Gänse

Herne entscheidet sich gegen Abschuss von Kanadagänsen

Kanadagänse im Dorneburger Park: Ihre Vermehrung soll gebremst werden.

Kanadagänse im Dorneburger Park: Ihre Vermehrung soll gebremst werden.

Foto: Archivfoto: Ralph Bodemer / FUNKE Foto Services

Herne.  Der Abschuss von Gänsen ist in Herne vom Tisch: Die Stadt setzt auf „Vergrämung“. Die Biologische Station begleitet drei Jahre die Entwicklung.

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Die Stadt ruft den Gänsefrieden aus: Kanada- und Nilgänse müssen in Herne nicht mehr um ihr Leben fürchten. Nachdem vor einigen Monaten ihr Abschuss diskutiert worden war, werden nun andere Maßnahmen zur Eindämmung der Gänsepopulation ins Auge gefasst. Die Biologische Station Östliches Ruhrgebiet soll drei Jahre deren Entwicklung beobachten.

Gänse leben am Wasser

Sie leben dort, wo Wasser ist und wo sie das Gelände gut überblicken können: im Dorneburger Park, im Wanner Stadtgarten, im Schlosspark Strünkede und an den Ostbachteichen. Und sie hinterlassen viel Kot auf den Wegen und in den Teichen. Um der Verschmutzung der Parks Herr zu werden, hatte die Stadt im Sommer einen Abschuss der Kanada- und Nilgänse in Betracht gezogen. Das hatte Natur- und Tierschützer auf den Plan gerufen, eine „Bürgerinitiative Wasservögel“ hatte sich gegründet. Auf den Widerstand hatte wiederum die Stadt reagiert: Sie stoppte den Abschuss und legte das Thema dem Verwaltungsvorstand vor, der nun entschied.

„Wir setzen auf Vergrämungsmaßnahmen“, fasste am Donnerstag Thilo Sengupta, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Stadtgrün, die neue Strategie der Stadt zusammen. „Jegliche Tötung ist vom Tisch“, bekräftigte Stadtrat Karlheinz Friedrichs. Die Entscheidung der Stadt berücksichtigt die Vorschläge verschiedener Naturschutzverbände zur Reduzierung der Gänseschar. Geäußert hatten sich Nabu, BUND,Projekt Blue Sea und PETA, die Bürgerinitiative Wasservögel hatte sich schon vorher eingebracht. Die Biologische Station bewertete die Vorschläge, Stadtgrün prüfte ihre Umsetzbarkeit.

Nicht alle Vorschläge als sinnvoll erachtet

„Die Verbände haben das Rad nicht neu erfunden“, resümierte Thilo Sengupta. Vorgeschlagen wurde unter anderem das Gras seltener zu mähen und Gehölz wachsen zu lassen, da Gänse einen freien Blick brauchen, außerdem ihre Brutplätze für sie unattraktiver zu machen. Weitere Ideen: Echte Eier durch Gipseier ersetzen, noch deutlicher auf das Fütterungsverbot hinweisen und dieses durch den Kommunalen Ordnungsdienst kontrollieren lassen.

Nicht alle Vorschläge bewerten Biologische Station und Stadtgrün als sinnvoll, so etwa den Austausch der Eier. Die Nilgans verstecke ihre Gelege oft an unzugänglichen Stellen wie in Bäumen, bei der Kanadagans brauche es viele Jahre, um erste Erfolge zu erzielen. „Mindestens drei bis fünf Jahre“ laut Stadtgrün-Leiter Heinz-Jürgen Kuhl. Eine Gans lebe bis zu 20 Jahren und brüte pro Wurf fünf bis sieben Jungtiere aus.

Punktuell werden Langgrasflächen entwickelt

„Und wenn wir eine Wiese durchwachsen lassen, gehen die Gänse sofort zur nächsten“, sagt Thilo Sengupta. Außerdem bevorzugten Parkbesucher eine kurz geschorene Wiese. Trotzdem will die Stadt punktuell in Wassernähe Langgrasflächen entwickeln, etwa im Ostbachtal und im Dorneburger Park. Ein klares Nein bekommt der Vorschlag, die betroffenen Parks öfter zu reinigen, was aus personellen und finanzielle Gründen nicht möglich sei. Gerne aufgegriffen wurde unterdessen das Angebot der Bürgerinitiative, den Wanner Stadtgarten zu säubern. Dabei werde man die BI unterstützen.

Was das Zusammenspiel der verschiedenen Maßnahmen bringt, sollen die nächsten drei Jahre zeigen. Danach wird neu beratschlagt.

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