut Sanftenschneider und der durchgehend niveauvollen Beiträge, denen auch Thomas Gottschalk Anerkennung zollte. „Was ich heute hier gesehen habe, war definitiv ein höheres Niveau als der offizielle Deutsche Comedypreis.“

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