Soziales

Herne bezahlt Frauen mit wenig Einkommen Verhütungsmittel

Verhütung ist auch eine Frage des Geldes.In Herne sollen  Frauen ab 20 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Verhütungsmittel erstattet werden. Ein Fonds macht es möglich. 

Verhütung ist auch eine Frage des Geldes.In Herne sollen Frauen ab 20 Jahren unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für Verhütungsmittel erstattet werden. Ein Fonds macht es möglich. 

Foto: dpa/ Alice S.

Herne.   Frauen mit niedrigem Einkommen erhalten Pille, Spirale & Co. künftig kostenlos. Die Unterstützung ist aber an Bedingungen geknüpft.

In Deutschland gilt: Ab dem 20. Lebensjahr müssen Frauen Verhütungsmittel selbst bezahlen. Das wird sich in Herne künftig zumindest teilweise ändern.

Frauen mit niedrigem oder ohne Einkommen können in Herne auf Antrag unter bestimmten Bedingungen kostenlose Verhütungsmittel erhalten – so wie es Vertreter aus der Politik und die städtische Schwangerenkonfliktberatungsstelle (SKB) bereits im April im Sozialausschuss gefordert hatten. Auf Anfrage der WAZ teilt die Stadt mit, dass das Verfahren im Oktober eingeführt worden sei. Die Kosten trägt der Fachbereich Gesundheit.

Beratungsstelle spricht von dramatischen Konflikten

„Diese Unterstützung wird gewährt, um ungewollte Schwangerschaften in einer finanziellen und/oder psychosozialen Notlage zu verhindern“, erklärt SKB-Leiterin Sabine Blesken. In ihren Beratungen erlebe sie bei Frauen mit ungewollten Schwangerschaften „dramatische Konflikte“.

Die Sozialarbeiterinnen der Beratungsstelle haben mit Unterstützung von Stadt und Politik die Idee eines beim Fachbereich Gesundheit angesiedelten Fonds entwickelt, wie es ihn zum Beispiel in Dortmund gibt. Auch in Bochum gibt es derartige Pläne. Anspruchsberechtigt sind in Herne laut Stadt Frauen („und im Einzelfall auch Männer“) ab 20 Jahren.

Zur Zielgruppe gehören u.a. Hartz IV- und Wohngeldempfängerinnen, Studentinnen, Asylbewerberinnen und Auszubildende. Unterstützung erhalten sie für „zuverlässige, meist längerfristig angelegte Verhütungsmethoden“ wie Spirale, Pille, Dreimonatsspritze, Vaginalring oder Sterilisation.

Ruf nach höheren Hartz-IV-Sätzen

Die Finanzierung orientiere sich nicht ausschließlich an wirtschaftlichen Gesichtspunkten, so Stadtsprecher Horst Martens. Bedingung für die Finanzierung von Verhütungsmitteln sei eine „psychosoziale Notlage“, die in der Beratung festgestellt werden müsse. In Dortmund gelten als Notlage u.a. eine Suchtproblematik, psychische Erkrankungen, eine schnelle Geburtenfolge oder eine besonders problematische soziale Lebenslage.

Eine Kostenübernahme sei nur möglich, so lange der Etat – zunächst 12.000 Euro bis Ende 2019 - nicht ausgeschöpft sei, so die Stadt. Ein Rechtsanspruch bestehe folglich nicht. Seit Oktober hätten 20 Frauen einen Antrag gestellt; vier Zusagen seien bereits erfolgt.

Dagmar Spangenberg-Mades von der evangelischen Arbeitslosenberatung Zeppelin-Zentrum lobt das neue Verfahren. Sie würde es aber noch mehr begrüßen, wenn Hartz-IV-Regelsätze so hoch seien, dass die Verhütung und andere Leistungen aus dieser Grundsicherung finanziert werden könnten. Fonds und andere Unterstützungsangebote hätten einen „Bettelcharakter“, so Spangenberg-Mades.

>>> INFO: So ist die Beratungsstelle erreichbar

  • Jugendamt, Beratungsstellen, Kliniken und Frauenärzte seien über das neue Angebot informiert worden, so die Stadt.

  • Kontakt zur Schwangerenkonfliktberatungsstelle der Stadt: Rathausstraße 6 in Wanne, 02323-163253 (mo bis do 8.30-12 Uhr, fr 8.30-12 Uhr); per Mail: info-schwangerenberatung@herne.de

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